Windräder überragen Wettereiche

Die Standorte der Windenergieanlagen in der Wesselbach und am Schlossberg.
Die Standorte der Windenergieanlagen in der Wesselbach und am Schlossberg.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Mit kritischen und auch mit bangen Blicken schauen die Bürger des Wesselbach- und des Nahmertales auf die sie umgebenden Höhenrücken. Denn dort sollen drei Windenergieanlagen erstellt werden. Die Spitze der Rotorblätter soll dabei die 200-Meter-Grenze ankratzen, der Turm mit der Naben wird nämlich rund 140 Meter hoch.

Am morgigen Freitag werden ca. 40 Männer und Frauen von „Trägern öffentlicher Belange“ auf Einladung der Enervie, der Bürgerwind-Süd GbR und der SL Windenergie GmbH auf Informationstour gehen, um die von der Stadt Hagen angedachten möglichen Flächen für 10 bis 12 Windenergiezonen zu begutachten. Nicht aufsuchen werden sie dabei die beiden möglichen Standorte im fürstlichen Forst im Wesselbachtal und in der Nahmer, weil diese nicht direkt mit Bussen anzusteuern sind.

Nach Information dieser Zeitung sollen zwei Anlagen auf dem Höhenrücken des Wesselbachtales im Dunstkreis der 170 Jahre alten Wettereiche aufgestellt werden. Aus den von Orkan „Kyrill“ im Januar 2007 geschaffenen Windbruchflächen ragt dieser rund 25 Meter hohe Baum deutlich heraus. Direkt daneben soll das 200 Meter hohe Windrad gebaut werden; rund 150 Meter entfernt davon ein weiteres. Diese würde dann nur rund 600 Meter entfernt vom AWO-Seniorenzentrum stehen.

Schlagschatten und Eiswurf

Die dritte Anlage soll rund zwei Kilometer oberhalb des Schlosses am Oberförster-Pfahl-Weg aufgestellt werden. In Höhe des ehemaligen Krupp-Werkes II im Nahmertal.

„Diese Anlagen sind aus einer Entfernung von mehr als 20 Kilometern aus zu sehen. Möglicherweise sogar von Rheinland“, behauptet Lothar Heinze, Anwohner des Nahmertales und einer der sachkundigen Gegner von neuen Windrädern auf Hagener und Nachrodt-Wiblingwerder Terrain.

Heinze kritisiert nicht nur die durch die Monster-Anlagen entstehende optische Bedrängung der Talbewohner. Er sieht auch die weiteren Negativfaktoren wie Schlagschatten, Eiswurf und Infraschall. Dieser ist aufgrund der Erfahrungen in Dänemark intensiver denn je ins Blickfeld von Medizinern und Gutachtern gerückt. Dort hat sich auf einer Nerzfarm die Zahl der Totgeburten von 20 auf 500 (bei 4500 Weibchen) erhöht, so dass die Dänen eine Studie zu möglichen Gefahren von Windenergieanlagen in Auftrag gegeben haben und erst dann wieder neue Windparks zulassen wollen, wenn im Jahr 2017 die Ergebnisse vorliegen.

Heinze bezieht sich in seiner Argumentation auch auf die Äußerungen von Prof. Detlef Krahé (Wuppertal), der wiederholt dargelegt hat, das Infraschall negative Auswirkungen insbesondere auf ältere oder gesundheitlich angeschlagene Menschen haben.

Ähnlich sieht es der Hagener Lärmpsychologe Dirk Schreckenberg von Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung (ZEUS). Er macht deutlich, dass die Infraschall-Forschung erst in jüngster Zeit zu einem Thema geworden ist.

Auf die Frage, ob der Infraschall von zwei ca. 600 bis 800 Meter entfernt liegenden Anlagen zum Beispiel für die Bewohner des AWO-Seniorenheimes schädlich sein könnte, sagte der Experte: „Darüber streiten sich die Gelehrten. Richtig ist, das Infraschall in hoher Dosis schädlich ist.“

Schüler und Senioren schützen

Insbesondere für Schüler und Senioren sei deshalb ein besonderer Schutz zu empfehlen. Aktuell habe das Umweltbundesamt eine neue Studie in Auftrage gegeben, um dieses Feld erforschen zu lassen.

Für den Psychologen besitzt in der aktuellen Diskussion auch die Zerstörung des Landschaftsbildes eine besondere Bedeutung. „Wer auf die Windenergieanlagen achtet, bekommt die negativen Auswirkungen stärker mit.“

Die Zerstörung der Natur durch Schaffung der Zufahrtswege zu den neuen Standorten ist für Lothar Heinze darüber hinaus von Bedeutung. So bleibt für Hohenlimburg die Frage, wie die Kolosse zum Standort am Oberförster-Pfahl-Weg und zur Wettereiche gebracht werden sollen. Bei einer 200 Meter hohen Anlage besteht allein das Fundament aus 3500 Tonnen Stahlbeton, während die Anlage selbst bis zu ca. 5000 Tonnen wiegt. Und diese müssen über zu diesem Zeitpunkt verbreiterten Anfahrtswege gekarrt werden. „Die müssen dann“, so Heinze, „aufgeschottert und auf acht Meter ausgebaut werden.“