Zirkus Charles Knie mit "Ligern" und Elefanten in Hagen

Tom Dieck jr. mit einem Liger, einer Mischung aus Löwe und Tiger. Das Bild entstand 2014 in Duisburg. Jetzt ist der Zirkus Charles Knie in Hagen zu Gast.
Tom Dieck jr. mit einem Liger, einer Mischung aus Löwe und Tiger. Das Bild entstand 2014 in Duisburg. Jetzt ist der Zirkus Charles Knie in Hagen zu Gast.
Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Wer meint, es gebe keine Mischlinge aus Löwen und Tigern, der kann sich bei einem Besuch im Zirkus Charles Knie in Hagen vom Gegenteil überzeugen.

Hagen.. Dass man Pferde und Esel kreuzen kann, ist ja hinlänglich bekannt. Die dabei fabrizierten Maultiere und Maulesel vereinen die Merkmale beider Eltern, sind aber in der Regel unfruchtbar. Aber hätten Sie gewusst, dass es sich mit Löwen und Tigern ähnlich verhält?

Die Hybriden, die bei dieser ungewöhnlichen Kombination herauskommen, werden – kein Witz – Liger genannt. Nicht etwa Töwen. Wer nun meint, dass es Löwen-Tiger-Mischlinge gar nicht gibt, der kann sich bei einem Besuch im Zirkus Charles Knie vom Gegenteil überzeugen. Sahib und Prinz, Raubkatzen in Löwengestalt mit Tigerstreifen im Fell, gehören dort zu den Stars in der Manege. Impotent sind sie aber auch.

Und wie beim Maultier verflechten sich beim Liger die Charaktereigenschaften der Ausgangsrassen in verblüffender Weise. Während Löwen mit dem Kopf durch die Wand wollten, seien Tiger vorsichtiger und raffinierter, berichtet Tom Dieck jun. (32), Raubtierlehrer im Zirkus Charles Knie: „Der Liger aber versammelt das schnelle Denken des Tigers mit der Gelassenheit des Löwen.“ Beim Zirkusfestival in Monte Carlo wurden Dieck und seine gemischte Raubtiergruppe, zu der neben Prinz und Sahib zwei weiße Löwen und vier Tiger gehören, mit dem Bronzenen Clown ausgezeichnet, eine in Zirkuskreisen renommierte Auszeichnung.

Tier-Nummern haben schon Preise abgeräumt

Auch die anderen Tier-Nummern haben schon manchen Preis abgeräumt, wie sich denn der Zirkus Charles Knie dem Zeitgeist zum Trotz als Familien- und Tierzirkus bekennt: „Unsere Tierlehrer haben ein partnerschaftliches Verhältnis zu den Tieren“, hält Zirkus-Sprecher Adolph Patrick (47) den Protesten von Tierrechtsorganisationen entgegen. Kein Tier werde gezwungen etwas zu tun, was es nicht wolle. Moderne Dressur basiere auf Vertrauen zwischen Mensch und Tier, baue auf den natürlichen Verhaltensweisen und Bewegungsabläufen der Tiere auf und setze auf das Belohnungsprinzip: „Gewalt in der Dressur existiert nur in den Köpfen der Tierrechtler.“

Auch bei den indischen Elefantendamen Baby (45), Mala (42) und Jumba (41) sind Stockhiebe kein probates Erziehungsmittel. Im Gegenteil: „Schläge könnten eine Attacke bewirken“, erschrickt Elvis Errani (25), Elefantendompteur in dritter Generation, schon beim bloßen Gedanken daran, seine tonnenschweren Schützlinge anders als mit seiner Stimme und einstudierten Gesten zu leiten. Elefanten gelten als ebenso neugierig wie intelligent: „Sie parieren wie Hunde.“

Allerdings belasten sie das Budget ihres Besitzers weitaus stärker als ein Hund, denn pro Dickhäuter muss der Zirkus täglich 150 Kilo Heu, mindestens 120 Liter Wasser und dazu noch Leckereien wie Gemüse und Äpfel heranschaffen. Auch die 350 Kilo Rindfleisch, die ein Liger pro Woche verzehrt, wollen erst einmal bezahlt sein: „Bei uns fallen täglich 13.000 bis 15.000 Euro Unkosten an“, stöhnt Patrick.

Der Zirkus funktioniere in gewisser Weise wie ein mittelständisches Unternehmen und sei generalstabsmäßig organisiert: „Wie andere Betriebe stehen wir vor dem Problem, die Preise nicht mehr erhöhen zu können, aber die steigenden Kosten für Gema, Futter, Treibstoff, Wasser, Berufsgenossenschaft etc. stemmen zu müssen.“ Dennoch funktioniere das Modell: „Unser Zirkus hat Zukunft.“

Solange das Publikum die tierischen Stars sehen will, gilt das auf jeden Fall.