Winter-WM stößt mehrheitlich auf Kritik

Public Viewing Stadtfest 2014
Public Viewing Stadtfest 2014
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar und die damit verbundene Terminierung auf den Winter stößt bei heimischen Trainern und Funktionären überwiegend auf Kritik.

Hohenlimburg..  Die Fußball-WM 2022 findet in Katar statt – und birgt viel Diskussionspotenzial. Findet sie im November/Dezember statt, oder doch im Januar/Februar? Fest steht wohl, dass es eine Winter-WM geben wird. Ein Sommermärchen wird es nicht geben, und ebenso wenig Public-Viewings im Tshirt im Biergarten oder auf anderen öffentlichen Plätzen. Das größte Problem stellt die Terminierung allerdings für den laufenden Spielbetrieb, nicht nur in Deutschland, dar.

„Das werden für Zuschauer und Sportler natürlich ganz neue Erfahrungen“, glaubt, Frank Henes, Trainer des Fußball-Bezirksligisten SC Berchum/Garenfeld. Er sieht besonders in der ganzen Logistik Probleme auf die Veranstaltung zukommen. „Der gesamte Rahmenspielplan muss ja geändert werden. Die Nationaltrainer wollen ihre Spieler ja auch nicht erst drei Tage vor WM-Beginn zum ersten Mal sehen. Die brauchen sieben bis Acht Wochen Zeit für die Vorbereitung. Die Spieler werden aus dem laufenden Spielbetrieb herausgeholt. Aber was machen in der Zeit die Spieler, die nicht an der WM teilnehmen?“, gibt Henes zu bedenken. Die Tatsache, dass die Spieler im Winter dann quasi durchspielen, sieht er dagegen weniger kritisch: „England spielt doch auch ohne Winterpause.“

„Mächtig Gesprächsstoff auf die Sache zukommen“ sieht auch Hohenlimburg-Trainer Roman Reichel. „Ich sehe das etwas zwiespältig“, gibt er zu. „Es ist ja nichts Neues, dass im Sommer in der Wüste 40 bis 50 Grad herrschen. Das hätte man im Vorfeld bedenken müssen, dann hätte man sich die ganzen Diskussionen ersparen können. Vielleicht wäre es für die Fußballer auch einfach günstiger, den Sport da zu betreiben, wo es klimatisch günstiger ist, denn es macht einfach keinen Sinn bei diesen Temperaturen Fußball zu spielen.“ Schade findet Reichel die Terminierung ebenfalls für die Fans: „Public Viewing im Tshirt wird es nicht geben, dabei gehört das doch einfach dazu. Die Fans wird es nach drinnen ziehen“, so Reichel, der zudem kritisiert: „Die DFL wird sich bei den Spielplänen etwas einfallen lassen müssen. Wahrscheinlich wird sowohl das Jahr vor der WM als auch das Jahr nach der WM betroffen sein. Die Weltmeisterschaft bringt somit drei Bundesligasaisons durcheinander. Und bei den Bundesligamannschaften würde man es bestimmt nicht gerne sehen, wenn Nationalspieler im laufenden Spielbetrieb abgezogen würden.“

Drei spielfreie Monate

Für Wirbel sorgt die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Katar nicht nur bei Fußballfunktionären. Auch Sportler anderer Sportarten beziehen klar Stellung. So etwa Uwe Behrendt von den Hohenlimburger Ringern: „Da hat man sich eine Suppe eingebrockt, indem man die WM an Katar vergeben hat, und jetzt versucht man, das ganze irgendwie so über die Bühne zu bekommen. Dazu wären dann auch noch mindestens drei spielfreie Monate nötig. Da sieht man wieder, das einzig das Geld entschieden hat. Das Public Viewing findet dann mit Nikolausmütze statt. Eigentlich war die Entscheidung von vornherein eine Katastrophe. Wenn man sieht, wie in Katar mit den Arbeitern und den Menschenrechten umgegangen wird, dann wäre es die beste Entscheidung, wenn man denen die WM wieder wegnehmen würde.“

Gut für die Gastronomie

Deutlich weniger negativ sieht Sascha Simec, Trainer des Handball-Landesligisten HSG Hohenlimburg, der Fußball-WM 2022 entgegen: „Katar hat schon bei der Handball-WM gezeigt, dass es mit seiner immensen Finanzkraft so ein großes Event hervorragend durchführen kann. Dass das Turnier nun im Winter stattfindet, hält mich nicht davon ab, die WM im Fernsehen zu verfolgen. Den Fußballfans wird es ähnlich gehen. Anstatt zum Public Viewing draußen gehen diese halt in die Kneipe. Somit ist die WM auch gut für die Gastronomie. Und dort kommen viele Völker zusammen.“