Wenn jeder Tag wie Urlaub ist
20.08.2008 | 19:17 Uhr 2008-08-20T19:17:00+0200
Hinter der Tür zu Zimmer 2.6 im alten Hotel Danne lauert augenzwinkernd der Tod. Gezeichnet hat ihn Uwe Lex, wie er die Treppe runter rutscht – auf seiner Sense.
„Ich hab' mich gefragt: Wie sieht's beim Tod zuhause aus, wenn's klingelt?”, schmunzelt der Künstler. „Das ist so eine klassische Perspektive”, erklärt Lex selbstbewusst, „die muss man einfach drauf haben.” Er meint die Treppe, die ums Eck führt. Man glaubt sie Knirschen zu hören, wenn das Skelett auf dem Geländer runter rutscht – vorbei an seiner Ahnengalerie. Vater und Opa Sensenmann, der erste als Büste, der zweite als Bild im Bild. Die Frage drängt sich auf: Hat der Zeichner Angst vor dem Tod? „Nee, wieso? Könnte spannend werden”, sagt der 51-Jährige und schmunzelt wieder. Die Brille sitzt wie immer ziemlich tief auf seiner Nase. In seinen Bilder erzählt der gelernte Tischlermeister Geschichten, nicht zwingend aus dem Fantasy-Bereich. Gerne auch politisch. Da zieht ein Tourist den Vorhang des schönen, neuen Berlin zur Seite und erblickt die Wirklichkeit hinter der politischen Bühne: Ein Heer von Arbeitslosen in einer tristen Stadt. Das Brandenburger Tor ist dabei tatsächlich wie eine Gardine aufgefädelt. Aus dem Ärmel schüttelt Uwe Lex seine Bilder nicht, es sei denn, er macht Fingerübungen.
„Zwei bis drei Wochen brauche ich, bis ich eine Idee umsetzen kann.” Anregungen liefert neben dem Leben oft die Literatur. Je abgedrehter die Phantasie der Autoren, desto besser läuft der Film in Lex' Kopf. „In der Phantasie ist alles möglich”, sagt der Zeichner. Da können in China auch Wasserfälle zwischen Häuserwänden herunterstürzen.
Lex hatte sich vor vier Jahren von seiner sicheren Tätigkeit als Bauleiter verabschiedet, um freischaffender Künstler zu werden. Kopfschütteln waren damals die Reaktionen von Freunden. Heute kommt er „gerade so über die Runden, das reicht mir”. Zeichenkurse, Auftragsmalerei, Tischlerarbeiten – so hält sich der Künstler über Wasser. Er schmunzelt schon wieder: „Wenn ich zeichne, ist für mich jeder Tag wie Urlaub.” Von seinen Bildern trennt sich Uwe Lex ganz ohne Wehmut, er freut sich wenn jemandem sein Werk gefällt.
In vielen Bildern erkennt man erst beim zweiten oder dritten Blick kleine Details. Beim Sensenmann ist es zum Beispiel ein Spiegel, in dem die Eingangstür zu sehen ist. Wer davor steht, das ist nicht sichtbar.
0mitdiskutieren