Vom Ölbild bis zur Bleistiftzeichnung ist alles zu sehen

Hagen..  Es wird ein Querschnitt zu ­sehen sein, insgesamt 45 Werke von der Früh- bis zur Spätphase, vom Ölbild bis zur Bleistiftzeichnung. „Eine richtig schöne Werkschau“, schwärmt Petra Holtmann, die die Ruth-Eckstein-Ausstellung in ihrer jüngst eingeweihten Ardenku-Galerie am Höing präsentiert.

„Abstraktion, Komposition, Figuration“, so lautet der Titel der Ausstellung, die am Samstag eröffnet wird. Zu sehen sind Klein- und Großformate, Collagen und eindrucksvolle Acryl-auf-Nessel-Wandbilder, die Hans Eckstein, Neffe und einer der Nachlassverwalter der Familie Eckstein, Petra Holtmann zu Ausstellungs- und Verkaufszwecken zur Verfügung gestellt hat.

Der Anlass ist eindeutig: Am Tag der Vernissage, am 10. Januar 2015, wäre Ruth Eckstein 95 Jahre alt geworden. „Die Künstlerin – unverheiratet, kinderlos – die fast nur für die Arbeit, also für ihre Kunst, gelebt hat, ist am 13. August 1997 gestorben“, so Petra Holtmann, die eine erklärte Ruth-Eckstein-Anhängerin ist. „Sie war Zeit ihres Lebens eine zurückhaltende, bescheidene Frau, die nie für sich und ihre Arbeit getrommelt und geworben hat. Vielleicht hat sie daher als Künstlerin auch nie den Stellenwert bekommen, den sie im Grunde verdient hätte“, mutmaßt die Galeristin.

Ruth Eckstein ist dem Figürlichen stets treu geblieben, „der menschliche Körper war ihr liebstes Motiv“, so Holtmann. Während frühe Arbeiten aus den 40er/50er Jahren noch ein wenig verschult und kontrolliert wirkten, hat sich Ruth Eckstein in den späteren Jahren befreit, hat sich – wie so viele Künstler – dem Abstrakten immer mehr zugewandt. Aus einzelnen Menschen wurden schemenhafte Figurengruppen.

Ruth Eckstein wurde 1920 in Wetter geboren, lebte dann aber in Hagen. Sie war jüdischer Abstammung, die Tochter des Stadtarchitekten ­Alfred Eckstein, der u.a. die frühere Hagener Stadthalle mitentworfen und die Hallenschulen in Oberhagen und Altenhagen geplant hatte. Die Familie musste vor den Nazis fliehen; Ruth Eckstein musste in der Industrie zwangsarbeiten und war 1945 im KZ Theresienstadt interniert. „Daher begann sie auch erst mit 27 Jahren ihr Kunststudium in Stuttgart“, erläutert Hans Eckstein.

Ruth Eckstein war Meisterschülerin und Muse des bekannten Malers und Grafikers Willi Baumeister, sie war in der Hagener Künstlerszene gut vernetzt, mit der Bildhauerin Eva Niestrath eng befreundet, und ihr Atelier befand sich über Jahrzehnte im Sperberweg.

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