Zusatz-Frischluft für Hundertwasser

Die Friedensreich-Hundertwasser-Ausstellung  im Osthaus-Museum lockt zahlreiche Besucher ins Kunstquartier.
Die Friedensreich-Hundertwasser-Ausstellung im Osthaus-Museum lockt zahlreiche Besucher ins Kunstquartier.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Weil die Ausstellung „Lebenslinien“ von Friedensreich Hundertwasser im Osthaus-Museum so erfolgreich ist und Massen an Besuchern anzieht, musste bei der Belüftung nachgebessert und Bilder umgehängt werden.

Hagen-Mitte.. Der Erfolg raubt dem Museum quasi die Luft: Weil die Ausstellung „Lebenslinien“ von Friedensreich Hundertwasser im Osthaus-Museum so erfolgreich ist und Massen an Besuchern anzieht, musste bei der Belüftung nachgebessert und Bilder umgehängt werden. Der Sauerstoff wäre sonst bisweilen zu knapp und die Luftfeuchtigkeit zu hoch geworden. Mit den Maßnahmen kann die Ausstellung nun ohne Abstriche in die Verlängerung bis Pfingstmontag gehen.

Kultur- und Ordnungsdezernent Thomas Huyeng sagt aber auch: „Wenn das Kunstquartier nicht generell die Schwierigkeiten mit der Klimaanlage hätte, deren Rechtsstreit uns schon seit Jahren beschäftigt, dann wären auch solche Besuchermassen wie bei Hundertwasser kein Problem.“

860 Besucher an Himmelfahrt

Die Massen zeigen sich durch etliche Busse vor dem Museumskomplex, lange Schlangen vor den Kassen im Foyer, Getümmel in den Sälen. Gestern wurde die 55.555. Besucherin begrüßt, allein an Himmelfahrt kamen 860 Interessierte. Der Ansturm auf die farbenfrohe Werkschau ist so groß, dass zu Stoßzeiten die Luft im Museum einen extrem hohen Kohlendioxid-Gehalt (CO2-Anteil) erreichen kann. „Sauerstoffgehalt, Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden ohnehin mehrmals täglich kontrolliert“, so Thomas Huyeng. Nicht nur wegen der Besucher, sondern auch wegen der Kunstwerke, die sonst Schaden nehmen könnten.

Vor etwa sechs Wochen habe es erstmals kritische Werte im Inneren des Museums gegeben. In den Bereichen, in denen es tiefere Decken gibt, wurden einige Werke umgehängt, damit sich die Besucher dort nicht zu sehr drängelten.

Doch hinzu kamen dann auch noch bauliche Maßnahmen. Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin antwortet auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir ahnten, dass der Besucherzulauf in der Verlängerungsphase noch stärker würde und haben uns deshalb Anfang Mai für eine Zusatzbelüftung entschieden.“ Die Gebäudewirtschaft Hagen (GWH) habe Extra-Luftschächte, die vom Dach des Emil-Schumacher-Museums hinein ins Osthaus-Museum führen, errichtet. „Für die Extrabelüftung haben wir gesorgt, damit wir auch gut durch die heiße Endphase kommen.“ Zu größeren gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei es bei Besuchern bisher nicht gekommen, „mir sind lediglich zwei Fälle bekannt, in denen älteren Damen unwohl war – vermutlich Kreislaufprobleme“, so Belgin.

Thomas Huyeng betont, dass nie eine Sicherheitsgefährdung für die Besucher bestanden habe. Und dies gelte auch für die restlichen Tage der Hundertwasser-Ausstellung.

Die Otto-Modersohn-Ausstellung, die vor gut zwei Jahren im Osthaus-Museum lief, lockte in drei Monaten stolze 25.000 Besucher an, doch die Hundertwasser-Werkschau stellt alles bislang Gezeigte in den Schatten.

Bislang mehr als 700 Führungen

Zu Hauptzeiten (vormittags und an Wochenenden) halten sich nicht selten 250 Interessierte gleichzeitig auf der Ausstellungsfläche auf, über 700 Führungen (darunter mehr als 500 Schulführungen) haben bislang stattgefunden. „Wir pflegen zu 71 Schulen Kontakte, und alle sind mit Klassen zu uns gekommen“, so Belgin zufrieden. Überhaupt würde Hundertwasser erfreulich viele junge Menschen zum Museumsbesuch inspirieren. „Außerdem hat der farbenfrohe Künstler eine enorme Strahlkraft über Hagen hinaus – rund 80 Prozent der Gäste kommen von außerhalb.“

Am heutigen Samstag um 16 Uhr wird die Ausstellung „China 8“, die zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr präsentiert, im Osthaus-Museum eröffnet. Auch dann wird sicherlich wieder Zusatz-Frischluft eingespeist.