Wanderfalke und Schwarzstorch sind in Gefahr

Andreas Welzel sorgt sich auch um die Brutgebiete im Nahmer- und Nimmertal.
Andreas Welzel sorgt sich auch um die Brutgebiete im Nahmer- und Nimmertal.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Werden die rund um Hagen geplanten Windräder zu Todesfallen für den Wanderfalken oder für den Schwarzstorch? Das fragt der anerkannte heimische Ornithologe Andreas Welzel, Autor des Buches „Brutvögel Hagens“.

Der Schwarzstorch, der auf der Roten Liste steht, ist vor Jahrzehnten aus dieser Region verschwunden. Seit wenigen Jahren ist er als Brutvogel ins Nimmertal zurückgekehrt. „Versteckt in einem alten Baumbestand hat er einen eigenen Brutplatz gefunden. Sein Schutzradius beträgt 3000 Meter oder drei Kilometer zu seinem Nest. Hier muss deshalb jede Störung durch Windräder vermieden werden“, fordert Welzel.

Es jedoch nicht nur der Schwarzstorch, dem er eine besondere Bedeutung beimisst und der ihm besonders am Herzen liegt. Es ist auch der Wanderfalke. Welzel: „Ein Paar nistet in der Nähe der A 45 im Hagener Süden. Aber speziell dort im Grüngürtel sind weitere Windenergieanlagen geplant. Zwei angedachte Windradstandorte befinden sich in Brutplatznähe bei den Ortschaften Stube, Stollen und Brantenberg. Allgemein ist in den Standortplanungen für den besonders störanfälligen Wanderfalken ein Schutzradius von mindestens 1000 m zwischen Brutplatz und Windrad zu berücksichtigen.“

Für Welzel sind nicht nur die Brutplätze von Wanderfalken und vom Schwarzstorch Ausschlusskriterien für eine Genehmigung von Standorten, sondern auch jene vom Uhu und vom Rotmilan.

Immer wieder Ausnahmeregelungen

Welzel weiter: „Doch leider erwirken Planer und Investoren immer wieder Ausnahmeregelungen. Trotz der vielfach verkündeten Artenvielfalt stehen seltene Tiere auf dem Spiel, einmalige Vogel- und Fledermausarten.“ Die Hohenlimburger und somit die Hagener werden nach seiner Einschätzung diese Arten verlieren, wenn sich die Windradplanungen mit mindestens 15 weiteren zu den bestehenden zehn Anlagen durchsetzen!

Für den erfahrenen Biologen steht fest: „Windenergieanlagen können die heimischen ornithologische Highlights töten: Rotmilane, Falken, Uhus, Schwarzstörche und Fledermäuse werden von den Rotoren zerschnitten oder ihre Lungen werden durch die Druckunterschiede an den Rotorflächen zerrissen.“ Dazu kommen, so der Experte, Vogelarten, die nicht „planungsrelevant“ sind.

Das heißt für ihn: Diese werden erst gar nicht berücksichtigt. Selbst wenn von bedrohten Tierarten nur vereinzelte „erwischt“ werden, kann dieses für seltene Arten das Aus in dieser Region sein. Welzel: „Die Forderung kann deshalb nur lauten: Solche Gebiete sind als Windkraftstandorte tabu!“

Neben diesen ornithologischen Besonderheiten leben speziell im Hagener Süden Menschen, in Einzelhäusern oder kleinen Siedlungen. Diesen wird kein Schutzradius von 1000 Metern zu ihrem Haus gewährt. Im Gegenteil: Die einst geltende Schutzzone von 950 Metern zur nächsten Bebauung soll herabgesetzt werden. „Nun werden einige der bis zu 200 m hohen Windkraftanlagen deutlich unter 500 m zum Haus geplant.“ Hier müssen die Bürger einen Abstand von 280 m ertragen, die Belastung durch Lärm, Infraschall, Rotorbewegung, Schlagschatten, Eiswurf ist somit täglich vorhanden.

Schutzzonen einhalten

Aber nicht nur dort: Auch im Wesselbach- und im Nahmertal sollen die Anwohner ähnliche Negativfaktoren erdulden, wo, wie berichtet, ebenfalls 200 Meter hohe Windräder geplant sind.

Welzels Vorschläge an die Hagener Verwaltung und Politik lauten deshalb: 1. Einhaltung der Schutzzonen ohne Ausnahmeregelungen; 2. Windkraft ja – aber in einem für Menschen verträglichem Abstand zu ihren Häusern.