Verhältnis zur SPD ist gefühlt besser geworden

Die drei Parteien, die Sie bei der Oberbürgermeisterwahl unterstützt haben (CDU, Grüne, FDP), haben als „Allianz der Vernunft“ keine Mehrheit im Rat. Können Sie sich darauf wirklich verlassen? Oder wäre nicht ein Bündnis der Großen aus CDU und ihrer ehemaligen Partei, der SPD, für Sie wünschenswerter?

Zunächst einmal bin ich von gut 62 Prozent der Wähler als Oberbürgermeister gewählt worden. Ich habe mein Mandat also nicht vom Rat, sondern direkt von den Bürgern erhalten. Ich sehe mich als Oberbürgermeister aller Hagener. Ob die mich gewählt haben oder nicht. Dass die Parteien, die mich im Wahlkampf unterstützt haben, keine eigene Mehrheit haben, ist kein Geheimnis. Aber die Situation gibt es auch in vielen anderen Städten in NRW. Das Modell ist anstrengend. Natürlich gibt es Punkte, bei denen ich mich mit meinen inhaltlichen Vorstellungen gerne durchgesetzt hätte. Nehmen Sie etwa das Wasserwerk Hengstey. Meiner festen Überzeugung nach wäre hier aus wirtschaftlicher Sicht die Lösung mit einem Wasserbezug aus Westhofen richtig gewesen, weil das die Enervie vor enormen Investitionen bewahrt hätte – bei gleichzeitiger Stabilität des Wasserpreises. Auch die letztlich gescheiterte Sportstättennutzungsgebühr habe ich für richtig gehalten.

Die Stimmung im Rat ist oft schlecht. Ihre ehemaligen Genossen von der SPD fordern von Ihnen ein, dass Sie Ihre Rolle als Moderator endlich annehmen müssten.

Moderation geht nur, wenn Menschen auch mitmachen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass ich alle Fraktionen im Rat umfassend über alles informiere. Aber natürlich sehe ich Moderation als meine Aufgabe. Nicht umsonst habe ich vor Weihnachten eine bessere Zusammenarbeit im Rat angemahnt.

Ist ihr Verhältnis zu ihrer früheren Partei, der SPD, im ersten Jahr ihrer Amtszeit besser geworden?

Schwer zu sagen. Ich habe das Gefühl, dass es besser geworden ist. Ohnehin habe ich zum größten Teil der Mitglieder der SPD-Fraktion ein gutes Verhältnis. Bei anderen ist es sicher noch nicht der Fall. Aber zu einem guten Verhältnis gehören noch immer zwei.