Unrechtsbewusstsein gibt es nicht

Brücken-Baustelle. Wir, mein Mann und ich, haben uns über den Zwischenbescheid in Sachen Brücke gefreut. Natürlich nervt auch uns die Brückensperrung und kostet auch uns Zeit und Geld. Aber die Arbeiten sind im Zeitplan, wie schön!


Der letzte Absatz entspricht wirklich den Tatsachen: Bei Feierabend schließen die Bauarbeiter die Brücke und fotografieren das ordnungsgemäße Absperren. Dann kommen die ganz Schlauen: Die Absperrung wird zur Seite geschoben (und offen gelassen, so dass die nachfolgenden Fahrzeuge meinen, die Sperrschilder gelten nicht), und die Brücke wird über die Schotterpiste verbotenerweise überfahren.

Ein Unrechtsbewusstsein gibt es eben bei manchen nicht. Bei uns setzt an dieser Stelle allerdings ein großes Fremdschämen ein! Wahrscheinlich lachen sich diese Mitbürger auch noch über die schlapp, die die Sperrung akzeptieren und die Umleitung in Kauf nehmen. In diesem Fall sind wir gerne Spießbürger, denn irgendwann stehen die Uneinsichtigen bis an die Achse im frischen Beton.


Dass dadurch die Arbeiten verzögert würden, ist ihnen heute gar nicht bewusst. Ohne Einschalten des Hirns parken im direkten Umfeld und Rangierbereich der Baufahrzeuge auch immer Autos, deren Besitzer zu faul sind, zehn Meter weiter zu laufen; wir würden uns schämen, wenn wir aus diesem Grund von den Bauarbeitern einen Zettel unter den Scheibenwischer geklemmt bekämen, dass man den Pkw hier nicht abstellen sollte, weil er schlicht und einfach im Weg steht.