Untreuefall: Stadt soll 400 000 Euro abschreiben

Dortmund..  Herber Dämpfer für die Stadt Dortmund: Nach dem Untreue-Skandal in der Hombrucher Bezirksverwaltungsstelle hat das Arbeitsgericht die verdächtige Angestellte lediglich zur Zahlung von 225 504,78 Euro Schadenersatz verurteilt.

Sollte die Entscheidung rechtskräftig werden, müsste die Stadt mehr als 400 000 Euro abschreiben. Alle Taten vor 2010 erklärte das Arbeitsgericht für verjährt, die Ansprüche entsprechend für verfallen.

Hätte die Stadt auch dieses Geld bekommen wollen, hätte sie nachweisen müssen, dass sie dermaßen raffiniert getäuscht wurde, sodass sie keine echte Möglichkeit hatte, die Untreue-Handlungen früher zu entdecken. Dieser Nachweis ist in den Augen der Richter aber nicht gelungen.

Das Arbeitsgericht spricht der Stadt Dortmund vielmehr eine Art Mitschuld an dem Skandal zu. Die Kontrollen der Konten der Bezirksverwaltungsstelle hätten „intensiver und genauer“ sein können, so die Vorsitzende Monika Geller. Mit anderen Worten: Hätten die Rechnungsprüfer schon früher mal richtig hingeschaut, wäre ihnen aufgefallen, dass da jemand Geld veruntreut.

Es gilt als sicher, dass das Urteil des Arbeitsgerichts nicht das letzte Wort gewesen ist. Beide Seiten werden Berufung einlegen. Auch die verdächtige Ex-Stadtangestellte kann mit der Entscheidung nicht zufrieden sein.

Die Frau hält sich weiterhin für absolut unschuldig. Jetzt erschien sie sogar erstmals persönlich in einem Gerichtssaal, um für ihren Ruf zu kämpfen. Fast weinend sagte sie: „Das Ganze ist ein Alptraum für mich. Ich habe nie auch nur einen Cent weggenommen.“

Auffällige Bareinzahlungen

Wenn tatsächlich Geld verschwunden sei, müssten einer oder mehrere ihrer Kollegen dafür verantwortlich sein. Sie könne sich nur vorwerfen, nicht genau genug hingeschaut zu haben. Obwohl: „Wir waren doch wie eine große Familie. Jeder hat dem anderen vertraut.“

Die Richter überzeugte dies nicht. Mehrere auffällige Bareinzahlungen auf dem Privatkonto der Frau seien ein gewichtiges Indiz für ihre Schuld. Außerdem sei sie die einzige gewesen, die an allen Tagen, an denen Geld veruntreut wurde, Dienst hatte.