Wenn der Arbeitsmarkt eine Tanzfläche wäre...
02.12.2008 | 17:10 Uhr 2008-12-02T17:10:00+0100
Er tanzt für sein Leben gern, jeden Sonntag, Standard und Latein. Auf dem Arbeitsmarkt dagegen kann Peter Matthias nicht Fuß fassen. Und das hat nichts mit fehlender Beweglichkeit zu tun.
Er ist 43 Jahre alt, Maler und Lackierer. War Juniorchef im kleinen väterlichen Betrieb. Bis er aus dem Rhythmus kam. „Eine Anfallskrankheit”, sagt er. Soll heißen: Manchmal kippt Peter Matthias einfach um, verkrampft sich. Die Anfälle sind kurz. „Meistens sitzt er eine Stunde später schon wieder in der Werkstatt”, sagt Sozialarbeiterin Marion Stahl. In der Spielzeug-Werkstatt in Eckesey, eine Kooperation von ARGE und Werkhof GmbH. Und Trittbrett für behinderte Menschen auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt. Auch für Peter Matthias. Er hat als Lagerist hier angefangen, bis jemand seinen tatsächlichen Beruf entdeckte. Seither hat er mehr als genug zu tun, streicht Büros, lackiert Spielzeug, wird für Malerarbeiten jeglicher Art angefragt. Das funktioniert, auch weil das Team Rücksicht nimmt und Bescheid weiß. Um der anfänglichen Hilflosigkeit zu begegnen, haben viele Kurse bei den Johannitern belegt, wissen jetzt, was zu tun ist, wenn Matthias einen Anfall hat.
Das, sagt Marion Stahl, ist im ersten Arbeitsmarkt schwieriger - das Unfallrisiko sei natürlich immer gegeben. Zum anderen, ergänzt Thomas Opel, ARGE-Sprecher, weil im Moment die allgemeine Krise natürlich die Stellenangebote insgesamt eingedampft hat. „Zeitarbeit, Hilfsarbeiten - das war wie mit einem Fingerschnippen weg”. Und die Bugwelle, befürchtet er, erreicht die ARGE mit voller Wucht erst in Jahresfrist.
Marion Stahl legt die Unterlagen eines neuen Landesprogramms auf den Tisch: „Integration unternehmen”. Das, sagt sie, ist klasse: Unternehmen, die komplett oder in einzelnen Abteilungen mit behinderten Menschen aufgebaut und gelenkt werden. Allerdings: Nach fünf Jahren fallen die Zuschüsse weg, müssen die Firmen allein wirtschaften. Nichts fürs „Rückspiel”, auch wenn die Spielzeugwerkstatt zur „Übungswerkstatt” ausgebaut werden soll: mit neuem Konzept, aufgestockter Mannschaft und Eigenverantwortlichkeit vom Einkauf bis zur Auslieferung. Ein Test, sagt Günther Weyland (ARGE). Einer, bei dem jeder seinen Platz findet. Einige anschließend auch ein Praktikum und manche einen Arbeitsplatz.
Darauf hofft auch Peter Matthias und nickt sofort, als Marion Stahl ihm einen Excel-Computerkurs anbietet. Schließlich hat er beruflich mehrere Standbeine: Er ist nach einer Umschulung auch Verwaltungsfachangestellter.
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