Warum in Hagen Curry-Wurst mit Allergenliste angeboten wird

Die Karussells auf der Hagener Osterkirmes fanden vor allem bei jungen Besuchern viel Anklang.
Die Karussells auf der Hagener Osterkirmes fanden vor allem bei jungen Besuchern viel Anklang.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Die Osterkirmes in Hagen ist eine lange Tradition. Doch nun machen die neue Verordnungen und TÜV-Auflagen den Schaustellern das Leben schwer.

Hagen-Höing.. Wenn es am Höing nach gebrannten Mandeln und kandierten Äpfeln riecht, die Musik noch einige Straßen weiter zu hören ist und das fröhliche Geschrei von Kindern nicht verstummt, ist die Osterkirmes wieder in der Stadt: Das Volksfest eröffnete am Samstag bereits zum 55. Mal.

Statt mit einem Fassanstich wurde die Kirmes mit einer Tombola begonnen. Der neue Schaustellerchef Andreas Alexius war mit dem Zulauf zufrieden: „Die Tombola hat gut funktioniert und das Wetter hat uns keinen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Lediglich von den Vertretern aus der Politik war er etwas enttäuscht, denn die hielten sich mit ihrer Anwesenheit zurück. „Vielleicht weil gerade keine Wahlen anstehen“, mutmaßte er.

Die wichtigesten zwölf Allergene

Dabei hat Andreas Alexius in diesem Jahr noch mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der TÜV hat neue Verordnungen aufgestellt, an die sich die Betreiber der Kirmes nun halten müssen. Zum einen gibt es seit Anfang des Jahres eine neue Allergenverordnung, die fordert, dass an jeder Essbude die wichtigsten zwölf Allergene ausgezeichnet werden. Auf der Kirmes am Höing wurde dieses Problem so gelöst, dass es an jedem Stand, an dem man etwas essen oder trinken kann, Kataloge gibt, nach denen man fragen kann und in denen alle Inhaltsstoffe und Allergene aufgelistet sind. Plakate wären dafür nicht geeignet gewesen, da diese an Ständen mit verschiedenen Leckereien riesig ausfallen würden. „Aber alle Stände können diese Verordnungen vorzeigen, das haben wir überprüft, da sind wir vorbildlich“, sagte Alexius.

Sorgen bereitet ihm zudem eine zweite Verordnung. So gilt seit dem Jahr 2005 europaweit, dass sogenannte fliegende Bauten, und dazu gehören zahlreiche Fahrgeschäfte, neue Sicherheitsstandards einhalten müssen – zumindest diejenigen, die neu gebaut werden. Für ältere Anlagen gab es bis 2013 einen Bestandsschutz, der jedoch gekippt wurde. Nun wird von allen Karussell-Betreibern verlangt, dass sie ihre Geräte den neuen Standards entsprechend aufrüsten, was extrem teuer werden kann.

Schausteller sieht Existenz bedroht

„Das sind Existenz bedrohende Maßnahmen, in bestimmten Regionen werden Volksfeste ganz verschwinden“, prophezeit Alexius. Hoffnung macht ihm, dass bereits eine Vorlage im Bundestag eingereicht wurde, der fast alle Parteien zugestimmt haben, damit der Bestandsschutz wieder gilt.

Die Gäste sind bislang zufrieden mit der Kirmes, die noch bis zum kommenden Sonntag geöffnet hat. Familien und Großeltern sind mit ihren Enkeln unterwegs, abends strömen dann immer mehr Jugendliche zum Höing. Johanna Beermann (12) und Clara Constantinescu (13) machten sich mit einer weiteren Freundin einen schönen Mädelsabend auf der Kirmes: „Wir wohnen hier auch in der Nähe“, berichtete Johanna. „Es gefällt uns noch besser als letztes Jahr.“ Ihre Freundin wurde derweilen im „XFactor“ herumgewirbelt. Warum die beiden nicht selbst eine Fahrt auf dem Karussel unternehmen? „Wir haben Angst“, erklärt Clara Constantinescu mit einem Lächeln.