Zähes Ringen um die Windrad-Pläne der AVU

Breckerfeld..  Die Fronten in der Diskussion um eine neue Windkraftanlage in Breckerfeld bleiben verhärtet. Während der Versorger AVU nahe dem mit 442 Meter höchsten Punkt des Ennepe-Ruhr-Kreises grünen Strom produzieren will, wehren sich die Brüder Robert und Stefan Heismann weiterhin gegen das 200 Meter hohe Windrad in ihrer Nachbarschaft.

Rund 200 Unterschriften haben sie in den Bereichen von Loh und Branten gegen die Planungen des Versorgers gesammelt. Unterschriften von Anwohnern, die sich mehr oder weniger beeinträchtigt fühlen und um den Wert ihrer Grundstücke fürchten, sollte das Windrad genehmigt werden.

Davon aber ist die AVU noch ein Stück entfernt. Was laut AVU-Sprecher Jörg Prostka auch daran liege, dass man noch einmal auf die Heismanns zugegangen sei. Dabei wurde auch die Option erörtert, Flächen von den beiden Brüdern zu pachten, die Windkraftanlage dort zu realisieren und so die Heismanns über regelmäßige Mieteinnahmen finanziell an dem Windrad zu beteiligen. Heismanns aber lehnten das Angebot ab.

Stattdessen zweifeln sie das Gutachten zum Artenschutz an, das die AVU anfertigen ließ. Dabei beziehen sie sich insbesondere was den schützenswerten Rotmilan angeht auf eigene Beobachtungen und Erklärungen des Ortsbeauftragten des Naturschutzbundes (Nabu).

Nabu verweist auf Versäumnisse

Der Nabu, so heißt es auf seiner Internetseite, „befürwortet den naturverträglichen Ausbau der Windkraft“, weist aber ebenso auf gravierende Versäumnisse bei einzelnen Projekten hin: „Trotz aller Bekenntnisse der Branche ist wiederholt festzustellen, dass höchst kritische Projekte realisiert werden.“

Basis für den Nabu ist das sogenannte Helgoländer Papier der Länderarbeitsgemeinschaften der Vogelschutzwarten (LAG VSW), das gerade neu herausgegeben wurde. Darin ist von einem Abstand von mindestens 1500 Metern einer Windkraftanlage zu Brutplätzen eines Rotmilans die Rede. In einem Radius von vier Kilometern sei zu prüfen, ob dort weitere Schlafplätze liegen oder der Raubvogel dort nach Nahrung sucht.

Gefahr für Flugkorridore

„Breckerfeld“, so Ralf Steiner, Mitglied der Greifvogel-AG der Ornithologie-Gesellschaft und Nabu-Ortsbeauftragter, „verfügt über ein bemerkenswertes Spektrum an windkraftsensiblen Vogelarten wie Rotmilan oder Schwarzstorch. Im näheren Umfeld befinden sich Brutplätze und Flugkorridore gleich mehrerer Paare.“ Beeinträchtigungen der Population im Fall des Baus der Windkraftanlage seien programmiert. Steiner unterstellt der AVU mangelnde Sensibilität und appelliert an die AVU, das Genehmigungsverfahren nicht weiter zu betreiben. Die Brüder Heismann stehen in engem Austausch mit dem Nabu-Verantwortlichen für Breckerfeld. „Auch aufgrund der Einschätzung des Nabus bleiben wir dabei: Wir wollen dieses Windrad nicht. Auch wenn wir finanziell davon profitieren könnten“, so Robert Heismann, „Rotmilane sehen wir fast täglich von unserer Terrasse aus fliegen.“

Expertise bewusst unter Verschluss

Die AVU hingegen verlässt sich nach eigener Aussage auf die Begutachtung. „Es hat ja Kritik daran gegeben, dass wir die Expertise nicht veröffentlichen“, so Unternehmenssprecher Jörg Prostka, „aber das wollen selbst Naturschützer nicht, weil Standorte von Brutplätze geschützter Vogelarten sonst auszumachen wären.“

Mit Blick auf das Helgoländer Papier verweist Prostka ausdrücklich darauf, dass es sich um eine Empfehlung, nicht jedoch um eine gesetzliche Vorgabe handelt. „Wir halten an unseren Planungen fest und stehen kurz davor, die Genehmigungsanträge einzureichen“, so der AVU-Sprecher weiter.