„Wir müssen versuchen, sie zu integrieren“

Nahmer..  Als SPD-Ratsfrau Ramona Timm-Bergs gestern Morgen die Zeitung aufschlug, traute sie ihren Augen nicht. Da las sie, dass die Regenbogenschule noch am selben Tag mit ca. 100 Flüchtlingen aus dem Kosovo belegt werden solle. Das hatte sich am Dienstag im „Adler“ bei der Bürgerinformation mit Margarita Kaufmann (Stadt Hagen) noch anders angehört.

„Wir werden diese neue und für uns überraschende Situation am Wochenende bei der Klausurtagung des SPD-Ortsvereins natürlich zum Thema machen“, so die Sozialdemokratin, die einen Vorschlag in die Diskussion einbringen wird. „Der Pavillon am Hohenlimburger Rathaus steht leer. Darin müssen wir eine Beratungsstelle, die zweimal in der Woche geöffnet ist, einrichten. Eine Beratungsstelle für Flüchtlinge und für Hohenlimburger Bürger. Das muss dann von Mitarbeitern der Stadt Hagen gemacht werden. Von ehrenamtlichen Kräften ist das nicht zu leisten.“

Bezirksbürgermeister Hermann-Josef Voss erhielt am Donnerstagabend die Information von Oberbürgermeister Erik O. Schulz. „Die Leute haben in ihrer Heimat alles aufgegeben. Gastfreundschaft ist eine christliche Tugend, wir heißen sie willkommen“, so der CDU-Politiker. „Wir werden noch einmal eine Informations-Veranstaltung organisieren, zu der alle Bürger eingeladen sind. Ich hoffe, dass die Mehrheit der Bürger die Flüchtlinge dann anschließend willkommen heißt, so dass sie sich bei uns in Hohenlimburg wohl fühlen.“

Stefan Hank wohnt in unmittelbarer Nähe der Regenbogenschule, war auch am Dienstag bei der Veranstaltung im „Adler“ zu Gast, meldete sich dort auch zu Wort. „Mein Nachbar und ich sind einer Meinung, dass den Flüchtlingen unbedingt geholfen werden muss, auch in unserer Nachbarschaft. Wir finden das gut“, bezieht er eine klare Position. Es gäbe, so Hank, ja viele Leute, die sagen – Hilfe ja, aber nicht bei mir um die Ecke.

In Liste eingetragen

Der Hohenlimburger hat kein Problem damit, dass Flüchtlinge in seiner Nachbarschaft untergebracht werden. „Ich sehe aber ein Problem darin, dass die Flüchtlinge an eine Stelle gequetscht werden.

Wenn beispielsweise 300 bis 400 Flüchtlinge, die sich untereinander nicht verständigen können, hier an einem Fleck untergebracht werden, birgt das Konfliktpotenzial. Es könnte sogar zu Übergriffen kommen“, sagt Stefan Hank.

Unmittelbarer Anwohner der Regenbogenschule ist auch Dieter Füssmann. Auch er war deshalb am Dienstag in der Adler-Gaststätte anwesend. „Die Stadt ist offenkundig von dieser Entwicklung überrollt worden. Das ist für jede Kommune ein riesiges Problem. Deshalb müssen wir allen helfen. Meine Frau, meine Tochter und ich haben uns aus diesem Grund bereits in die entsprechenden Listen eingetragen. Mich haben heute nach der Berichterstattung in der Zeitung schon einige Nachbarn angesprochen, um etwas gegen die Belegung zu unternehmen. Wir müssen uns aber bewusst machen, dass das arme Leute sind, die kommen. Ich möchte nicht in deren Haut stecken. Deshalb müssen wir versuchen, sie zu integrieren“, so Füssmann im Gespräch mit dieser Zeitung.