Was junge Menschen im Dorf hält

Heimatliebe: Marvin Tholen, Michelle Cremer, Roxanne Ehrig, Simon Hahn, Tim Eitzert und Kristina Buck leben gern in Breckerfeld.
Heimatliebe: Marvin Tholen, Michelle Cremer, Roxanne Ehrig, Simon Hahn, Tim Eitzert und Kristina Buck leben gern in Breckerfeld.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Warum leben junge Menschen gerne in Breckerfeld? Sechs von ihnen geben Antworten.

Breckerfeld..  Hansestadt hört sich erst einmal groß an. Hansestadt Bremen. Hansestadt Lübeck. Hansestadt Hamburg. Das sind Städte mit Universitäten, Städte mit Kneipenvierteln, Städte mit Bühnen, Museen und Konzerten. In der Hansestadt Breckerfeld gibt es drei Schulen, ein paar Kneipen, ein Heimatmuseum, Chöre und ein Bürgertheater.

Was also hält junge Menschen ausgerechnet hier? Warum wollen sie nicht weg? Was lieben sie an ihrer Stadt? Kristina Buck, Michelle Cremer, Roxanne Ehrig, Simon Hahn, Tim Eitzert und Marvin Tholen geben Antworten . . .

Die Lehrerin

Sie war ja mal weg. Weit weg sogar. Kristina Buck, 32 Jahre alt, Lehrerin an der Grundschule Breckerfeld, war als Au-pair in West Port in den USA. Während des Referendariats hat sie in Soest gelebt und gearbeitet, dann für ein Jahr in Kerpen, jetzt seit ein paar Jahren wieder Breckerfeld. „Ich hab’ ja über den Tellerrand geschaut“, sagt sie, „aber es hat mich wieder zurückgezogen. Mein Herz hängt an dieser Stadt. Hier ist meine Heimat.“

Mit sieben Geschwistern ist Kristina Buck in Breckerfeld aufgewachsen, hier in den Kindergarten und selbst zu jener Grundschule gegangen, an der sie heute selbst unterrichtet. „Ich bin ein Familienmensch“, sagt sie, „das ist mir wichtig. Ich liebe die Ruhe und die Natur. Da kann ich stundenlang mit Pferd und Hund unterwegs sein.“

Man kennt sich in der Stadt, und die Wege sind kurz. „Wenn ich mit meiner Klasse einen Weihnachtsbaum in der Stadt schmücken will, dann weiß ich, wen ich ansprechen muss und muss keine Anträge stellen“, sagt die junge Frau, deren Familie 1988 zum Wengeberg gezogen ist. „Bei uns an der Schule gibt’s engagierte Eltern und viele neugierige Kinder.“

Der Amtmann

Mit den Eltern hergezogen ist auch Tim Eitzert. Hergezogen und geblieben. „Andere ziehen zumindest für ein Studium weg. Ich habe nach der Realschule sofort meine Ausbildung bei der Stadtverwaltung begonnen“, sagt Tim, der heute im Haupt- und Personalamt arbeitet. „allein durch die Arbeit fühle ich mich der Stadt verbunden.“

Durch die Arbeit und eine Zahl an Ämtern, die vermutlich nur noch vom Bürgermeister selbst übertroffen wird: Geschäftsführer des TuS Breckerfeld, Vorstand Stadtmarketingverein, Kassierer im Heimatverein, Jugendleiter im Stenografenverein sowie Pressewart der Skiabteilung.

