Weinkeller im römischen Stil ist einmalig
25.10.2011 | 18:00 Uhr 2011-10-25T18:00:00+0200
Hagen-Mitte.Er ist zweifellos das Herzstück des traditionsreichen Bruchsteingebäudes – der sich im Untergeschoss befindende, 400 Quadratmeter große Weinkeller nach römischem Baustil. Und die spezielle Hallenatmosphäre, die die ehrwürdigen Steinbögen und die rustikalen Barrique- und Tonneaux-Fässer erzeugen, lassen die Besucher des Heiligtums des Weinhauses Bettermann die kühlen 13 Grad zumindest eine Zeit lang vergessen.
Eines der repräsentativsten Gebäude der Hagener Innenstadt – das Weinhaus Bettermann am Emilienplatz 9 – feierte jüngst sein 100-jähriges Bestehen. Vor ein paar Tagen ließen Peter Holzrichter, der das opulente Haus vor knapp 20 Jahren erworben hat, und Domenico Di Paolo, Geschäftsführer der „Enotria Weinbar“, die sich im Erdgeschoss befindet und seit einem halben Jahr durch ein italienisches Restaurant ergänzt wird, die Korken knallen. „100 Jahre Bettermann“ wurde mit einem Sektempfang, Imbiss und Live-Jazz-Musik im historischen Weinkeller stilvoll gefeiert.
1911 war ein gutes Weinjahr
„Das Wohn- und Geschäftshaus wurde bereits 1872 von der Weinhändlerfamilie Bettermann erbaut, knapp 40 Jahre später entstand der Weinkeller. Der Grund? 1911 war der Überlieferung nach ein besonders gutes Weinjahr“, erläutert Di Paolo.
„Dort, wo sich seit etwa fünf Jahren die Kosmetikschule von Silke Vormann befindet, waren früher die Räumlichkeiten für Weinproben“, ergänzt Peter Holzrichter. Abfüllanlage und Verkaufsfläche waren im Erdgeschoss, und auf der großen Wiese vor dem Haus (dort ist heute die vielbefahrene Kreuzung Emilienplatz/Märkischer Ring) fanden Weinfeste statt.
Auf dem sich in der Nähe befindenden Bettermann-Parkplatz stand die Bettermann-Brauerei, die vor über 30 Jahren abgerissen wurde. „Vom Weinhaus zur Brauerei führte ein 250 Meter langer Tunnel“, erläutert Di Paolo.
Tunnel nur noch 25 Meter lang
Heute sei der Tunnel nur noch 25 Meter lang, doch für die mikroklimatischen Verhältnisse im Weinkeller extrem wichtig. „Durch Kiesauslegung – dadurch wird die Feuchtigkeit des Erdreichs gespeichert – halten wir dieses Mikroklima ohne technische Hilfsmittel“, fährt der Weinexperte fort.
Ende des 2. Weltkrieges wurde das Gebäude, das von den Architekten Christian und Paul Gerhard aus Elberfeld auf Wunsch von Alfred und Carl Bettermann geplant worden war, schwer beschädigt, doch 1954 wieder hergerichtet. 28 Jahre lang befand sich der bekannte Couturier Hanns Friedrichs mit seiner Schneiderwerkstatt in einem Flügel des Hauses. „Seit vielen Jahren lebt und arbeitet ,Hafri’ nun aber in Düsseldorf, er ist mittlerweile 82 Jahre alt“, erzählt Peter Holzrichter.
Weinproben und Ausstellungen
Seit 2009 residiert Weinhändler und Sommelier Domenico Di Paolo am Emilienplatz 9, verkauft in der Enothek Weine aus ganz Europa sowie italienische Feinkost und lädt zu Weinproben und Ausstellungen zwischen den alten Fässern ein. Und in dem historischen Weinkeller mit geradezu musealem Charakter kann man tatsächlich die Zeit vergessen.
13:42
Ja, über im Krieg zerstörte und in den 50ern abgerissene Fassaden kann man lange weinen. Da ich das Weingeschäft bislang noch nicht besucht habe, kannte ich auch dessen Geschichte und den Gewölbekeller noch nicht. Sehr interessant.
Ansonsten: Das Kellergewölbe hat runde Bögen (deshalb also römischer Stil, nicht gotisch) und ist aus Ziegeln gemauert. Das Erdgeschoss hingegen ist aus Bruchsteinen, vermutlich Ruhrsandstein. Ob massiv oder verklinkert kann ich hier nicht erkennen.
11:50
Das Weihnhaus Bettermann ist doch nur noch ein Schatten seiner selbst. Nach dem Krieg wurde es nur vereinfacht und reduziert wiederaufgebaut. Eine Rekonstruktion der historischen Fassade wäre wünschenswert aber leider heutzutage in Hagen nicht realisierbar.
Noch was zum Meckern: Die Autorin meint wohl Backstein, denn aus Bruchstein ist das Haus sichelich nicht und was ist denn ein römischer Stil? Meint man hier vielleicht die Romanik?
07:58
Es ist schön, dass der Keller wieder begehbar ist aber traurig, dass er so lange brach lag. Vor ca. 45 Jahren habe ich als Elektriker für die damals dort ansässige Fa. Wein Dietz gearbeitet und bin da auch schon in die Kellergewölbe vorgedrungen. Es war zu der Zeit einfach nur überwältigend. Allerdings war damals eine Nutzung des Gewölbes aufgrund baulicher Bestimmungen und Sicherheitsbestimmungen - es war kein Fluchtweg etc. vorhanden - nicht möglich. Ich hoffe, dass das Gewölbe noch lange erhalten bleibt und genutzt werden kann.