Wenn der Krieg zum Teil des Lebens wird

55 Jugendliche aus 7 Nationen geben gegenwärtig in Berchum dem Frieden eine Chance.
55 Jugendliche aus 7 Nationen geben gegenwärtig in Berchum dem Frieden eine Chance.
Foto: WP

Berchum..  „Give peace a chance“ (Gib dem Frieden eine Chance), so lautet nach dem Titelsong von John Lennon auch das Motto des „East-West-East-Projektes“, zu dem sich 55 Jugendliche im Alter von 15 bis 22 Jahren seit Freitag vergangener Woche in der Jugendbildungsstätte in Berchum eingefunden haben. Sie kommen aus sieben verschiedenen Ländern (Estland, Finnland, Polen, Deutschland, Rumänien, Ukraine, Türkei) und bringen alle ihre eigene Geschichte und Kultur mit.

Das Projekt wird von der EU gefördert und von „Erasmus-Plus, Jugend in Aktion“ unterstützt. Unter der Leitung von Paul Gaffron, der als ehemaliger Leiter der evangelischen Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen (eSw) in Berchum nun ehrenamtlich tätig ist, findet ein solche Veranstaltung schon zum fünften Mal statt.

Die Teilnehmer arbeiten in verschiedenen Workshops auf eine Theateraufführung hin, die heute um 17 Uhr in der Jugendbildungsstätte in Berchum stattfindet und zu der jeder Interessierte herzlich eingeladen wird.

Thematik berührt sehr

Die einzelnen Gruppen beschäftigen sich alle mit dem Thema Frieden und Krieg, gehen jedoch ganz individuell damit um. Vorab behandelten die Jugendlichen zunächst theoretisch, was für sie persönlich Frieden bedeutet. In diesem Zusammenhang berichtete eine Frau über ihre Arbeit mit Flüchtlingen aus Eritrea, was bei den Teilnehmern zu Tränenergüssen führte.

Die Thematik ist für alle sehr berührend und mit vielen gemischten Gefühlen bestückt. Speziell für die Teilnehmer aus der Ukraine ist dieses ein bedeutender und vor allem emotionaler Part des Zusammentreffens.

Hanna (18) aus Kiew ist eine der glücklichen sieben Jugendlichen, die aus ihrem Land an dem Treffen teilnehmen darf: „Ich bin im Internet auf das Projekt aufmerksam geworden und habe mich direkt dafür interessiert, weil es zum einen eine tolle Möglichkeit eines interkulturellen Austausches ist und ich zum anderen die Chance habe, über unsere Situation in der Ukraine zu sprechen.“

Für sie ist der Krieg zu einem Teil ihres Lebens geworden. In den letzten zwei Jahren hat sich alles in ihrem Zuhause verändert. „Jeder versucht, sein Bestes in dieser Situation zu geben und durch Freiwilligenarbeit oder Spenden, die Leute in der Ostukraine zu unterstützen. Der Zusammenhalt wächst enorm und man merkt, dass unsere ganze Nation vereint ist“, berichtet die 18-Jährige. Der Krieg geht nach wie vor weiter und fast jeder ist in irgendeiner Weise davon betroffen. „Man hat keine Zeit mehr, über sich nachzudenken, weil jeder in den Krieg ein bezogen ist. Auf einmal werden aus Familie und Freunden Soldaten, die in der Armee kämpfen müssen“, beschreibt Natalia (22) die bedrückende Lage in ihrem Heimatland.

Teilnehmer sprechen fünf Sprachen

Es ist dennoch ein vielfältiges, buntes und auch emotionales Treffen der verschiedenen Kulturen, wodurch eine einzigartige Atmosphäre auf dem Gelände der eSw geschaffen wird.

Einige Teilnehmer sprechen fünf verschiedene Sprachen und doch finden sie viele Wege, ihren Gedanken und Gefühlen auch ohne Worte Ausdruck zu verleihen. Ob mit Gesang, Fotos, Theater oder Malen hat jeder seine eigene Art, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Nicht nur Paul Gaffron, sondern auch die Jugendlichen können es kaum erwarten, das Resultat der Arbeit der letzten Tage zu erleben und insbesondere vorzustellen. Doch auch der Weg dahin ist eindeutig schon das Ziel und eine einzigartige Erfahrung für die Teilnehmer.

Jeder geht seinen individuellen Weg, doch am Ende treffen alle zusammen, denn jeder hat das gleiche Ziel vor Augen: den Frieden.