Zitterpartie ums Theater Hagen geht weiter - Keine Umwandlung in GmbH

Das Theater Hagen droht der kommunalen Finanzkrise zum Opfer zu fallen.
Das Theater Hagen droht der kommunalen Finanzkrise zum Opfer zu fallen.
Foto: WR
Was wir bereits wissen
Das Theater Hagen muss weiter um seine Zukunft bangen: Eine geplante Umwandlung in eine GmbH wird es nicht geben. Trotzdem muss die Bühne weitere 850.000 Euro einsparen. Ein Kulturentwicklungsplan soll Prioritäten setzen.

Hagen.. Die Zitterpartie um die Zukunft des Theaters Hagen geht in eine neue Runde. Die geplante Umwandlung der Bühne vom städtischen Amt in eine neue Rechtsform ist vom Tisch. Das bestätigte der neue Kulturdezernent Thomas Huyeng am Donnerstag gegenüber der WAZ Mediengruppe.

Hintergrund sei der Plan der Landesregierung, noch bis zum Sommer gesetzlich zu regeln, dass Kommunen im Nothaushalt wie Hagen bis zu einem gewissen Prozentsatz Geld für freiwillige Leistungen ausgeben können.

Das hört sich gut an. Doch der Etat für alle freiwilligen Leistungen vom Sport bis zur Kultur würde damit gedeckelt. Hagen gibt 5,5 Prozent seiner gesamten Aufwendungen für Kultur aus. „Das bedeutet im Umkehrschluss: Wir müssen uns fragen, was gehört zu diesen freiwilligen Leistungen. Wir müssen Prioritäten setzen.“

Kürzungen von 850.000 Euro

Das Theater Hagen mit Oper, Ballett und Junger Bühne, das in den vergangenen Sparrunden bereits bis zum Skelett abgemagert wurde, muss sich ohnehin auf weitere zusätzliche Kürzungen von insgesamt 850.000 Euro einstellen. Den Löwenanteil dazu sollte die Umwandlung in eine gGmbH oder eine Anstalt des öffentlichen Rechts liefern. Andernfalls drohen Spartenschließungen, was Gutachten belegen. Bei der Umwandlung in eine gGmbH muss sich die Stadt verpflichten, die Bühne über einen Zeitraum hinweg mit einem Festbetrag zu unterstützen. „Die Diskussion muss neu geführt werden. Man kann nicht einfach eine gGmbH gründen und führt sie sofort in die Insolvenz“, so Huyeng.

Ein Kulturentwicklungsplan soll nun eine Bestandsaufnahme der Hagener Kultur ermitteln und die Diskussionsgrundlage dafür bieten, was man sich leisten kann und will. „Die kulturelle Seite einer Stadt ist der Kern der wirtschaftlichen Entwicklung“, das bekennt der Kulturdezernent. Doch ein Bekenntnis zum Theater in seiner jetzigen Form als eigenbespielte Bühne ist das noch nicht. „Das ist eine politische Entscheidung: Wie will man in der Gesamtheit agieren? Wenn man sich die Finanzbeträge ansieht, wird man über das Theater und andere Einrichtungen diskutieren müssen.“

Theater in Hagen wurde vor 101 Jahren gegründet

Unter Druck seitens der Kommunalaufsicht steht Hagen auch deshalb, weil der Regierungspräsident der Stadt vorwirft, doppelt so hohe Kulturausgaben zu haben wie andere vergleichbare Städte. Auf Nachfrage nennt Sprecher Dr. Christian Chmel-Menges Hamm, Herne, Mühlheim, Oberhausen und Leverkusen. Die aber profitieren historisch und aktuell von den Zentrumsfunktionen, die größere Nachbarstädte bereithalten, während Hagen traditionell die Rolle eines Oberzentrums für Südwestfalen für sich beansprucht. Die nächsten selbstbespielten Musiktheater in dieser Richtung sind Gießen und Kassel. Das Theater Hagen wurde vor 101 Jahren gegründet; die Philharmoniker sind das älteste kommunale Orchester Westfalens.

Auch Huyeng räumt ein, dass der Vergleich mit Hamm und Herne hinkt. „Wenn ich die absolute Zahl ansehe, mag das richtig sein, aber man muss auch gucken, ob die Zahlen vergleichbar sind, dann kommen Sie zu einer anderen Betrachtungsweise.“

"Tod auf Raten" droht

Bereits jetzt droht dem Hagener Theater der „Tod auf Raten“, weil Intendant Norbert Hilchenbach wegen des von der Kommunalaufsicht nicht genehmigten Hagener Haushaltes ohne vorherige Genehmigung keine Gast-Darsteller und keine Aushilfen mehr einstellen darf. Eine Situation, die zur Absage von Vorstellungen führen, also erheblichen wirtschaftlichen Schaden zur Folge haben kann. Das sieht Huyeng ebenfalls so.

„Wir werden deshalb noch mal mit der Bezirksregierung sprechen. Das ist für einen Theaterbetrieb eine ausgesprochen schwierige Situation. Wenn ein Beleuchter ausfällt, brauchen sie die Aushilfe heute.“ Verträge für die Produktionen der laufenden Spielzeit kann Hilchenbach nicht schließen, die nächste kann er nicht planen, obwohl es höchste Zeit dafür wäre. Besonders perfide ist in diesem Zusammenhang, dass das Theater Hagen ja erst wegen des Sparzwangs sein Ensemble verkleinern musste und heute verstärkt mit Gästen arbeitet, weil das billiger ist.

Huyeng weiß, dass das Theater Hagen die Bühne mit dem kleinsten Zuschuss und einer der besten Platzauslastungen in NRW ist, dass es vom Publikum innig geliebt wird und bereits jetzt mit wenig Geld gute Arbeit leistet. Aber: „Wir werden uns im Rahmen der finanziellen Gegebenheiten nach Alternativen umgucken, wie kann ich Theater auch anders machen.“

Deutscher Bühnenverein ist entsetzt

Rolf Bolwin, geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, schüttelt den Kopf über die Hagener Verhältnisse. „Es kann nicht im Interesse der Bezirksregierung sein, dass in einer Stadt wie Hagen eine so wichtige Kultureinrichtung geschlossen wird, was für neue wirtschaftliche Schwierigkeiten sorgen würde.“

Klaus Hacker, Vorsitzender des Theaterfördervereins, verweist darauf, dass die Bürgerbühne gerade wegen des demographischen Wandels in Zukunft noch wichtiger wird. „Das Theater Hagen hat überregionale Bedeutung, es ist ein entscheidender imagebildender Faktor für Hagen. Wenn wir das schließen, wird Hagen eine gesichtslose Stadt.“