Wahrnehmung von Verdi und Post geht auseinander

Der Streik bei der Post trifft auch Hagen. Wann Brief, die eingeworfen werden, ankommen, ist offen.
Der Streik bei der Post trifft auch Hagen. Wann Brief, die eingeworfen werden, ankommen, ist offen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Der Streik bei der Post trifft auch Hagen. Arbeitgeber und Gewerkschaft nehmen ihn aber völlig unterschiedlich wahr.

Hagen.. Mitarbeiter der Post sind auch in Hagen in den Streik getreten. Das scheint aber der einzige Nenner zu sein, auf den sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi einigen können. Wie viele Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt haben und wie sich der Streik auswirkt – da gehen die Angaben der Arbeitgeberseite und der Gewerkschaft Verdi weit auseinander.

Während die Post von nur 14 streikenden Kollegen in Hagen spricht, geht Verdi von dem Zehnfachen aus. Nicht nur am Verhandlungstisch liegt man weit auseinander, sondern wohl auch in der Wahrnehmung – oder bei den Informationen, die man offiziell verlautbaren lässt.

Mittwoch Arbeitskampf verschärft

Erstmals zum Streik aufgerufen habe man die Kollegen am Montag, am Mittwoch habe man den Arbeitskampf noch einmal verschärft. Mitarbeiter des Briefverteilzentrums im Lennetal sowie Zusteller sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi im Ausstand.

„Aus unserer Sicht läuft der Streik hervorragend“, so Norbert Weidlich, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Bereich Postdienstleistungen. „Die Streikbereitschaft ist im Raum Hagen sehr groß. Wir sind selbst überrascht, dass sich so viele Kollegen beteiligen.“

Der Organisationsgrad der Kollegen im Bereich Post sei traditionell hoch. So geht Verdi derzeit davon aus, dass im Bereich des Verteilzentrums rund 140 Kollegen und damit 90 Prozent der Belegschaft streiken – mit erheblichen Auswirkungen auf die Zustellung. Die Arbeitgeberseite versuche, so Weidlich, mit Leiharbeitskräften, Beamten und Abrufkräften auf die Arbeitsniederlegungen zu reagieren. „Derzeit kann man von einer gestörten Zustellung sprechen“, erklärt Weidlich weiter, „wir werden den Druck erhöhen und weitere Kollegen zum Arbeitskampf aufrufen. So wird es uns bis Freitag gelingen, dass in Hagen kein Brief mehr zugestellt wird.“ Vorstellbar ist für Verdi auch, die Kollegen im Paketzentrum Lennetal zum Streik aufzurufen.

Post mit anderer Wahrnehmung

Druck? Gestörte Zustellung? Hohe Streikbereitschaft? Post-Pressesprecher Alexander Böhm zeichnet für Hagen ein komplett anderes Bild. „In Hagen scheint die Zustellung zu funktionieren“, sagt er.

Bei nur 14 streikenden Kollegen im Briefverteilzentrum und unter den Postboten sei es zu keinen größeren Problemen gekommen. Die wenigen Streikenden unter den Kollegen, die die Maschinen im Briefverteilzentrum mit Briefen fütterten, würden höchstens dafür sorgen, dass die Arbeitsprozesse langsamer abliefen, aber nicht zum Erliegen kämen.

Briefe würden weiterhin einen Tag nach Einwurf zugestellt. „Sollte der Streik doch noch härter und intensiver werden, können wir uns bei der Infopost etwas Luft bei der Zustellung verschaffen. Da haben wir ein Vier-Tage-Fenster, was die Zustellung angeht“, sagt Alexander Böhm.

Unter den Postboten sind Gewerkschaftsmitglieder, die von ihrem Streikrecht Gebrauch machen können, aber auch Beamte, denen das Streiken untersagt ist.

11 Prozent der Briefe blieben liegen

Am Dienstag konnten bundesweit etwa 11 Prozent der Briefe nicht zugestellt werden. Nach Gewerkschaftsangaben seien rund 8000 Beschäftigte in den Streik getreten. Laut Post seien etwa sieben Millionen Briefe liegen geblieben. Am morgigen Freitag wird es um 9 Uhr eine Verdi-Kundgebung im Volkspark geben.

Gestern hat die Stadtredaktion einen Brief innerhalb von Hagen verschickt. Ob die Zusendung pünktlich angekommen ist, wird sich heute Morgen herausstellen. Wir berichten noch.