Zahl der Raucher in Hagen sinkt um 25 Prozent

In Hagen wird weiter geraucht, allerdings deutlich weniger.
In Hagen wird weiter geraucht, allerdings deutlich weniger.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Seit 2005 hat sich die Zahl der Raucher in Hagen um fast ein Viertel verringert. Die Kommunale Drogenberatung ist sich sicher: Die Präventionsarbeit greift – auch schon in Grundschulen.

Hagen..  Es ist eine gute, eine gesunde Nachricht. Hagen qualmt weniger. Im Vergleich zum Jahr 2005 stecken sich 24,5 Prozent weniger Menschen in Hagen regelmäßig eine Zigarette an. Für Sabine Michel, Suchtprophylaxe-Fachfrau bei der kommunalen Drogenberatung, ist das ein Erfolg der Präventionsarbeit in Hagen. Abschreckende Texte auf Zigarettenpackungen oder der Preis hätten mit dem Rückgang der Raucherzahlen hingegen eher weniger zu tun.

Yanni Maletzki (22) kämpft. Er kämpft darum, aufzuhören. „Ich habe mit 17 angefangen“, berichtet der junge Hagener. 17, das ist auch das Durchschnitts-Einstiegsalter junger Raucher in Hagen. Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Erhebung des Statistischen Landesamtes, das die Rauchgewohnheiten der Bevölkerung in den Kommunen und kreisfreien Städten unter die Lupe genommen hat. Sie beziehen sich auf das Jahr 2013, sind aber die neusten, die zur Verfügung stehen. „Dass Rauchen teuer ist“, sagt Maletzki, „spielt bei mir weniger eine Rolle. Ich will das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.“

Das war auch der Grund, warum der 30-jährige Adrian Joseph vor zwei Jahren aufgehört hat. Er hatte durch das Rauchen Probleme mit den Bronchien bekommen. „Mir kommt es auch so vor, als würden junge Leute in Hagen mittlerweile weniger rauchen“, sagt er. Und damit liegt er richtig. Bei den 12- bis 17-Jährigen ist ein starker Rückgang zu erkennen. 2001 rauchten in dieser Altersgruppe noch 28 Prozent der jungen Menschen. Mittlerweile sind es nur noch 15 Prozent.

„Ein Erfolg der Präventionsarbeit“, sagt Sucht-Expertin Sabine Michel. Der starke Rückgang bei minderjährigen Rauchern sei der primären Aufklärung in Grundschulen im Rahmen einer umfassenden Salutogenese zu verdanken. Was zunächst höchst medizinisch klingt, beschreibt ein Rahmenkonzept, das sich auf Faktoren und Wechselwirkungen bezieht, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. „Wenn bei der Aufklärung zum Beispiel das Organ Lunge im Fokus steht, mache ich mit den Kindern Übungen, bei denen man viel Luft benötigt“, sagt Michel. Um den Kindern im Anschluss zu demonstrieren, welche Einschränkungen man bei den Übungen spüren würde, wenn man die Lunge mit regelmäßigem Rauchen belastet. Daneben stehen die stoffgebundene Aufklärung und der Umgang mit Konfliktfähigkeit im Zentrum von Michels Arbeit. Wie lerne ich, Nein zu sagen? Wie gehe ich mit Gruppendruck um?

Dass abschreckende Botschaften, die seit 2003 auf den Schachteln vor den Folgen des Rauchens warnen, ein Grund für den Raucherrückgang in Hagen sind, glaubt Michel nicht: „Wer wirklich süchtig ist, den schreckt das nicht ab.“ Auch der Preis für Zigaretten von knapp über fünf Euro pro Schachtel würde nicht dafür sorgen, dass viele Raucher gleich das Laster ablegen würden. „Man sieht, dass viele dann lieber selber Zigaretten drehen. Auch bei vielen Jugendlichen ist das zu beobachten.“

Mehr Hilfsangebote

Der 42-jährige Hagener Axel Müller will auch gern aufhören. „Zu jedem Ersten des Monats fange ich damit an aufzuhören und zu jedem Zweiten höre ich wieder auf“, erklärt er scherzhaft, wie schwer es für ihn sei, das Qualmen dran zu geben. „Ich habe in einer Zeit angefangen, in der das Rauchen noch cool war“, sagt er, „heute wird das ja verteufelt.“ Raucher würden räumlich abgeschoben. Er sieht für sich persönlich nicht genug Hilfsangebote zur Entwöhnung in Hagen: „Es gibt zu wenige Alternativen.“