Wir sollten dankbar sein

Kriegsende. Am 14.4.1945, also vor genau 70 Jahren, wurde Hagen durch amerikanische Truppen befreit. Seither können wir für 70 Jahre Frieden und Wohlstand dankbar sein. Ebenso wie die 7 steht die Zahl 70 für einen Zeitraum der Vollendung, der Vollkommenheit und des Neubeginns.


Warum spielt aber dieser Tag im öffentlichen Bewusstsein der Stadt kaum eine Rolle? Wäre nicht der Artikel über das Kriegsende in Hagen von Jens Stubbe in der WP vom 14.April erschienen, hätte man diesen besonderen Tag gar nicht zur Kenntnis genommen.

Offenbar ist es in unserer Erinnerung eher ein Tag der Niederlage als ein Tag der Befreiung, ein Tag der Scham und Ohnmacht, den man besser verdrängt.


Aber, „wer sich nicht erinnert und aus der Vergangenheit lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“

(frei zitiert nach dem Philosophen, Santayana). Wäre es nicht 70 Jahre nach Kriegsende eine gute Gelegenheit gewesen, sich in einer Gedenkstunde im Rathaus und auch in Gottesdiensten dankbar an diesen Tag zu erinnern?


Wurden nicht die Bürger der Stadt und Tausende von Zwangsarbeiter von einem Terrorregime befreit? Haben nicht etliche amerikanische Soldaten die Befreiung der Stadt mit ihrem Leben bezahlt? Wurden nicht an die Hundert Zwangsarbeiter, Oppositionelle, Deserteure und auch Kriegsgefangene noch am Tag vor der Befreiung in dieser Stadt ermordet?


War es nicht auch der Tag des demokratischen Neubeginns mit alliierter Hilfe? Dieser Tag sollte vor dem Vergessen bewahrt werden und mit Zeitzeugen, Vertretern der Alliierten und der Zwangsarbeiter öffentlich gewürdigt werden.


Das halte ich für die Nachkommen der Kriegsgeneration in unserer Stadt für ebenso wichtig wie beispielsweise das Gedenken an die Befreiung von Auschwitz am 27.Januar und das Kriegsende am 8.Mai.


Mit der gleichen Betroffenheit sollten wir uns an die Verbrechen der letzten Kriegstage in dieser Stadt und der sinnlosen Opfer auf beiden Seiten erinnern und dankbar sein für die Befreiung und den Neubeginn.