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Interview

Weihnachten gibt Familien Halt

18.12.2009 | 18:25 Uhr

Die meisten seiner Schäfchen sieht Matthias Heuer an den Weihnachtstagen, dann haben die Kirchen generell den meisten Zulauf. Heuer predigt seit zehn Jahren als Pfarrer in der Dreifaltigkeitsgemeinde. Mit ihm sprach Redakteurin Anja Wetter über die ursprüngliche und heutige Bedeutung von Weihnachten

Woraus leitet sich die Bezeichnung ,Weihnacht' ab?

Matthias Heuer: Von der Wortbedeutung her setzt sich die Bezeichnung aus alt- und einem mittelhochdeutschen Silben zusammen. Übersetzt heißt Weihnacht ,Heilige Nacht'. Er entstand zu einer Zeit, als Gottesdienste auf Latein gelesen wurden, als Übersetzung für nox sancta. Der erste Bedeutungswechsel ist mit Martin Luther hat für einen Bedeutungswechsel gesorgt. Er dachte an ,wiegen', das Kinde wiegen. Überhaupt hat Luther vieles an der Weihnachtstradition verändert und den Brauch des Schenkens vom Nikolaus-Tag auf Weihnachten verschoben.

Warum wollte Martin Luther das Schenken verdrängen?

Immerhin hat sich die Tradition des Stiefel-Schenkens zu Nikolaus erhalten. Aber Luther wollte den Heiligenkult auflösen, Heilige sollten aus der Kirche gedrängt werden. Der Blick auf Christus sollte frei werden. Der Ausdruck ,Christkind' geht auf Luther zurück. Die Kinder kennen alle den Weihnachtsmann. Der ist aber eine Figur des 20. Jahrhunderts. Nur noch eine Hand voll weiß, dass es auch ein Christkind gibt.

Wie sieht es mit der Religiosität zu Weihnachten aus? Die scheint sich alle Jahre wieder zu der Zeit Bahn zu brechen...

Der Kirchenbesuch zu Weihnachten hat sich etwas zu einer folkloristischen Tradition entwickelt. Ein Drittel der Gemeindemitglieder kommen an den Tagen in die Kirche. Das sind bei mir zwischen 850 und 900. Den Rest sehe ich in der Kirche nicht, allerdings zu Trauungen oder Beerdigungen. Die Chance muss man dann als Pfarrer nutzen.

Aber was ist denn das Geheimnis der Gottesdienste zu Weihnachten, dass die Kirchenbänke dann so voll sind?

Die Tage sind ein Fixpunkt für Familien, Weihnachten ist ein Familienfest. Es stabilisiert heutzutage, da Familien oftmals nicht mehr zusammen an einem Ort leben und sich seltener in großem Rahmen treffen. Dann gehört der Gottesdienstbesuch einfach dazu. Zum Familiengottesdienst am Nachmittag kommen vor allem Eltern mit kleineren Kindern. In die Christvesper insbesondere ältere Menschen oder Familien mit größeren Kindern.

Wie könnte man den diejenigen bewegen, nicht nur zur Weihnachtssaison in die Kirche zu kommen?

Wir müssen unsere Attraktivität steigern. Liturgie und Profil - das ist nicht mehr modern genug. Themen wie Schuld und Sühne ist nichts, was sich moderner Mensch sagen lassen möchte. Außerdem tun sich Protestanten schwerer damit, öffentlich zu ihrem Glauben zu stehen. Katholiken sehen es noch eher als ihre Pflicht an, in die Kirche gehen zu müssen. Was Modernität ausmacht, sieht man an der Christmette, die normalerweise hochliturgisch ist. Bei uns Die heißt sie ,Gospelnight'. Dahin kommen Menschen, die über Musik den Weg in die Kirche finden.

Dennoch scheint es eine Sehnsucht nach Spiritualität im Leben zu geben.

Es ist moderner, Buddhist statt Christ zu sein. Man möchte Formen finden, wie man eine individuelle Frömmigkeit leben kann.

Anja Wetter

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