Das aber ist nicht alles, was verbindet: „Es gefällt mir, in einer Kleinstadt zu leben. Hier sprechen die Menschen noch miteinander“, sagt Tim Eitzert, der heute mit seiner Freundin Anna-Lena zusammen wohnt und „eigentlich nie darüber nachgedacht hat, aus Breckerfeld wegzuziehen“. Im Gegenteil: „Uns schwebt schon vor, hier einmal zu bauen.“

Der Fußballer

Er ist neu in der Stadt. Und trotzdem hat Marvin Tholen Breckerfeld schon länger in sein Herz geschlossen. Zumindest den Fußball-Verein Schwarz-Weiß, für den er in der ersten Mannschaft in der Bezirksliga kickt. „Seit fünf Jahren schon“, sagt der 24-Jährige, der noch in der Jugend für den TuS Ennepetal aufgelaufen ist. In Ennepetal hat er am Ende nur auf der Bank gesessen. Schulfreunde aus Breckerfeld, die wie er das Reichenbach-Gymnasium in Ennepetal besuchen, nahmen ihn mit zum Training nach Breckerfeld, wo der Trainer auf junge Spieler setzt.

Nach dem Studium in Eisenach, einer Zeit, in der Marvin ständig zwischen Thüringen, Ennepetal und Breckerfeld pendelte, zog er in die eigene Wohnung in der Hansestadt. „Es ist toll, in einem kleinen Ort zu leben. Man kennt viele Leute, nicht nur durch den Fußball“, sagt Marvin, der mittlerweile die C-Jugend trainiert, „hier gibt es ein tolles Gemeinschaftsgefühl.“ Und: „Man hat Wald und Natur direkt vor der Haustür. Ich bin eben kein klassischer Stadtmensch.“

Die halbe Asiatin

Roxanne Ehrig (23) studiert Japanologie und Amerikanistik. Das allein müsste ja eigentlich den Ruf der Ferne in ihr aufkommen lassen. Doch obwohl sie schon viel durch die Welt gereist ist, wie in die USA oder nach Japan, und obwohl ihr in Breckerfeld so ziemlich alles fehlt, was nur fehlen kann, ist ihre Heimatstadt doch das Nest, aus dem man immer wieder ausfliegt, um gerne wieder her zu kommen.

„Und wenn ich hier bin“, sagt Ehrig, „dann freue ich mich eigentlich auch immer, dass Breckerfeld doch recht zentral liegt und ich überall gut hinkomme.“ Auch wenn sie sich vorstellen kann, eine Zeit lang in Asien zu arbeiten, soll Breckerfeld doch der Ort sein, wo später mal ihre Kinder aufwachsen sollen.

Der pendelnde Kaufmann

Das ländliche Wohnen, die Familie, die Freunde, die Vereine und die Dorfgemeinschaft – all das sind für Simon Hahn gute Gründe in seinem Heimatdorf Zurstraße zu bleiben. Hahn arbeitet als Kaufmann im Bereich Spedition und Logistik beim Dienstleister für Recycling und Wasser Remondis in Lünen.

„Ich bin in so vielen Gemeinschaften hier aktiv. Und ich schätze es, dass das Ehrenamt hier eine besondere Rolle spielt.“ Er höre von vielen Weggezogenen im etwa gleichen Alter, dass sie mittlerweile wieder zurückziehen wollen. „Mich hat es ja zum Beispiel auch nie sehr stark nach Hagen gezogen“, sagt er. Er ist dort zur Schule gegangen.

Es fehle an ein paar Dingen, speziell in Zurstraße. Eine Sparkasse zum Beispiel. „Das ist aber alles nicht schlimm“, sagt Hahn, der hier auch irgendwann eine Familie gründen will.

Die Fachangestellte

Michelle Cremer (23) arbeitet als medizinische Fachangestellte in Lüdenscheid und lebt noch bei ihren Eltern. „Mich zieht’s hier nicht weg“, sagt sie. Auch sie schätzt die zentrale Lage Breckerfeld mit den verhältnismäßig kurzen Anfahrten zu den umliegenden Autobahnen. „Ich will auf jeden Fall in der Nähe bleiben und auch meine Kinder hier später groß werden lassen.“ Auch wenn es für die kleinen Breckerfelder laut Cremer durchaus noch mehr Möglichkeiten geben müsse. „Ansonsten mag ich es, hier zu leben. Wir sind nicht so abgeschnitten von der Außenwelt wie viele denken. Und die Gegend hier ist wunderschön.“