„Zum Glück gibt’s eine rege Kulturstreitmacht“

Zum Neujahrsempfang hatte der Theaterförderverein ins Theater eingeladen.
Zum Neujahrsempfang hatte der Theaterförderverein ins Theater eingeladen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
An die 200 Kulturinteressierten nahmen am gestrigen Vormittag im Hagener Theater Platz. Der Theaterförderverein hatte zum Neujahrsempfang eingeladen.

Hagen.. Beim Neujahrsempfang im Theater präsentierten sich die Reihen weit lichter als in vergangenen Jahren, was allerdings keinesfalls mit abnehmendem Interesse an der Arbeit des Theaterfördervereins oder am kulturellen Leben in der Stadt zu tun hatte, sondern vielmehr der schnöden Tatsache geschuldet war, dass sich etliche städtische Vertreter im „Zwangsurlaub“ befanden und daraufhin die letzten Ferientage außerhalb Hagens verbrachten. Die Folge: Statt der über 300 Besucher im letzten Jahr waren gestern Vormittag nur knapp 200 Gäste gekommen, um Rednern wie Musik zu lauschen und das neue Theaterjahr willkommen zu heißen.

Gastgeber Klaus Hacker bedauerte zwar, dass Oberbürgermeister Erik O. Schulz, Kämmerer Christoph Gerbersmann und Kulturdezernent Thomas Huyeng zum konstruktiven Gedankenaustausch und Ausblick in die Zukunft nicht anwesend waren, begrüßte aber die ehrenamtlichen Funktionsträger (Hacker: „Sonst säßen wir fast alleine hier.“) und ging dann zügig auf die Verdienste des Hagener Hauses ein. Zwei Auszeichnungen für pädagogische Arbeit gab’s für das Team: So erhielt Hagen den mit 30.000 Euro dotierten „Kommunalen Klimaschutzpreis“ für die Theater-Trilogie rund um die Mücke Lucy, außerdem punktete man im Wettbewerb „Kinder zum Olymp“.

Moderate Bezuschussung

Im Rahmen dieses Projektes arbeiteten die junge Bühne Lutz und die Oberlin-Förderschule zusammen. Der Vorsitzende des Theaterfördervereins lobend: „ Ob Lutz, Ballett oder Orchester – das gesamte Team setzt Schwerpunkte in der Jugendarbeit. Und wir, die Gemeinschaft der Theaterförderer, begleiten die Sparten auf diesem guten und für künftige Generationen wichtigen Weg.“

Wer befürchtet hatte, endlose Reden über die geänderte Rechtsform des Theaters, konkret über die jüngst realisierte gGmbH, ertragen zu müssen, wurde eines Besseren belehrt. Hacker ging nur kurz auf die neue Ära, die die Unterzeichnung der Gründungsurkunde am 22. Dezember eingeläutet habe, ein, und wünschte der eingesetzten Spitze – Geschäftsführer Michael Fuchs sowie Norbert Hilchenbach und Florian Ludwig als Prokuristen – gutes Gelingen. Und natürlich nannte der Ex-Banker Zahlen: Der Bund der Steuerzahler habe 2014 die Zuschüsse für Theaterkarten in NRW-Großstädten verglichen. So wurden in der Spielzeit 2011/12 im Schnitt 113 Euro pro Besucher als Zuschuss gezahlt. Das Hagener Theater sei allerdings mit „nur“ 80 Euro pro Besucher bezuschusst worden. „Angesichts der hohen Qualität im Hagener Haus ist das eine ausgezeichnete Leistung“, so Hacker.

Rege Kulturtreitmacht

Bürgermeister Dr. Hans-Dieter Fischer attestierte in seinem Grußwort der Kultur weltweit einen schweren Stand – „so auch in Hagen“. Doch zum Glück gebe es in Hagen eine rege Kulturstreitmacht – den Theaterförderverein. Dieser fördere Nachwuchskünstler und rede bei kulturellen Entscheidungen durchaus mit.

Intendant Norbert Hilchenbach betonte mit Vehemenz, dass das Hagener Bürgertheater keine Spielwiese einiger Weniger sei, sondern die Attraktivität der Stadt deutlich steigere. Unnötig ausufernd waren allerdings Hilchenbachs Ausführungen zu den kulturellen Entwicklungen „in der Stadt im Bergischen“. Hagens Nachbarstadt Wuppertal immer wieder als Negativ-Beispiel in der Theaterlandschaft anzuprangern, war müßig. Die Reaktion einiger Besucher? – „Das interessiert mich nicht. Wann spricht der Intendant denn endlich über Hagen?“ Zum Schluss wurde er dann aber doch lokaler und versöhnlicher: „Wir wollen nicht über das, sondern im Theater lachen und weinen.“