Zeit für neue Perspektiven

Der Jahreswechsel ist vollbracht. Die mehr oder weniger sinnhaften Lebensweisheiten, die einem rund um den Silvestertag um die Ohren surren, verstummen. Jetzt gilt es, aus tiefgründig-philosophischen Anregungen und frech-flapsigen Sponti-Sprüchen das Wesentliche und Gehaltvolles herauszufiltern.


Eines steht für mich schon heute fest: Die ewig nörgelnden „Früher-war-mehr-Lametta“-Grummler und „Anderswo-ist-eh-alles-besser“-Propheten können mir 2015 gestohlen bleiben. Wir Hagener haben allen Grund, selbstbewusst zu unserer Stadt zu stehen. Die Crailsheimer Basketballer sind – anderslautenden Unkenrufen zum Trotz – nicht etwa dem Bundesliga-Duell gegen Phoenix fern geblieben, weil man im angeblich so schmucken und viel gepriesenen Ländle Berührungsängste mit dem fiesen Ruhrpott hat, sondern dort offenbar zu doof ist, den Wetterbericht zu lesen.


Verbaler Etikettenschwindel ist zwar ein weit verbreitetes Phänomen dieser Zeit, aber deshalb noch lange kein Indiz für Qualität. Ein Paradebeispiel für inhaltsleere Wort-Ungetüme liefert in diesen Wochen ein neues Shopping-Center in Recklinghausen. Das so genannte „Palais Vest“ lässt rein begrifflich beinah royales Ambiente vermuten. Doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich der Erwartungsballon als traurige Luftnummer. Der angebliche Palast wirkt innen wie außen weder repräsentativ, noch erfüllen die Anbieter das Niveau. Wer glaubt, in der Hagener Rathaus-Galerie gebe es zahlreiche Leerstände, dem sei ein Besuch im „Palais“ empfohlen.


Hagen ist tatsächlich deutlich besser als sein Ruf – das bestätigen vor allem Auswärtige. Und wer’s von den Eingeborenen nicht glauben mag, dem sei empfohlen, das erste Wochenende des neuen Jahres für eine Tour in heimischer Natur zu nutzen. Eine Wanderung vom Bölling-Gipfelkreuz ins Nahmertal, von der Selbecke nach Zurstraße oder vom Flugplatz Wahl zur Hasper Talsperre pustet nicht nur das feiermüde Hirn durch, sondern schärft vor allem den Blick für Neues.


Und ob es am Sonntag den Basketballern aus Tübingen in Hagen gefällt, ist am Ende auch egal – Hauptsache sie lassen die Punkte hier . . .