Und plötzlich war "Steuerverrat" nur noch ein Experiment
12.02.2010 | 15:36 Uhr 2010-02-12T15:36:00+0100
Hagen. Im März 2008 gründeten Jörg Sprave, sein Bruder Hartmut und Willi Mattutat mit dem Segen der Stadt Hagen ihre Firma „Steuerverrat”. Sie wollten offiziell mit zugespielten Steuerdaten handeln. Nachdem die Firma nun zu Grabe getragen wurde, sagen sie: Es war nur ein Experiment.
Untergehen kann so schön sein. Mit Pauken und Trompeten trugen Jörg Sprave, sein Bruder Hartmut und Willi Mattutat ihre Firma „Steuerverrat” vor etwa einem Jahr zu Grabe.
„Wir sind vielleicht die Ersten, die richtig froh sind, dass ihr Geschäftsmodell nicht funktioniert hat”, sagt Willi Mattutat heute. Eine Rückblende: Am 10. März 2008 erblickt die Firma Steuerverrat mit dem Segen der Stadt Hagen das Zwielicht der Welt. Geburtshelfer ist der Staat, der sich die Liechtensteiner Steuersünder-CD gönnt. Die Spraves und Mattutat springen auf den Zug auf, betätigen sich ganz offiziell als Makler von zugespielten Steuerdaten.
Deutsche erwiesen sich als Denunzianten
Wer seine Schwiegermutter, seinen Pizzabäcker oder seinen Chef der Steuerhinterziehung verdächtigt, ist bei steuerverrat.de goldrichtig. Und tatsächlich: Die Deutschen erweisen sich als Denunzianten erster Güte. Doch einen Abnehmer ihrer heißen Ware finden die Händler nicht. „Die Staatsanwaltschaften waren sehr träge, obwohl es um eklatante Summen ging”, blickt Jörg Sprave zurück.
Es ist kein Rückblick im Zorn. Denn was die Gründer ihren Kunden damals als ernsthaftes Geschäftsmodell auf dem Weg zum schnellen Geld verkauften, das bezeichnen sie inzwischen als Experiment: „Wir wollten wissen, ob Deutschland auf dem Weg zur Denunzianten-Nation ist”, sagt Jörg Sprave. Er wollte ein bisschen so sein wie Günter Wallraff, erzählt der Diplom-Kaufmann und Hobby-Schriftsteller. Nach dem geplatzten Daten-Verkauf war das Ziel erreicht. „Wir hatten den Eindruck, Liechtenstein wäre ein einmaliger Fall und waren zufrieden”, so Sprave.
Firmengeschichte zu Papier gebracht
Doch wäre er nicht zufriedener, wenn er die Daten für viel Geld verkauft hätte? Denn Steuerverrat trat vehement auf, ließ seine Verhandlungspartner bei der Staatsanwaltschaft nicht spüren, dass sie nur Teil des so genannten Experiments waren.
Wären Gelder geflossen, was hätten Sie damit gemacht, Herr Sprave? „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir sie gespendet hätten.” Gleiche Frage, etwas andere Antwort: „Schwer zu sagen, die Versuchung wäre da gewesen”, sagt Willi Mattutat. Nun könnte ein Buch die Kassen füllen. Jörg Sprave hat die Firmengeschichte zu Papier gebracht. Hier fällt dem Autor die Antwort leichter: „Den Erlös würden wir auf jeden Fall behalten.”
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