Warum das Internet zur Gefahr für Discotheken wird

Es glitzert immer seltener in südwestfälischen Diskotheken. Drei Discos mussten bereits in diesem Jahr im Sauerland schließen.
Es glitzert immer seltener in südwestfälischen Diskotheken. Drei Discos mussten bereits in diesem Jahr im Sauerland schließen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In diesem Jahr haben bereits drei Discos im Sauerland dicht gemacht. Die Zeiten für „Zappelbuden“ werden schwieriger. Ist die Disco ein Auslaufmodell?

Südwestfalen.. In elf Monaten gehen im Schmallenberger Lichtwerk die Lichter aus. Dann hat es sich für immer ausgetanzt in der Sauerländer Diskothek. „Es wird immer schwieriger, eine Disco zu betreiben“, sagt Thomas Bette. Der Lichtwerk-Chef zieht sich nach zehn Jahren komplett aus der Branche zurück. „Die Rahmenbedingungen sind nicht mehr so, dass das Ganze die nächsten zehn Jahre noch gut gehen kann.“

Mit dem „Embassy“ in Meschede, dem „Zero“ in Arnsberg-Niedereimer und dem „Alpenrausch“-Nachfolger „P2“ in Winterberg haben in diesem Jahr bereits drei Discos im Sauerland ihren Betrieb eingestellt.

Die Generation Internet

Das Nachtleben in Südwestfalen ist ärmer geworden. „Dabei werden Diskotheken nach wie vor gebraucht“, sagt Thomas Bette. „Es gibt immer noch genügend junge Menschen, die am Samstagabend real Leute treffen wollen.“ Eine Anspielung auf den Zeitgeist, der die Generation Internet dazu animiert, junge Männer und Frauen im Netz kennenlernen zu wollen. Und nicht mehr in der Diskothek.

„Natürlich ist das Internet zur Konkurrenz geworden“, sagt Thomas Bette. Er sieht vielschichtige Gründe, warum es der Branche in der Region nicht gerade gut geht. Der demografische Wandel zum Beispiel: In Südwestfalen leben zusehends weniger 18- bis 28-Jährige, Hauptzielgruppe von Discos. Dem Lichtwerk-Chef macht die Landflucht Sorgen, die stetig größere Ausmaße annehme. „Nach dem Abitur sind die jungen Leute weg und kommen nur noch selten an den Wochenenden nach Hause - auch weil die Freizeitkonkurrenz in Städten so groß ist.“

Bette wirkt mit Blick auf die Lichtwerk-Schließung nicht resigniert, und doch nagen erhebliche Behörden-Auflagen an ihm. Ein Stichwort dazu: die Gema-Gebühren. „Ich habe manchmal den Eindruck, dass Diskotheken als Melkkühe gesehen werden.“ Ein anderes Stichwort: Nichtraucherschutz. „Als er eingeführt wurde, hatten wir im Monat Umsatzeinbußen von mehr als 60 Prozent.“

Ein Sterben gibt es nicht

Wolfgang Meyer kann ihm da nur beipflichten: „Das Gesetz hat uns das Genick gebrochen“, sagt der Gastronom, der bis Februar 2014 das „Embassy“ in Meschede betrieben hat - bevor sein Nachfolger Anfang Juni die Disco schließen musste. „Der Verdienst wurde nach und nach weniger“, beschreibt Meyer sein Dilemma. Auch weil die Zielgruppe jünger geworden ist. „Früher kamen die 30-Jährigen, heute sind es die 18- bis 20-Jährigen, denen das Geld nicht so locker sitzt.“

Die Zeiten für „Zappelbuden“ sind schwieriger geworden, aber von einem generellen Diskotheken-Sterben will man beim Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) nichts wissen. „Ein solches Sterben gibt es nicht“, sagt Geschäftsführer Stephan Büttner. Allerdings: „Die Club- und Diskothekenszene befindet sich im Wandel.“

Natürlich hätten sich die Rahmenbedingungen verändert, meint der Rechtsanwalt und zählt auf: der demografische Wandel („Die Zielgruppe schrumpft“), das veränderte Ausgehverhalten („Viele bleiben zu Hause, surfen im Internet, lernen dort einen Partner kennen“), das attraktive Angebot an Szenegastronomie, das Nichtraucherschutzgesetz („Betriebe ohne attraktiven Außenbereich haben einen Wettbewerbsnachteil“), hohe laufende Kosten für Pacht, Strom und Gema-Gebühren sowie „weitere bürokratische und kostenträchtige Belastungen“ wie z. B. der Mindestlohn oder das „antiquierte“ Arbeitszeitgesetz („Es treibt die Personalkosten in die Höhe, bzw. macht die Suche nach Mitarbeitern fast unmöglich“).

Marktbereinigung findet statt

Die Zahl der Discos geht zurück - Büttner hält dies nicht für bedenklich: „Der Wandel geht mit einer Marktbereinigung einher, die der Branche gut tut - weil das Angebot an Clubs und Diskotheken in einigen Regionen vermutlich zu groß ist.“

Büttner will nicht schwarz sehen. In den vergangenen 50 Jahren habe man sich immer mal wieder in schwierigem Fahrwasser befunden. Man müsse jetzt eben kon­zeptionell gegensteuern. Weil Diskotheken nach wie vor eine Existenzberechtigung haben: „Sie sind aus dem Freizeitleben junger Leute einfach nicht wegzudenken.“