Wie ein Kleinwüchsiger die Hürden des Alltags meistert

Der Kleinwüchsige Marec Switala arbeitet bei der Firma Langer und Biele in Boelerheide. „Hindernisse sind da, um sie zu überwinden“, sagt er. Eine Lebenseinstellung mit der Switala seine Einschränkungen jeden Tag vergessen macht.
Der Kleinwüchsige Marec Switala arbeitet bei der Firma Langer und Biele in Boelerheide. „Hindernisse sind da, um sie zu überwinden“, sagt er. Eine Lebenseinstellung mit der Switala seine Einschränkungen jeden Tag vergessen macht.
Foto: WP
Marec Switala ist nur rund einen Meter groß. Seine Kleinwüchsigkeit begreift er als Herausforderung. In unangenehmen Situationen reagiert er schlagfertig.

Hagen.. Marec Switala ist irgendwie anders, aber eben auch nicht. Ihm widerfahren Dinge, die uns kaum in den Sinn kommen. Mit seinem Kopf stößt er an die Außenspiegel von Autos, ebenso an Tischkanten. In der Warteschlange beim Einkaufen ist er stets wachsam, um nicht umgerannt zu werden. Und all das aus einem simplen Grund: Marec ist kleinwüchsig, gut einen Meter groß. Gefahren lauern daher an jeder Ecke. Es stört ihn aber nicht. „Hindernisse sind da, um sie zu überwinden“, sagt der 37-Jährige.

Das ist keine Floskel, Marec Switala tickt wirklich so. Er beißt sich durch. Seit Anfang 2014 arbeitet Marec beim Hagener Hydraulik-Service-Leister Langer und Biele in der Hameckestraße. Dort ist er für die gesamte Auftragsabwicklung zuständig, er schreibt Rechnungen und nimmt neue Aufträge entgegen. Die Arbeit macht ihm Spaß. „Wir sind nur fünf Leute im Betrieb und alle beim Du“, erzählt Junior-Chef Dirk Langer, und Marec ergänzt: „Wir haben einfach ein gutes Arbeitsklima.“ Erste Projekte im „neuen“ Betrieb hat er bereits gemeistert – zum Beispiel die Gestaltung der Außenseite des neu angeschafften Firmenwagen.

Schlagfertig in unangenehmen Situationen

Natürlich ist seine Größe auch auf der Straße ein Thema. Schlagfertig meistert er diese unangenehmen Situationen. Manchmal etwas sarkastisch, aber nie bösartig. Ein Beispiel: „Ein Kind hat seine Mama dauernd gefragt, warum ich so klein sei. Irgendwann habe ich mich umgedreht und gesagt: Weil ich meiner Mama zu viele Fragen gestellt habe.“

Von seiner Kleinwüchsigkeit lässt sich Marec nicht beirren, neue Abenteuer ziehen ihn an. Vor ein paar Jahren stand er sogar schon vor der Kamera – im Kinderfilm „Der verzauberte Otter“ und in einer Folge „Siebenstein“. „Natürlich war ich der Kobold“, erzählt der große Star-Wars-Fan, der zurzeit ein eigenes Star-Wars-Kostüm baut und damit auch in die Premierenvorstellung des siebten Teils Ende des Jahres gehen möchte.

Dass Marec Switala, der aus Hamm stammt und dort auch wohnt, nach Hagen kam, war – wie er selbst sagt – einem glücklichen Zufall geschuldet. Seine Freundin, die ebenfalls kleinwüchsig ist, arbeitete mit Dirk Langer während eines gemeinsamen BWL-Studiums an einem firmeninternen Projekt bei Langer und Biele zusammen. So lernten sich auch Langer und Switala kennen.

Erst Disneyland, dann Hochzeit

Zunächst schien Marecs berufliche Laufbahn jedoch einen anderen Weg einzuschlagen. 15 Jahre lang machte er sich als Orthopädie-Schumacher den Rücken krumm und kaputt, weil die „Knochenarbeit“ für seine kurzen Arme und Beine nicht geeignet war. Ein Bandscheibenvorfall folgte und Marec musste sich neu orientieren. Anfang 2012 begann er eine zweijährige Umschulung zum Bürokaufmann im Berufsförderungswerk Hamm. Während dieser Ausbildung absolvierte Marec auch ein Betriebspraktikum bei Langer und Biele. Dort überzeugte er auf Anhieb. „Ich habe einfach Gas gegeben.“ Sein Eifer wurde honoriert: Seit anderthalb Jahren hat er eine feste Stelle in dem Familienbetrieb.

Für seine Zukunft hat der eloquente Hammer zwei Pläne. „Mit meiner Freundin möchte ich ins Disneyland nach Paris. Dort gibt es Europas einzigen Star-Wars-Flugsimulator.“ Und dann will er heiraten. Ganz normale Wünsche eines Mannes, der irgendwie anders ist. Aber anderseits auch ganz normal.

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