Vom Ackerland zur Freizeitoase

Die Vorsitzenden Karlheinz Adrian (r.)  und Stefan Sander am Leuchtturm am See.
Die Vorsitzenden Karlheinz Adrian (r.) und Stefan Sander am Leuchtturm am See.
Foto: WR

Hagen.. „Guten Morgen. Wie geht’s.“ „Hallo ihr beiden!“ Beim Gang mit dem Vereinsvorsitzenden Karlheinz Adrian und seinem Stellvertreter Stefan Sander über „ihren“ Campingplatz am Harkortsee werden freundliche Begrüßungen ausgetauscht. Einige Wohnwagenbewohner sind schon bei der Gartenarbeit, andere lassen den Tag auf der Terrasse oder im Vorgarten gemächlicher angehen.

So wie Margit Fahl und ihre Freundin Barbara Bruckner. Natürlich sind die beiden Damen neugierig geworden, als der Vorstand vor ihrer Parzelle entlangschreitet und mit uns über vergangene Camperzeiten aber auch über Zukunftsprobleme plaudert. 40 Jahre gibt es im kommenden Monat den Wassersport- und Campingverein Hagen e.V. an diesem wunderschönen Ort. „So sah es hier nicht immer aus. In den Jahren haben wir es uns hier richtig schön gemacht“, greift Margit Fahl fröhlich ins Gespräch ein. Denn die Wittenerin war mit ihrem Mann eine der ersten, die damals nicht den Wohnwagen, sondern noch ein Zelt auf dem Acker von Bauer Rüsing aufstellten.

Aller Anfang ist schwer

„Ich weiß das noch wie heute. Die Bäuerin hat gefragt, wie groß die Parzelle denn sein soll und ist ein Stück abgeschritten. Dann wurden ein paar Pinne in die Erde gerammt und die Kinder haben angefangen, die Steine aufzusammeln.“ Zu dieser Zeit, darüber ist man sich am Gartenzaun vor dem idyllischen Goldfischteich von Margit Fahl schnell einig, herrschte noch echte Camperidylle. Es gab kein fließend Wasser, keinen Strom und auch keinen Kanalanschluss. „Was haben wir hier Wasser angeschleppt. Die Kanister im Auto waren oft so schwer, dass auf den holprigen Wegen die Stoßdämpfer versagten“, erinnert sich Margit Fahl.

„Wer Licht haben wollte, der musste Gaslaternen aufstellen oder es wurden Lkw-Batterien angeklemmt. Die waren aber immer viel zu schnell wieder leer“, weiß Karlheinz Adrian. Was die Camper aber auch damals nicht von nächtlichen Feiern abhielt. Ob es dabei so wild zuging, wie es der Name der Platzkneipe „Zum wilden Heinrich“ erahnen lässt, lassen sich die Camper nicht entlocken. Nur soviel: „Unser Weinkeller war unter der Bühne. Da war es schön kühl.“

Arbeit für die Gemeinschaft gehört zum Camperleben

Seither wurde aber nicht nur gefeiert, sondern auch viel geschuftet. Und das nicht nur auf den mittlerweile 120 Parzellen, die laut Platzordnung sauber und in Ordnung gehalten werden müssen, sondern in der gesamten Anlage. Strom kommt aus der Steckdose und das Wasser aus dem Hahn und natürlich sind die Toiletten auch an den städtischen Kanal angeschlossen. Erst kürzlich wurde für die Kinder ein großer Spielplatz hergerichtet und im Vereinszelt auf der Veranstaltungswiese wird gut und gerne geifert.

Natürlich auch das Jubiläum vom 22. bis zum 24. Juni. „Da gibt es an allen Tagen lecker was auf die Gabel. Zum Beispiel mache ich für die Camper und die Gäste eine Grillpfanne. Ich hab mal Koch gelernt“, freut sich Stefan Sander schon auf das Großereignis mit Tombola, Cocktailbar, Ponyreiten und vielen weiteren Überraschungen. Was den Mann am Herd aber nicht davon abhält, sich am Wochenende bei Landwirt Rüsing einen Frontlader auszuleihen, um die vielen Schlaglöcher im Zufahrtsweg zu füllen.

