"Veränderung als Chance begreifen"
15.01.2010 | 10:26 Uhr 2010-01-15T10:26:00+0100
Hagen. Das Dekanat Hagen-Witten steht vor einschneidenden Veränderungen. Künftig wird es sich in vier pastorale Räume gliedern.
Drei davon (Arbeitstitel „Links und rechts der Ruhr”, „Hagen Mitte-West” und „Hagen Süd-Ost”) befinden sich ganz oder teilweise auf Hagener Gebiet. Verbunden sei mit den Strukturveränderungen, die bis 2015 umgesetzt werden, ein pastoral-geistlicher Aufbruch.
Demographische Entwicklung, Säkularisierung, wegbrechende Kirchensteuern, dazu immer weniger Geistliche - all das zwingt Bistum und letztlich das Dekanat zum Handeln. „Im Bistum”, so der stellvertretende Dechant Michael Kirmes, „hat es 2009 nur drei Priesterweihen gegeben.” Zehnmal mehr Geistliche seien in den Ruhestand verabschiedet worden. Eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet und deren Ende nicht in Sicht ist.
Aus der Not heraus geboren
Die Veränderungen, daran lassen auch die für das Dekanat Verantwortlichen keinen Zweifel, seien natürlich aus der Not heraus geboren. „Und trotzdem”, sagt Dieter Osthus, „sehe ich darin auch eine große Chance. Einher mit den Änderungen geht eine viel größere Anerkennung des Ehrenamtes. Das ist ein Paradigmenwechsel in der Seelsorge. Früher hatte jede Gemeinde einen Patriarchen. Heute sind alle Getauften gefordert.”
Die strukturellen Änderungen, die das Bistum umgesetzt sehen will, gehen zurück auf eine Diskussion vor fünf Jahren, als die jetzigen Pastoralverbünde festgezurrt wurden. „Die Vorstellungen aus Paderborn sind in den Gemeinden besprochen worden”, so Michael Kirmes. Im Ergebnis bilden spätestens in fünf Jahren die Gemeinden Christkönig, St. Johannes Baptist, St. Antonius sowie St. Andreas im Norden eine Einheit mit Gemeinden in Herdecke und Wetter. Im Westen und in Mitte werden St. Petrus Canisius, St. Josef, St. Meinolf, Liebfrauen, St. Marien, Herz Jesu, St. Bonifatius, St. Konrad sowie St. Michael zusammengefasst. Im Süden und Osten sind das St. Elisabeth, Heilig Geist, Heilig Kreuz und St. Bonifatius. Jeder dieser pastoralen Räume wird von einem Geistlichen geleitet, der - weil neben Priestern und Gemeindereferenten auch installierte Pfarrer mit Versetzungen innerhalb des Bistums rechnen müssen - nicht der jetzige Inhaber der Pfarrstelle sein muss. Sitze der Leitungen sind in St. Johannes Baptist in Boele, in St. Marien in der Innenstadt sowie in St. Elisabeth im Klosterviertel.
Kritik aus Hohenlimburg
Vor allem die letzte Entscheidung von Erzbischof Becker hat für Diskussionen gesorgt. Übergangen fühlen sich die Hohenlimburger Katholiken, die angesichts der Anzahl von 6500 Gemeindegliedern in St. Bonifatius die Leitung für sich beanspruchen. Auch die räumliche Nähe der Leitungen in St. Marien und St. Elisabeth stört.
„Mich persönlich hätte nicht gestört, wenn St. Bonifatius Sitz der Leitung geworden wäre”, so Osthus. Und Michael Kirmes, Pfarrer in St. Elisabeth, stimmt zu. „Aber der Bischof hat anders entschieden und dafür Gründe. Die Strukturdebatte ist aber beendet. Die zentrale Frage muss lauten, wie wir das Pastorale auf Basis unserer Zeit auf den Weg bringen. Im ökumenischen Kontext müssen wir uns auf unsere Kernaufgaben konzentrieren. Sonst laufen uns die Leute weiter davon.”
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