„Wir haben damals Trübsal geblasen“

Dieses Foto entstand am 31. Dezember 1974; die alten Ortseingangsschilder hatten wenig später ausgedient.
Dieses Foto entstand am 31. Dezember 1974; die alten Ortseingangsschilder hatten wenig später ausgedient.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Es war die letzte Silvesteransprache, die ein Bürgermeister und ein Stadtdirektor der selbstständigen Stadt Hohenlimburg am 31. Dezember 1974 an die Bevölkerung richten sollten. Einen Tag später war Hohenlimburg in Hagen eingemeindet worden. Bürgermeister Hermann Scheffler und Stadtdirektor Hans Baddaky nahmen in ihrer Rede kein Blatt vor den Mund: „Nun gilt es, den durch jahrelange zielstrebige Aufbauarbeit erreichten kommunalen Lebensstandard zu halten und nicht auf ein düsteres Vorortniveau absinken zu lassen.“

Hagen wird stärker wahrgenommen

Der heutige Heimatvereins-Vorsitzende Widbert Felka kann sich noch gut an Silvester 1974/1975 erinnern, das er gemeinsam mit Freunden verbrachte. „Man wusste ja damals gar nicht genau, was mit der Eingemeindung auf einen zukommt“, sagt der 68-Jährige heute, 40 Jahre später. Zwar sei Hohenlimburg seither nicht völlig zu einem Vorort degradiert worden, doch eins steht für Felka fest: „Wenn die Führung im Hohenlimburger und nicht im Hagener Rathaus säße, würden Hohenlimburger Anliegen – wie die Problematik der Fußgängerzone – anders in den Blick genommen. Die sogenannten Nebenzentren werden eben nicht so stark wahrgenommen wie die Hagener Innenstadt.“

Aber der Heimatvereinsvorsitzende weist auch darauf hin, dass sich die Hagener Oberbürgermeister vor allem in der jüngeren Vergangenheit um Hohenlimburg gekümmert und mehrfach besucht hätten. „Wir werden nicht links liegen gelassen“, sagt Felka, „aber ein OB hat eben vieles im Blick. Ein Hohenlimburger Bürgermeister würde sich auf Hohenlimburg konzentrieren.“

Hohenlimburger SPD-Quartett

Horst Tillmann bildete mit Marlies Schumann, Dieter Eich und Lothar Hocks ein SPD-Quartett, das zuvor dem Rat der Stadt Hohenlimburg angehört hatte und nach der Eingemeindung in den Hagener Rat gewählt wurde. „Wir haben schon Trübsal geblasen“, erinnert sich der Sozialdemokrat an die letzte Hohenlimburger Ratssitzung, „da ist sonst nicht mehr viel passiert. Alle Mitglieder sind anschließend einen trinken gegangen – Hermann Scheffler und Hans Baddaky haben noch einige Runden geschmissen.“ Als Maxime für den Hagener Rat habe man untereinander ausgegeben: „Wir kümmern uns dort in erster Linie um Hohenlimburg – die Hagener können uns mal.“ Möglich sei das letztlich nicht gewesen, zumal Oberbürgermeister Rudolf Loskand die Hohenlimburger laut Tillmann durchaus freundschaftlich aufnahm: „Da gab es keine Sticheleien.“

Während Tillmann politisch nach Hagen umzog, nahm Ernst-Günter Sonnenberg einen Platz in der neu geschaffenen Bezirksvertretung ein. Gab es vormals nur Hohenlimburger im Rat der selbstständigen Stadt, so gehörten dem Bezirk Ost nun auch Berchum, Halden und Holthausen an, wo SPD-Mann Sonnenberg wohnte. „Ich fühlte mich anfangs schon ein wenig als Fremdkörper“, erinnert sich Sonnenberg an das Jahr 1975, „obwohl ich selbst früher bei der Hohenlimburger Firma Göke gearbeitet hatte und meine Frau aus Hohenlimburg stammt.“ Zwei Legislaturperioden saß der heute 74-Jährige in der BV, davon einige Jahre als stellvertretender Bezirksvorsteher. Die Eingemeindung sei von den Politikern zwar als negativ empfunden worden, „aber viele waren frohen Mutes, dass Hohenlimburg wieder selbstständig wird.“

Entsetzte Menschenmenge

Doch dazu sollte es nicht kommen: Am 11. November 1976 verkündete Marie Schumann vom Rathausbalkon der entsetzten Menschenmenge, das Verfassungsgericht Münster habe dem Hohenlimburger Einspruch nicht stattgegeben. Hohenlimburg blieb ein Stadtteil Hagens.

Als damals Zwölfjähriger gehörte Frank Schmidt ebenfalls zu den fassungslosen Hohenlimburgern auf dem Rathausplatz. Seinen Optimismus hat der BV-Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Hohenlimburg“ aber bis heute nicht verloren. „Das Thema Selbstständigkeit ist angesichts der rapide sinkenden Hagener Einwohnerzahlen und der eklatanten Finanzprobleme auch heute noch nicht tot“, glaubt Schmidt. „Spätestens, wenn die Kreisfreiheit der Stadt Hagen zur Disposition steht, dürfte es eine neue Chance für ein selbstständiges Hohenlimburg geben. Und diese Chance werden wir auch weiterhin verfolgen.“