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Emil-Schumacher-Museum

Zwischen Steuer-Pranger und Kunst-Genuss

25.10.2011 | 15:23 Uhr
Zwischen Steuer-Pranger und Kunst-Genuss
Kustor Rouven Lotz im Hagener Schumacher-Museum. Foto: A. Thiemann

Hagen.   Gut zwei Jahre nach der Eröffnung ist das Hagener Emil-Schumacher-Museum noch immer eine Baustelle - obwohl die Besucher davon kaum etwas mitbekommen und auch von der derzeitigen Ausstellung „Schumacher - Afrika“ überwältigt sind.

Gut zwei Jahre nach der Eröffnung ist das Hagener Emil-Schumacher-Museum noch immer eine Baustelle - obwohl die Besucher davon kaum etwas mitbekommen und auch von der derzeitigen Ausstellung „Schumacher - Afrika“ überwältigt sind.

Rouven Lotz flüchtet in die blanke Ironie: „Wirklich wunderbar“ sei es, meint der Kustos des Hagener Museums, dass man wieder einmal bundesweit in die Negativschlagzeilen geraten sei. In der vergangenen Woche hatte der Steuerzahlerbund das Hagener Museum an den öffentlichen Pranger gestellt und die enormen Folgekosten gerügt, mit der sich die Stadt herumschlagen muss. Aus dem vermeintlichen Leuchtturmprojekt sei längst ein „Groschengrab“ mit verdreifachten Ausgaben geworden.

Mobile Luftbefeuchter

Rouven Lotz empfindet die Steuerschelte als ungerecht und rufschädigend: „Der Schumacher-Stiftung ist doch ein funktionierendes Gebäude zugesichert worden. Nicht das Institut ist schuld an der Misere, sondern die städtische Bauverwaltung. Die noch immer nicht abgeschlossenen Nachbesserungsarbeiten und die schlechte Publicity beeinträchtigen unseren Betrieb.“

Tatsächlich wird jetzt bei der hochkarätigen Kunstschau mit mobilen Luftbefeuchtern gearbeitet, weil die eigentlich so ambitionierte Klimaanlage den Erfordernissen nicht gerecht wird. Die völlig unbefriedigende Luftsituation macht nach Angaben des Kustos auch eine längerfristige Ausstellungsplanung unmöglich: „Wir können doch nichts vorbereiten, was unsere Kunstwerke gefährden könnte.“ Das junge Museum befinde sich gerade in einer Phase, in der Vertrauen gegenüber möglichen Leihgebern erst einmal aufgebaut werden müsse. „Immerhin können wir mit unserer neuen Ausstellung beweisen, dass wir die Erfahrung haben, mit wertvollen Dingen umzugehen“, so Rouven Lotz.

Von verlockenden „Blockbuster“-Projekten, etwa Schauen mit Monet oder Picasso im Schumacher-Vergleich, sieht man in Hagen jedenfalls mittelfristig noch ab. „Dafür fehlt uns einfach die personelle Ausstattung“, erklärt der Kustos: Die Nolde-Ausstellung im vergangenen Jahr mit über 11 000 Besuchern war die absolute Obergrenze dessen, was wir bewältigen können.“

Weniger Spektakuläres muss allerdings keine Qualitätsschwäche bedeuten, wie gegenwärtig wunderbar zu sehen ist. Noch bis zum 3. März werden im Schumacher-Museum wertvollste Holzskulpturen aus dem afrikanischen Niger-Delta mit Schumacher-Arbeiten korrespondierend gezeigt. Das ist keine volkskundliche Schau, vielmehr eine Kunstpräsentation von höchster Güte und betörend schön in Szene gesetzt.

Wundervolle Inszenierung

Die Afrika-Affinität Schumachers und die Tatsache, dass Karl Ernst Osthaus im Jahre 1912 als erster Museumsleiter überhaupt afrikanische Kunst selbst kaufte und in Hagen zeigte, sind der thematische Unterbau, auf dem nun erstmals ein weitgehend geschlossener Überblick über die bis zu 500 Jahre alte Kunst aus dem Nil-Delta möglich geworden ist. Internationale Leihgeber konnten gewonnen werden, und Rouven Lotz betont gern, dass hier „keine ethnologische Spielerei“ umgesetzt worden ist. Dem Besucher jedenfalls verschlägt es förmlich die Sprache, wenn er das kongeniale Miteinander von großformatigen Schumacher-Bildern und meterhohen Niger-Skulpturen erlebt.

