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Wie sich eine Hagenerin für vergessene Kinder in Afrika einsetzt

19.05.2012 | 14:00 Uhr
Wie sich eine Hagenerin für vergessene Kinder in Afrika einsetzt
Bettina Landgrafe und die befreiten Kinder: Ihnen hat sie einen Ausflug ermöglicht.

Hagen.   Im Norden von Ghana kümmert sich die Hagenerin Bettina Landgrafe mit ihrer Organisation „Madamfo Ghana“ um ein Kinderheim, in dem die Mädchen und Jungen auf dem Boden schlafen mussten. In der Sendung „Gottschalk live“ tritt sie am Mittwoch (19.20, ARD) auf.

Wenn es eine Steigerung von „nichts“ gibt, dann findet man sie irgendwo im Nirgendwo im Norden von Ghana. „Da war nichts“, sagt Bettina Landgrafe , „noch viel weniger als nichts - kilometerweit. Einfach rein gar nichts.“

Ganz tief im Nichts

Und tief, ganz tief in diesem Nichts liegt ein Dorf, in dem es nichts gibt. Kein Strom, kein Wasser, und keine medizinische Versorgung. Nicht einmal die „Trotros“, die Kleinbusse, die durch das ganze Land rollen, kommen hierher.

In diesem weiten Nichts verteilt leben rund 3000 Menschen. Und es gibt in diesem Nichts mit Namen Yamah ein Kinderheim, in dem es nichts gibt: keine Toilette, keine Waschmöglichkeit, nicht einmal Matratzen, auf denen die Mädchen und Jungen nachts schlafen können. Ihre Notdurft verrichten 24 Kinder zwischen 5 und 15 Jahren in ein Loch hinein.

„So etwas habe ich auch noch nicht gesehen“

In dem Kinderheim in Yamah schlafen die Kinder zum Teil auf dem Boden.

„So etwas“, sagt Bettina Landgrafe, die einst als junge Krankenschwester alleine nach Westafrika kam und heute mit ihrem Verein Madamfo Ghana Entwicklungshilfe leistet und an vielen Orten in Ghana Gutes tut, „so etwas habe auch ich noch nicht gesehen. Die Zustände sind kaum vorstellbar. Wenn eines der Kinder krank wird, dann wird darauf gewartet, dass es von alleine wieder gesund wird.“ Oder eben nicht.

800 Kilometer von der Hauptstadt Accra entfernt scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. „Vor dem Kinderheim gibt es einen Brunnen mit einer Handkurbel“, erzählt Bettina Landgrafe, „Um an eine einzige Tasse Wasser zu kommen, mussten die Kinder länger als zehn Minuten drehen. Als die Tasse voll war, haben sich die Kinder darum geprügelt.“

Matratzen und Grundnahrungsmittel

Der Ausflug zu einem Badesee hat diesem Mädchen Spaß gemacht.

Eine Deutsche, die als Volonteer in dem Kinderheim gearbeitet hat, hatte Bettina Landgrafe angemailt. „Es gibt viele, die uns mittlerweile um Hilfe bitten“, erklärt die Hagenerin, „aber wir können uns nicht um alle Projekte kümmern.“ Diese Mail aber hat sie bewegt. Deshalb hat sie sich mit dem Geländewagen auf den stundenlangen Weg über Schotterpisten gemacht, die diesen Namen kaum verdienen. „Als wir ankamen, war schnell klar, dass wir etwas tun müssen“, sagt Bettina Landgrafe. Also fährt sie in die nächst größere Stadt und kauft 24 Matratzen samt Unterlagen sowie Grundnahrungsmittel.

Die reichen zunächst für zwei Monate und sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Bettina Landgrafe aber will nachhaltig helfen und wirbt dafür um Spenden. „Immerhin müssen die Kinder jetzt nicht mehr auf dem klammen Fußboden liegen, aber auf Dauer brauchen wir 24 Betten“, sagt sie. Vor dem Haus soll ein vernünftiger Brunnen entstehen. Denn sauberes, frisches Wasser bedeutet in Afrika Leben. Und eine Toilettenanlage, wie sie schon so viele in Ghana gebaut hat, soll die hygienischen Verhältnisse verbessern.

Lehrer werden ausgebildet

„Zwei Männer aus dem Dorf wollen Grundschullehrer werden“, erzählt Bettina Landgrafe, „wir wollen sie so weit ausbilden, dass sie die Kinder unterrichten können .“ Bislang aber gibt es in dem Klassenraum keinen einzigen Tisch, keinen Stuhl und keine Tafel. Auch das muss dringend organisiert werden.

Wer die Arbeit von Madamfo Ghana unterstützen möchte: Sparkasse Hagen, Konto-Nummer: 101900090, BLZ: 45050001. Weitere Informationen im Internet unter der Adresse: www.madamfo-ghana.de.

Jens Stubbe



Kommentare
21.05.2012
17:02
Es ist gut, daß es solche Menschen gibt,
von vantast | #1

die helfen, auch wenn die Probleme so unendlich groß sind.
Jean Ziegler sagte: "Es kommt nicht darauf an, den Menschen der dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen!"
Das hat leider auch nicht unser Entwicklungshilfeminister verstanden.

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