Vorsorgevollmacht: Wenn andere entscheiden

Patientenseminar Krankenhaus Elsey
Patientenseminar Krankenhaus Elsey
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Elsey..  Wie selbstbestimmt sind Patienten? Ist jede Operation notwendig? Und was geschieht, wenn man seinen Willen nicht mehr selbst artikulieren kann? Antworten auf diese und auf andere Fragen versucht das Patientenseminar des Krankenhauses Elsey im Rahmen einer 20-teiligen Vortragsreihe „Der mündige Patient“ zu geben.

Paukenschlag zum Auftakt

Der Startschuss erfolgte am Dienstagabend in der Caféteria des Krankenhauses. Es war Paukenschlag zum Auftakt. Weit mehr als 150 Interessierte strömten in den Vortragsraum, um den Worten des Theologen Prof. Dr. Georg Plasger (Uni Siegen) zu lauschen, der sich das Thema „Bin ich für mich selbst verantwortlich? - Chancen und Grenzen der Patientenverfügung in evangelisch-theologischer Perspektive“ auf die Fahnen geschrieben hatte.

Sowohl Dr. Plasger als auch Moderator Dr. Joachim Dehnst, ärztlicher Direktor des Elseyer Krankenhauses und Chefarzt der Chirurgie, waren von der Resonanz überwältigt.

Das Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht traf den Nerv der Bürgerinnen und Bürger. Es geht um weitmehr, als um die plumpe Frage „Maschine an oder aus?“, wie Joachim Dehnst betonte.

„Zwischen diesen beiden Optionen liegt viel Farbe. Wir versuchen, immer nach dem mutmaßlichen Willen des Patienten zu handeln“, versicherte Dehnst. Doch genau darin liegt das Problem. Bei der Vorsorgevollmacht benennt man eine Vertrauensperson, die im Ernstfall die Entscheidung über Behandlungen und Pflegemaßnahmen trifft.

Vorsorgevollmacht ist wichtiger

Bei der Patientenverfügung entscheidet sich der Patient selbst, welche Entscheidungen in welchen Situationen getroffen werden sollen. Ein Thema, das Diskussionsbedarf hervorruft. Denn wenn es um die freie Entscheidung eines mündigen Patienten geht, ist dann nicht die übernommene Fürsorge eine Entmündigung? Was geschieht, wenn man in eine Situation gerät, die ich vorher nicht kalkuliert habe?

Plasger ging vor allem auf die ethisch-theologischen Aspekte ein. „Wir sind nicht hier, um darüber zu urteilen, wann ein Leben wertvoll ist. Und wir müssen uns nicht um jeden Preis an das irdische Leben klammern, denn aus christlicher Perspektive wartet die Ewigkeit“, formulierte der Theologe mit Bezug auf die Thesen von Hartmut Kreß und Ulrich Eibach.

Eine klare Antwort wird letztlich jeder Bürger für sich selbst finden müssen. Gleichwohl gab Plasger zahlreiche wertvolle Denkanstöße und beleuchtete dabei das hochkomplexe Thema aus verschiedenen Sichtweisen. Einzig bei der Frage Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht war ein klarer Tenor erkennbar.

Sowohl Plasger als auch Dr. Joachim Dehnst sprachen letztlich der Vorsorgevollmacht eine größere Bedeutung zu. Denn damit kann im Sinne des Patienten insbesondere bei unvorhersehbaren Situationen, so bei einem Autounfall, besser reagiert werden.