Verrücktes Huhn lebt in der Wohnung

Schwerte..  Nur nicht mit dem Schnabel die Barthaare putzen. Diese Geste der Zuneigung wäre Andreas Woelm doch ein wenig unangenehm, wenn sich Mösi zum Kuscheln auf seine Brust setzt.

Kaum hat es sich der Friseurmeister am Abend auf seiner Couch bequem gemacht, kommt sein schwarzgefiedertes Super-Huhn angehüpft.

Wie Mösi vom Hühnerhof in die Wohnung gelangt ist? Einfach ein kleiner Satz durch die Katzenklappe in der Terrassentür. Die großen Perserkatzen Lavinia und Michel sind nur staunende Zuschauer – und Konkurrenten um die Streicheleinheiten, die Mösi besonders an ihren Kehllappen liebt.

Ei im Katzenkörbchen

„Sie lebt mit einer Selbstverständlichkeit hier“, staunt Andreas Woelm, der sich seit Kindertagen für die Kleintierzucht begeistert. Aber so ein verrücktes Huhn hat er noch nie im Stall gehabt. Wenn er Mösi morgens herauslässt, führt ihr erster Weg ebenfalls direkt ins Haus. Gackernd legt sie ihrem Herrchen ein Frühstücksei – ins Katzenkörbchen. Energisch wird die Henne nur, wenn die Katzenklappe verschlossen ist.

„Dann klopft sie ans Schlafzimmerfenster“, berichtet Woelm. Erst mit dem Schnabel, dann ungeduldig mit einem Hühnerbein. Um Polster und Teppiche braucht sich Woelm nicht zu sorgen. „Das Einmalige ist, dass Mösi stubenrein ist und ihr Geschäft draußen verrichtet“, berichtet er.

Ihren Namen trägt sie übrigens nach einem Herrn Möser, der Woelm vor einem Jahr zehn Eier der seltenen Rasse „Westfälische Grünleger“ zum Ausbrüten brachte. Eigentlich sollten sie eine Überraschung für dessen Enkelkinder werden. Doch nur aus zwei der grünlich schimmernden Schalen schlüpften nach 21 Tagen in der Brutstation Küken. Ein weißes und ein schwarzes, die Woelm mit einem Aufzuchtfutter nach eigenem Rezept sowie Mehlwürmern und Pinkymaden aufpäppeln wollte.

„Nach drei Tagen wurde ich in der Nacht von dem Piepsen eines Kükens geweckt“, erzählt der Züchter. Das gelbe Küken, von Anfang an nicht so richtig vital, lag tot im Stall. Sein schwarzes Geschwisterchen beruhigte sich erst, als es in die Hand genommen wurde: „Da kuschelte es sich ein und schlief.“ Nur für Woelm war in dieser sitzenden Haltung an Schlaf nicht zu denken. Also machte er einen uralten Teddybären zur Ersatzmutter.

Mösi nahm das Angebot dankend an, kuschelte sich unter den Bauch des Plüschtiers. „Als das Küken größer wurde, kuschelte es sich an die Seite des Teddys, danach saß es auf ihm drauf“, berichtet Woelm. Später zog es in einen Kaninchenkäfig um, dann in den Hühnerstall. Spielgefährten waren die Katzen, denen Mösi mit Vorliebe das Futter stibitzte.

Nachwuchs

In der Aufzuchtstation tummeln sich derweil schon die ersten flauschigen Kinder von Mösi. Da sie gemeinsam mit einer ganzen Kükenschar aufwachsen, werden sie aber wohl nicht so sehr durch Züchter und Katzen geprägt werden wie ihre Mutter.

Die flattert gern auch mal auf den ausgestreckten Arm ihres Züchters. Wie der Habicht eines Falkners. „Nur dass ich keinen Handschuh brauche“, sagt Woelm lächelnd. Die Krallen bohren sich nicht in die Haut.