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Varta formiert sich neu und gründet Holding

09.11.2012 | 18:29 Uhr
Varta formiert sich neu und gründet Holding
Das Werk Hagen der Firma HawkerFoto: Petra Kairies

Hagen.   Das Traditionsunternehmen Varta, das viele Jahre das Hagener Stadtbild prägte, will von der Energiewende profitieren und sieht die Energiespeicherung als Wachstumsbranche. Nun formiert sich das Unternehmen neu.

Es gibt Unternehmen, die in einer Stadt selbst dann ein Begriff bleiben, wenn ihre Spuren fast verwischt sind. So wird die Stadt Hagen auch weiterhin mit dem Namen des Batterieherstellers Varta verbunden sein, obwohl auf dem riesigen Gelände an der Bundesstraße 7 nichts mehr auf ihn hinweist. 1888 war der Vorläufer, die Akkumulatorenfabrik AG, kurz AFA, hier gegründet worden.

Angesiedelt hat sich dort heute mit der Firma Hawker - in kleinerem Maßstab - ein weiterer Batterieproduzent, der mit der Herstellung von Stromspeichern für Gabelstapler und Hubwagen für den Einzelhandel nichts mehr mit dem Vorgänger zu tun hat.

Schillernder Name

Varta ist ein schillernder Name seit dem deutschen Kaiserreich, ein mit der heute noch aktiven Industriellenfamilie Quandt (BMW, Altana) verbundenes Stück Industriegeschichte. Auch nach der Zerschlagung und dem Verkauf der operativen Einheiten bis 2002 blieb ein Kern erhalten, der unter anderem mit Immobilienbesitz und dem Verkauf der Markenrechte - Varta ist auch heute noch eine starke Marke - viel Geld verdient hat. Die Sparten Autobatterien und Handelsbatterien gingen an US-Unternehmen.

Rätselraten in der Branche

Deshalb dürfte es nicht nur Hagener interessieren, dass das Unternehmen im Oktober eine neue Dachgesellschaft gegründet hat - die Varta Holding AG. Darunter firmieren die Varta Microbattery GmbH, die Varta Storage GmbH sowie ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Autohersteller Volkswagen zur Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien. Seither rätselt die Branche, ob Varta einen Neuaufbau der Produktion plant oder gar einen Rückkauf bereits veräußerter Sparten.

Dass das Unternehmen nach Hagen zurückkehrt, dem früher nach Hannover zweitwichtigsten Standort, gilt als unwahrscheinlich. „Hier besitzt Varta keine Flächen mehr“, sagt ein Branchenkenner. Und tatsächlich sitzen auf dem alten Varta-Gelände heute die Unternehmen Invensys jenseits der Ennepe und die Hawker-Muttergesellschaft Enersys diesseits der Ennepe.

Varta-Entwicklungszentrum

Als wahrscheinlicher gilt die Konzentration auf das schwäbische Ellwangen, das alte Varta-Entwicklungszentrum. Dort wurde bei der Feier des 125-jährigen Bestehens des Unternehmens am 25. Oktober ein neues Werk zur Herstellung von Hörgerätebatterien eröffnet - Hörgeräte gelten ebenso wie Elektrofahrräder als Zukunftsmärkte in einer alternden Gesellschaft, die Varta gern nutzen möchte. Die neue Varta sei ein wichtiger Schritt, um sich in den künftigen Wachstumsmärkten wie der Zwischenspeicherung von Energie als Markt- und Innovationsführer zu positionieren, sagte der Chef der neuen Holding, Herbert Schein. Welche Firmen er sich noch unter dem Dach der Varta-Holding vorstellen könnte, sagte er nicht.

