Verschätzt

Ein neues Jahr hat begonnen – eines, in dem wir unwiderruflich alle auch wieder ein Jahr älter werden. Na ja, man ist ja auch nur so alt wie man sich fühlt. Oder wie andere einen einschätzen. Bei mir unterliegt das durchaus Wellenbewegungen. Nehmen wir mal die Phase der frühen Jugend so mit 14, 15 Jahren. Illegalerweise hatten wir damals hin und wieder versucht, in der Kneipe oder im Geschäft ein Bierchen zu kaufen.


Nun hatte ich dabei aber ohnehin eher mäßigen Erfolg. Während meine Kumpels bei gutgläubigen Wirten und Verkäufern schon als 16-Jährige durchgingen, half mir noch nicht einmal der gefälschte Schülerausweis. Ich sah viel zu jung aus. Später dann das Gegenteil: Als so mit Ende zwanzig die Zeit begann, in der man gerne auch mal ein paar Jahre jünger geschätzt wird, um die Jugend zu erhalten, wurde ich gerne mal ein paar Jahre älter geschätzt – der mangelnde Haarwuchs mag da eine Rolle gespielt haben. Heute bin ich quasi bei mir selbst angekommen. Ich werde korrekt auf um die 40 Jahre geschätzt.


Warum ich mich daran erinnere? Weil es hoffentlich kein Familienschicksal wird. Da gehe ich vor ein paar Tagen mit meiner dreijährigen (!) Tochter zum Riesenrad auf den Weihnachtsmarkt. Bezahlen musste ich für sie ohnehin, ab zwölf Jahren galten aber höhere Preise. Kritisch musterte der Kassen-Mann die Kleine auf meinem Arm : „Wie alt ist die Kleine denn?“ Na, ganz knapp an zwölf Jahren vorbei...