Widerstand gegen Flurbereinigungsverfahren

Breckerfeld..  Die Bezirksregierung in Arnsberg entscheidet dieser Tage über die beiden Flurbereinigungsverfahren Glör-Wald und Boßel. Doch was nach Ansicht der Stadtverwaltung ein Segen für die Hansestadt ist, der erhebliche Fördergelder nach Breckerfeld spült, wird von betroffenen Land- und Forstwirten kritisch gesehen. Unterstützung erfahren die Grundbesitzer unter anderem durch die Landwirtschaftskammer NRW und die Stellungnahme des Forstbetriebsbezirks Breckerfeld.

Förster Volker Naumann (Landesbetrieb Wald und Holz NRW): „Die angedachte Asphaltierung des Waldweges zwischen dem Parkplatz an der Glörgaststätte und der Dahlerbrücker Straße verbessert nicht die Bewirtschaftung des Waldes und die Mobilisierung des Rohstoffes Holz. Sie zieht mehr Fahrzeugverkehr in den Wald, mindert den Erholungswert und bietet Flächen zur illegalen Müllentsorgung.“ Zwischenzeitlich hat man sich vom Gedanken einer Asphaltierung verabschiedet und für diesen Waldweg eine wassergebundene Decke vorgesehen.

„Die Zielsetzungen der geplanten Flurbereinigungsverfahren lassen keine Vorteile für die Landwirtschaft erkennen, sondern scheinen eher der Forstwirtschaft und dem Tourismus zu dienen“, heißt es in einem Schreiben der Landwirtschaftskammer an die Bezirksregierung. Und weiter: „Aus landwirtschaftlicher Sicht besteht für den Bereich Boßel kein Bedarf einer Flurbereinigung. Auch für Glör-Wald wird von Seiten der Landwirtschaft keine Flurbereinigung gewünscht.“ Eine Sicht, die viele Land- und Forstwirte teilen. „Die suggerierte Einigkeit für den Bereich Boßel gibt es nicht“, so Heiner Born, Landwirt und Vorstandsmitglied im landwirtschaftlichen Ortsverein, „es entstehen für uns Landwirte zum Teil erheblich Kosten, ohne dass wir einen Nutzen haben.“

Eine Flurbereinigung in der Ortslage Boßel und in den Waldgebieten Richtung Ennepetalsperre mache in vertretbarem Rahmen durchaus Sinn. Im vor allem landwirtschaftlich genutzten Bereich in Richtung Landstraße sei das Verfahren überflüssig. „Da muss auch nicht neu vermessen werden. Die Grenzen kennen alle.“

Dabei, so betonen Born, Ortslandwirt Ulrich Ferron sowie Gerd Berker, sei es grundsätzlich gut, dass Breckerfeld von den Fördermitteln profitiere. Allerdings so, dass sie auch den Landwirten nutzten. „Die Bedarfe der Landwirte liegen in anderen Gebieten“, so Ulrich Ferron.

Im Auge haben die Bauern die Bereiche Kückelhausen, Ebbinghausen, Wittenstein, Lausberg, Kotten, Holand, Groll und Breloh, die allesamt aus dem Verfahren herausgenommen wurden. „Das ist Breckerfelds Milchkammer“, sagt Ulrich Ferron, „hier wäre es viel wichtiger, die Wege in einen vernünftigen Zustand zu versetzen. Davon würden viele Höfe profitieren. Da, wo der landwirtschaftliche Schwerpunkt liegt, müssen auch die Fördergelder hin.“ Stattdessen aber werde in Glör-Wald auf ein Verfahren gesetzt, gegen das sich laut Ferron sämtliche private Grundbesitzer ausgesprochen hätten.

Einwand: Ungleiche Verteilung

Einig sind sich die Bauern durchaus darin, dass auch an und um die Glörtalsperre dringend Handlungsbedarf gegeben sei. Insbesondere die Zufahrten zur Talsperre beziehungsweise zur Jugendherberge müssten ausgebaut werden. „Wir haben allerdings erhebliche rechtliche Bedenken, dass die Flurbereinigung ein geeignetes Verfahren ist“, so Ferron, „dadurch, dass man die Eigentürmer von Kosten freistellt, will man sich deren Zustimmung erkaufen. Das darf juristisch aus meiner Sicht nicht sein. Und es funktioniert auch nicht. Es sind ja trotzdem alle gegen das Verfahren.“ Allein das Zahlenwerk weckt den Argwohn der Landwirte. Während für das 40 Hektar große Gebiet Glör-Wald 540 000 Euro Gesamtkosten veranschlagt sind, seien es für das wesentlich größere Gebiet Boßel (256 Hektar) 521 000 Euro.

Ärgerlich finden Born und Ferron, dass sie als Vertreter der Landwirtschaftskammer und des Landwirtschaftsverbandes auf Ortsebene bislang mit ihren Argumenten kein Gehör gefunden hätten. „Unsere Einwände haben wir schon bei einer Vorbesprechung deutlich gemacht. Bei der Präsentation hat sich nichts davon wiedergefunden. Ferron: „Unsere Anregungen werden einfach vom Tisch gefegt.“