Eine starke Gemeinschaft macht sogar Diebe Dingfest

Überhaupt bekommt man bei den Campern den Eindruck, dass hier alles Hand in Hand geht und selbst gemacht wird. Sogar Diebe fangen. „Früher wurde hier oft eingebrochen. Da haben wir uns auf die Lauer gelegt und den Einbrecher bis nach Hause verfolgt. Im Keller lag dann das ganze Diebesgut“, muss Stefan Sander noch heute schmunzeln. Dass jedes Vereinsmitglied zur Erhaltung des Platzes etwas beitragen muss, ist selbstverständlich. Nur: „Die Älteren sind schneller bei der Arbeit, bei den Jüngeren muss man als Vorstand schon mal deutlicher werden“, nimmt Karlheinz Adrian seine Aufgabe ernst. Denn die Belegung der Parzellen ist altersmäßig durchaus gemischt und widerspricht der Annahme, die Dauercamper vom Harkortsee würden dort ihren Lebensabend verbringen.

„Unsere älteste Camperin ist 90, der jüngste 11 ½, dazwischen gibt es alles. Wir haben hier auch viele jüngere Familien, die ihren Wohnwagen zwar hier abstellen, aber damit auch in den Ferien in den Urlaub fahren“, erzählt der zweite Vorsitzende, vor dessen Parzelle wir jetzt stehen. Ehefrau Gabi wartet schon und mit ihr warten die beiden Westhighland-Terrier Chila und Cheyenne. „Die müssen heute noch zum Friseur“, weist Gabi Sander ihren Mann auf den Termin hin.

Vereinschronik erzählt von vergangenen Tagen

Der nimmt’s gelassen und erzählt lieber noch etwas über das anstehende Jubiläum. Sogar eine Vereinschronik hat der Vorstand zusammengestellt, aus der hervorgeht, dass Wasser- und anderer Sport bei den Campern nicht zu kurz kommt. Die Segelabteilung hat einen eigenen Platz für ihre Boote, ein Fußballplatz wurde angelegt und ein Basketballkorb soll folgen. Natürlich alles in Eigenarbeit. Und das, obwohl zum 40. Geburtstag nicht nur eitel Sonnenschein auf die Camper fällt. Darauf weist ein Satz im Jubiläumsheft ganz besonders deutlich hin: „Wenn auch die Stadt Hagen immer wieder durch irgendwelche Planungen für Unruhe bei uns sorgt, lassen wir uns nicht verunsichern.“

Aktuell ist damit ein neuer Weg gemeint, der entlang des Ufers gebaut werden soll. Dafür müssten zahlreiche Parzellen weichen, die idyllische Atmosphäre direkt am See würde verloren gehen. „Wir halten hier alles in Ordnung und beschneiden sogar das Grün auf den extra angelegten Schutzinseln vor unserem Platz. Die Tiere können hier in Ruhe brüten und ihre Jungen großziehen. Das würde verloren gehen, wenn hier ein öffentlicher Weg herführt“, kritisiert Stefan Sander die Planung. Man könnte den Weg ja auch oberhalb des Platzes vorbeiführen. Von dort haben Spaziergänger oder Radfahrer dann einen herrlichen Blick auf den See und auf Wetter.“

Apropos Blick: Den richten die Hagener Camper jetzt erst einmal auf die Geburtstagsparty und auf einen hoffentlich schönen Sommer. Denn obwohl in den modernen Wagen heute Komfort und Heizung nicht fehlen, findet das Camperleben doch nach wie vor unter freiem Himmel und über den Gartenzaun hinweg statt. Eine lebendige Gemeinschaft eben, die sich am Jubiläumswochenende auch auf Gäste außerhalb des Platzes freut