Der starke Mann ist ein Österreicher

Als starker Mann bei der Varta Holding gilt ein Österreicher. Der Industrielle Michael Tojner ist Mehrheitseigentümer und Verwaltungsratspräsident der Montana Tech Components AG mit Sitz in der Schweiz und führt den Aufsichtsrat der Varta Holding. Ihn interessieren vor allem Wachstumsfelder wie die Energiespeicherung. Wie es scheint, könnte die Energiewende Unternehmen wie Varta noch zu neuer Blüte verhelfen.

Stefan Pohl



Kommentare
12.11.2012
10:22
Fakten statt Hofberichterstattung IV
von degree37celsius | #4

Einige Wehringhauser könnten sich vielleicht noch an das Engagement der Anti PseudoKrupp-Initiative erinnern, welcher es dann endlich gelang, die VARTA zu bewegen, ihre vorherige komplette Verweigerungshaltung doch noch zu revidieren und längst überfällige Filteranlagen in ihre Schornsteine einzubauen, statt weiterhin bedenkenlos auf Kosten der Gesundheit der Menschen zu wirtschaften.

Welche Schadstoffe von VARTA ins Abwasser bzw. in die Ennepe eingeleitet wurden, war nicht mal untersucht worden.

12.11.2012
08:30
Fakten statt Hofberichterstattung III
von degree37celsius | #3

So gelang es Quandt und seiner Familie, sich mit Hilfe des durch die Kriegswirren geretteten und zu großen Teilen aufgrund der fragwürdigen Zusammenarbeit mit dem NS-Regime erlangten Vermögens einen wirtschaftlichen Vorsprung zu sichern, der den Quandts im Laufe des Wirtschaftswunders rasch eine führende Rolle in der deutschen Nachkriegswirtschaft einbrachte.

12.11.2012
08:29
Fakten statt Hofberichterstattung II
von degree37celsius | #2

Die Akkumulatoren der AFA dienten unter anderem U-Booten und Raketen als Antrieb; die Textilbetriebe lieferten – wie schon im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – die Uniformen und Decken der Wehrmacht; andere Quandtsche Unternehmen stellten Waffen und Munition her. Neuere historische Recherchen belegen, dass Quandt die Tätigkeiten seiner Firmen im Laufe des Krieges wissentlich durch den Einsatz von Zwangsarbeitern aufrechterhielt. Das geschah unter anderem durch die von der AFA betriebenen, firmeneigenen Konzentrations- und Arbeitslager, in denen die Zwangsarbeiter von SS-Mannschaften bewacht wurden. Belastende Dokumente über Günther Quandts Aktivitäten im Dritten Reich hielten die Briten allerdings zurück und leiteten sie nicht an die amerikanische Anklagebehörde weiter. Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurde deshalb trotz anfänglicher Ermittlungen keine Anklage gegen ihn erhoben.

12.11.2012
08:24
Fakten statt Hofberichterstattung I
von degree37celsius | #1

Die VARTA-Alteigentümer, Milliardärsfamilie Quandt, hat sich an den Kosten der Beseitigung der in Hagen hinterlassenen hochtoxischen Altlast nicht beteiligt. Diese trägt jetzt allein der Steuerzahler im Rahmen der Flächenversiegelung am Rande der Bahnhofshinterfahrung.

Gewinne wurden privatisiert, die Folgeschäden sozialisiert.

Und wie gelangte die Familie Quandt zu ihrem Vermögen? Günther Quandt war Heereslieferant im 1. und 2. Weltkrieg, vom NS-Staat enteignete Konkurrenzunternehmen jüdischer Eigentümer konnten von Quandt günstig übernommen werden (Arisierungsgewinnler). Besonders bekannt ist in diesem Zusammenhang der Fall der Batterienfabrik des Luxemburger Unternehmers Léon Laval, dessen Unternehmen Quandt nach der Eroberung des Landes mit Unterstützung der Gestapo übernahm, die den Eigentümer durch Verhöre zu zwingen versuchte, seine Aktien an Quandt zu verkaufen. Nach seiner standhaften Weigerung wurde Laval in einem Konzentrationslager inhaftiert.

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