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Bildung

„Wer liest, hat einen Vorsprung im Leben“

20.10.2010 | 17:22 Uhr

Hagen.Wer führt Kinder an Bücher heran? Wer betreibt Sprachförderung bei Groß und Klein? Für Ingrid Tönges, Leiterin der Bibliothek der Fachhochschule (FH), rhetorische Fragen. „Bibliotheken gehören ganz klar in den Bildungsbereich. Häufig werden sie leider dem kulturellen zugewiesen.“ Tönges findet, dass die öffentlichen Buchausleihen insbesondere auch Integrationsarbeit leisten. „Wer liest, hat einen Vorsprung im Leben.“

Dazu passt ein Beispiel aus der Praxis in der Stadtbücherei auf der Springe: Da ist die junge Mutter aus der Türkei, deren Deutschkenntnisse ausbaufähig sind. Auch ihre Kinder sollen die Sprache noch besser lernen. Ein trockener Sprachführer? Nein, schüttelt Lydia Böhm vom Springe-Team den Kopf und schickt die Frau in die Kinderbuchabteilung. „Beim Vorlesen lernt sie selbst und schult das Sprachverständnis der Kinder.“ Das beinhaltet übrigens noch einen Aspekt, der zurzeit in der politischen Diskussion um Kürzungen steht: eine fachkompetente Beratung.

Bildung und Beratung - diese Stärken stellen die drei Hagener Bibliothek - Stadtbücherei, Fernuni- und FH-Bibliothek - beim gemeinsamen Infotag auf der Springe (s. Infobox) vor. Vor zwölf Jahren haben sich die zusammengeschlossen - aus dem Wettbewerbs- einen Kooperationsgedanken gemacht. Seitdem wird kein Buch mehr doppelt oder dreifach angeschafft, die Bestände sind abgestimmt.

„Wir geben unsere Leser quasi von Bibliothek zu Bibliothek weiter“, sagt Andrea Steffes, Leiterin der Stadtbücherei. Hat der eine ein Buch nicht, kann er auf die zwei anderen verweisen. Notwendig ist lediglich ein Leseausweis. Fernuni und Fachhochschule Südwestfalen konzentrieren sich naturgemäß auf wissenschaftliche Literatur. Vor allem Schüler profitieren von dem reichhaltigen Angebot in Hagen für Referate und Facharbeiten. Was vor Ort nicht zu finden ist, kann immer noch über die Fernleihe aus allen Ecken der Welt geholt werden.

„Immerhin“, schließt Karin Michalke von der Fernuni, „haben wir bewiesen, dass man gut zusammen arbeiten kann.“ Das klingt nach starkem Selbstbewusstsein und danach, sich gegenseitig den Rücken zu stärken.

In diesen stürmischen Zeiten kann das hilfreich sein.

Von Anja Wetter

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Kommentare
21.10.2010
10:46
„Wer liest, hat einen Vorsprung im Leben“
von Ktitischerkritiker | #2

Richtig!
Aber was, wenn Ausländer gar kein Deutsch können und ihre Kinder daher auch kaum?
Ich kennen eine befreundete türkische Familie, in deren Haushalt gibt es kein einziges Buch (außer den Schulbüchern und dem Koran). Nicht einmal in ihrer Sprache haben sie ein Buch.
Und auf meine erstaunte Nachfrage wurde mir gesagt, daß es normal sei und die ihnen bekannten anderen Familien ebenso kein Buch brauchen. Man hat ja auch Fernsehen.
So ähnlich, wenn auch wohl nicht ganz so radikal, sieht es leider auch in vielen Familien der Unterschicht aus.
Es hilft alles nichts: Der Staat muß die Kinder schon im Kindergarten bilden, die Eltern versagen immer mehr.

20.10.2010
22:51
„Wer liest, hat einen Vorsprung im Leben“
von BaeDa | #1

„Wer liest, hat einen Vorsprung im Leben“

Stimmt!

Und warum soll dann in Hagen eine Stadtteilbücherei nach der anderen geschlossen werden????

Wer führt Kinder an Bücher heran? Wer betreibt Sprachförderung bei Groß und Klein?

Die Stadtteilbüchereien und deren engagierte Mitarbeiter!!!

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