Unter sechs Metern wird geschossen

Ulrich Bräuer.
Ulrich Bräuer.
Foto: Boris Schopper
Was wir bereits wissen
Wieso hat man dem Täter nicht ins Bein geschossen, anstatt ihn zu erschießen? Ulrich Bräuer ist Schießausbilder bei der Hagener Polizei und gibt Antworten.

Hagen.. Bräuer macht deutlich, warum die Polizistin richtig gehandelt hat: „Kommt ein Täter mit Messer dem Polizisten näher als sechs Meter und wurde er vorher deutlich angesprochen, das Messer niederzulegen, dann müssen Polizisten handeln wie sie es gelernt haben.“ Das heißt: Es wird geschossen. „Und zwar auf den Rumpf, also die größtmögliche Fläche des Körpers. Die Frage, ob man nicht in ein Bein oder auf den Arm schießt, kann sich in dieser extremen und nahen Situation zwischen Täter und Polizist nicht stellen. In der Distanz unter sechs Metern könnte sich der Polizist nicht mehr gegen einen Messer-Angreifer verteidigen. Zumal die Kollegin in diesem Fall auch noch mit einer längeren Machete bedroht wurde.“

Polizisten seien zum einen durch ihre Übungen im Schießstand auf die Abstandslänge von sechs Metern trainiert und könnten sich zudem an den Längen von Autos im Umfeld orientieren.

Ist ein gefährlicher Täter beispielsweise 12 oder 15 Meter entfernt, sei es das Ziel, ihn handlungsunfähig zu schießen mit Treffern in Arme oder Beine. Trotzdem könne es auch dabei zu Situationen kommen, in denen ein Schuss in den Rumpf erfolge. Es ist laut Bräuer nicht üblich, Warnschüsse abzugeben, auch wenn das in der Öffentlichkeit oftmals angenommen werde. Viermal im Jahr jeweils eine Stunde müssen Polizisten zum Üben in den Schießstand. Die Walther P 99, eine 9-Millimeter-Pistole, ist die Dienstwaffe der Hagener Polizei.