„Wir werden uns entschuldigen“

Editha Schulte (rechts) darf sich freuen. Die Mahnung wurde storniert. Auch zur Freude von Nicole Palsherm.
Editha Schulte (rechts) darf sich freuen. Die Mahnung wurde storniert. Auch zur Freude von Nicole Palsherm.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Mehr als 40 Mieter der beiden ehemaligen Hoesch-Hochhäuser an der Wiesenstraße 54 und 56 dürfen aufatmen. Denn Wohnungsanbieter Vivawest räumt erhebliche Ungereimtheiten bei der Heizkostenbe- und der Heizkostenabrechnung ein. „Wir bedauern die unseren Mietern entstandenen Unannehmlichkeiten sehr und bitten ausdrücklich um Entschuldigung. Es tut uns aufrichtig leid, dass es erst zu einer Einschaltung der Medien kommen musste, um den Sachverhalt aufzuklären“, schreibt der Konzern.

Wie diese Zeitung am 11. April exklusiv berichtete, waren mehr als 40 Vivawest-Mietern Anfang März ebenso undurchsichtige wie horrende Heizkosten-Nachforderungen ins Haus geflattert. Mehr als 1500 Euro sollten einige Mieter berappen. Einige wenige erhielten Geld zurück. Das führte dazu, dass die Mieter unter der Federführung von Nicole Palsherm schriftlich Widerspruch einlegten und um Aufklärung baten.

Doch das interessierte den Vermietungsgiganten zunächst nicht.

Wer als Mieter nicht schnell genug reagierte und die Einzugsermächtigung aufhob, dem wurde das Konto geplündert. Diejenigen, die ihre Einzugsermächtigung aufgehoben hatten, wurden noch in der vergangenen Woche mit einem weiteren Schreiben aufgefordert, die ausstehenden Forderungen zu begleichen.

Eine eingehende Untersuchung

Doch jetzt rudert Vivawest mit voller Kraft zurück. Dazu Pressesprecherin Dr. Marie Mense: „Wir haben in der vergangenen Woche eine eingehende Untersuchung eingeleitet. Diese hat sich leider überschnitten mit einem automatisch ausgestoßenen Schreiben unseres Forderungsmanagements. Mittlerweile sind auf alle diese Schreiben, die die Bewohner der Wiesenstraße 54 / 56 erhalten haben, Mahnsperren gesetzt worden. Wir werden alle Betroffenen über die bisherigen Ergebnisse unserer Recherche aufklären und uns entschuldigen.“

Das Unternehmen räumt auch ein, dass die Kritik dieser Zeitung, dass die Heizungsanlage und deren Steuerung erhebliche Mängel aufweist, richtig ist. „Nach einer ersten technischen Prüfung haben wir tatsächliche Mängel festgestellt. Wir gehen nach derzeitigem Stand davon aus, dass der Defekt der Anlage für einen deutlichen Mehrverbrauch an Gas verantwortlich ist. Aus diesem Grund werden wir die Abrechnungen 2013 / 2014 stornieren und die geleisteten Nachzahlungen an unsere Mieter zurücküberweisen. Für die laufende Heizkostenperiode 2014 / 2015 werden wir selbstverständlich die Ergebnisse der technischen Überprüfung berücksichtigen. Neben der technischen Prüfung unterziehen wir auch das Abrechnungsverfahren einer Überprüfung.“

Für den Hagener Mieterverein, den einige Betroffene bereits aufgesucht haben, ist dieses Schreiben der Vivawest ein einhundertprozentiges Schuldeingeständnis. Unverständlich ist es für Rechtsanwältin Claudia Scholten, dass die Ungereimtheiten bei der Erstellung der Abrechnung den Vivawest-Mitarbeitern nicht aufgefallen sind und erst durch die Recherchen dieser Zeitung aufgedeckt wurden. Scholten: „Bei Vivawest denkt offenkundig niemand mit.“