Andreas Thiemann

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Kommentare
28.10.2011
21:37
Finanzen
von bladimeri | #4

Alles wäre nicht so schlimm, wenn die städtischen Finanzen in Ordnung wären. Da kann man sich auch mal ein Museum mit Defiziten leisten. Ich frage mich nur: wenn denn die Planungs-Ziele nicht erreicht wurden, warum werden die Verantwortlichen nicht angewiesen, endlich ihre Ziele zu erfüllen?! Da gab es Architekten und Bauleiter. Wo sind diese Leute, warum werden sie nicht herangezogen und ans Arbeiten gebracht. Es gibt doch Gewährleistungen, die man einfordern kann.

Städtische Bauvorhaben leiden an mangelnder Kompetenz, ein Bauamt ist einfach nicht in der Lage, im Sinne des Haushaltes zu agieren.

28.10.2011
09:06
Planung
von Invita_Invidia | #3

Also ich möchte den Leuten die im Kunstquartier das Sagen haben nicht die künstlerische Kompetenz absprechen. Aber was die Planung angeht kann einiges verbessert werden.

Ein Beispiel: Für die im Artikel so hochgelobte Nolde-Schumacher Ausstellung wurde der Eintrittpreis erhöht. Von damals 6 € auf 9 €. Nun ja die Besucherzahlen waren seit der Eröffnung mit Abstand am größten. Das heisst für ein gutes Angebot zahlen die Gäste auch gerne etwas drauf.
Problem dabei war nur, dass das Osthaus-Museum die Preiserhöhung so nicht mittragen wollte. Deswegen konnte man während der Nolde-Schumacher-Ausstellung ein separates Ticket nur für das Osthaus-Museum kaufen.
Preis: 6 € also den Normalpreis der sonst für das ganze Kunstquartier gezahlt wird.
Aber das zeigt doch, dass wie bei den meisten Bereichen des öffentlichen Dienstes die Planung und der Umgang mit Geld nicht zu den Stärken gehört.

Also wenn man schon Geld, welches man eigentlich nicht hat, in die Hand nimmt und so ein Projekt wie das Kunstquartier startet sollte man auch die richtigen Leute dafür haben.

Weil auf Dauer wird es nur zwei Möglichkeiten geben können:
1 Man behebt die Probleme am und im Gebäude und sorgt mit einem entsprechenden Angebot an Top-Ausstellungen, dass der Laden eine der Top-Adressen wird was Kunst betrifft. Deutschland- oder besser noch europaweit.
Dann wird es wahrscheinlich trotzdem mehr Kosten verursachen als man Geld einnimmt, dafür wird es aber zu einem positiven Werbeträger für Hagen und dadurch vielleicht ein Grund mehr Hagen zu besuchen. Und bei einem positivem Stadtbild vielleicht auch für den einen oder anderen ein Grund wieder nach Hagen zu ziehen.

2 Man schließt das Kunstquartier oder privatisiert es. Schließt man es, wird das Gebäude wird zum bestmöglichen Preis veräußert.

Weil dieses LariFari, nichts so richtig und von allem nur so die Hälfte machen bringt das Ding die nächsten Jahre und Jahrzehnte nicht aus den negativen Schlagzeilen.
Und bei den bisher festgestellten Baumängeln würde es mich nicht wundern wenn demnächst plötzlich Einsturzgefahr besteht....

Aber wie man die Stadt geht wird es einfach weiter vor sich hervegetieren und ein ewiges "Groschengrab" bleiben.

27.10.2011
22:57
Schumachermuseum
von kulturliebende | #2

Da schuldet die Schumacher-Stiftung der Stadt Hagen noch mindestens 750 000 Euro und bekommt stattdessen die Schuld an der Misere in die Schuhe geschoben. Ich vermute, dass sich schon ein paar Gründe zurechtgezimmert werden, um die schlechten Besucherzahlen zu erklären.

27.10.2011
22:55
750.000 Euro!
von jaro_pouzar | #1

Herr Lotz vergisst, dass die Schumacher-Stiftung der Stadt immer noch 750.000 Euro schuldet. Und, ob es Herrn Lotz passt oder nicht, der Bund der Steuerzahler hat vollkommen recht. Groschengrab ist die falsche Bezeichnung für dieses Museum. Millionengrab ist zutreffend.
Es wird Zeit, dass die Politik endlich für klare Verhältnisse sorgt und den Laden dicht macht. 1,8 Millionen pro Jahr, die bei den Betriebskosten eingespart werden könnten, ließen sich gut im ÖPNV oder für den Erhalt und die Sanierung von Schulen und Kindergärten verwenden.

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