Warum in Südwestfalen trotz Streiks viele Züge fahren

Was wir bereits wissen
Viele Strecken sind trotz des Bahnstreiks befahren. Mietwagen sind noch immer zu haben. Mitfahrgemeinschaften verzeichnen enorme Nachfrage.

Hagen.. Diesmal kommt Westfalen zum Zug. Knapp 50 Prozent der Bahnkilometer befahren private Anbieter, die nicht bestreikt werden, erklärt Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn. Landesweit dagegen werden nach Auskunft der deutschen Bahn voraussichtlich nur 30 Prozent der Züge fahren. „Westfalen kommt einigermaßen gut weg“, so Ebbers. Die Auswirkungen auf die Bahnreisenden hielten sich in Südwestfalen mithin im Rahmen. Insbesondere von Hagen Richtung Siegen, wo die Privatbahn Abellio unterwegs ist.

Bahnstreik Und dort, wo die Bahn noch ein Monopol hat, wie auf der Sauerlandstrecke, hat sie Notfallfahrpläne ausgearbeitet. So soll der RE 17 Hagen – Kassel über Arnsberg, Meschede, Brilon am Dienstag „überwiegend im Regelbetrieb“ fahren.

Die Bahn lasse gezielt Strecken ausfallen, wo auch ein Wettbewerber unterwegs sei, um auf den anderen Linien den Betrieb aufrecht erhalten zu können, lobt Ebbers die bisherigen Notfallfahrpläne.

Servicenummern und Erstattungen

Wer ganz sicher gehen will, dass der eigene Zug tatsächlich unterwegs ist, kann sich auf www.bahn.de/aktuell im Internet oder unter den Servicenummern 08000 99 66 33 (kostenlos) beziehungsweise 0180 6 99 66 33 (20 ct/Anruf aus dem Festnetz) informieren. Fahrgäste, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder verpassten Anschlüssen ihre Reise nicht wie geplant durchführen, können sich ihre Fahrkarte und Reservierung kostenlos erstatten lassen, teilt die Bahn mit, oder den nächsten, auch höherwertigen Zug nehmen.

Mietwagen sind derzeit in Südwestfalen ebenfalls zu haben. „In den Räumen Hagen und Siegen sind noch Verfügbarkeiten vorhanden“, so eine Sprecherin von Europcar am Montag. Auch bei kleineren Anbietern wie „Drive me“ in Hagen sind Fahrzeuge zu mieten.

Bahnstreik Vielleicht, weil viele Pendler in der Region auf Mitfahrgelegenheiten umsteigen: So sind nach der Streikankündigung am Sonntag bei „Blablacar“, einer der größten Mitfahrgemeinschaften im Internet, die Suchanfragen für Mitfahrgelegenheiten von und nach Hagen um 32 Prozent gestiegen im Vergleich zum Sonntag der Vorwoche. Und für Mitfahrgelegenheiten von und nach Siegen sogar um 92 Prozent.

Damit auf den Straßen auch ein Durchkommen ist, hat der Landesbetrieb Straßen-NRW angekündigt, die Zahl der Tagesbaustellen auf den Autobahnen zu reduzieren. Gänzlich darauf verzichten könne man allerdings nicht, so Hauptgeschäftsführer Winfried Pudenz. Einige Arbeiten müssten um der Verkehrssicherheit willen zügig durchgeführt werden. Andere ließen sich so kurzfristig nicht absagen, weil nur begrenzte Zeit verwendbares Material wie Heißasphalt bestellt sei.

Vorsorgepflicht der Beschäftigten

Einen Puffer sollten Mitarbeiter auf dem Weg zur Arbeit also einplanen. Berufstätige können die Verantwortung für eine Verspätung am Arbeitsplatz nämlich nicht auf den Bahnstreik schieben. Sie müssen Vorsorge treffen und pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen. Um Ärger aus dem Weg zu gehen, sollten Beschäftigte im Fall einer drohenden Verspätung beim Arbeitgeber anrufen. Das Klima sei in kleinen und mittelständischen Betrieben Südwestfalens aber so gut, dass es deshalb nicht zu einem Zerwürfnis komme, ist man beim Märkischen Arbeitgeberverband zuversichtlich.