Unbekannte attackieren Rettungswagen in Hagen mit Wurfgeschossen

Die Windschutzscheibe des Rettungswagens ist durch das Wurfgeschoss massiv beschädigt worden.
Die Windschutzscheibe des Rettungswagens ist durch das Wurfgeschoss massiv beschädigt worden.
Foto: Alex Talash
Was wir bereits wissen
In der Silvesternacht ist ein Rettungswagen während der Fahrt mit Gegenständen beworfen worden. Wurde er durch einen Fehlalarm in die Falle gelockt?

Hagen.. Erinnerungen werden wach an die Vorfälle in der Silvesternacht vor zwei Jahren, als Polizisten und Feuerwehrleute in Altenhagen mit Feuerwerk beschossen worden waren: Auch beim Jahreswechsel 2014/15 sind Rettungskräfte der Feuerwehr durch Feiernde attackiert worden. Ein besonders massiver Vorfall ereignete sich erneut in Altenhagen: Die Windschutzscheibe eines Rettungswagens war offensichtlich bewusstes Ziel von Wurfgegenständen – ob es Steine oder Flaschen waren, ist noch unklar. Es besteht sogar der Verdacht, dass der Rettungswagen durch eine Fehlalarmierung gezielt in eine Falle gelockt wurde. Nur durch Glück gab es keine Verletzten.

Um kurz nach Mitternacht war aus einer Telefonzelle in Altenhagen ein Notruf bei der Feuerwehr-Leitstelle eingegangen – zu einem Notfall, den es letztlich gar nicht gab. Eine Rettungswagenbesatzung setzte sich umgehend in Bewegung und wurde dann Opfer der Attacke. Feuerwehr-Pressesprecher Marcel Göbel. „Nur mit viel Glück hatte der Kollege den Wagen unter Kontrolle halten können, so dass nicht mehr passiert ist.“ Da die Windschutzscheibe aus Verbundglas bestehe, habe sie der Attacke stand gehalten. Aber wenn der Aufprall nur ein bisschen heftiger ausgefallen wäre, dann hätte die

„Hochkriminell“

Situation schnell noch viel gefährlicher sein können. Göbel: „Wenn die Scheibe großflächig aufgesplittert wäre, dann hätte der Fahrer auf einen Schlag nichts mehr gesehen. Das ist insbesondere auf einer Einsatzfahrt hochgefährlich.“

Harsch waren gestern die Reaktionen in Internetforen, als sich der Vorfall dort verbreitete: Als „asozial“ und „hochkriminell“ wurde das Verhalten bewertet. So sieht es auch Feuerwehrchef Heinz Jäger, der gestern ankündigte, dass Strafanzeige gegen den oder die bislang unbekannten Täter gestellt werde.

Laut seinem Stellvertreter Veit Lenke war die Attacke aus Altenhagen nicht die einzige in der Silvesternacht: „Mehrere Fahrzeuge wurden gezielt mit Raketen beschossen und mit Flaschen beworfen. Die Respektlosigkeit der Feiernden gegenüber der Feuerwehr und dem Rettungsdienst war erschreckend.“ Marcel Göbel, langjähriger Feuerwehrmann ergänzt: Man habe es massiv mit aggressivem Verhalten zu tun gehabt. Die Umstände hätten sich in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert.

Damit gab es nur ein Jahr der relativen Ruhe nach den massiven Vorfällen zum Jahreswechsel 2012/13, die zu viel Unmut in der Bevölkerung geführt hatten: Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und Polizisten waren bei einem Einsatz in der Alleestraße mit Feuerwerkskörpern beschossen und mit Glasflaschen beworfen worden, nachdem dort ein Schaltkasten der Telekom in Brand geraten war. Erst mit einem Großaufgebot der Hagener Polizei konnte damals die Lage unter Kontrolle gebracht werden.

Das Motiv für die Gewaltattacken lag und liegt im Dunkeln. Ein 18-Jähriger war damals in Gewahrsam genommen worden. Ein 14-Jähriger hatte sich das trotzdem nicht als Warnung genommen und die Polizisten massiv beleidigt, geschlagen und getreten.

Hagen ist kein Einzelfall

Im vergangenen Jahr hatten die Rettungskräfte dann im Vorfeld der Silvesternacht zu mehr Respekt aufgerufen, es blieb dann auch relativ friedlich. Doch das war offensichtlich mehr ein Zufall. Denn die Hagener Vorfälle sind keine Einzelfälle, wie der Landesfeuerwehrverband weiß. So war im vergangenen Jahr an Silvester in Essen ein Feuerwehrmann im Einsatz tätlich angegriffen worden. Der Essener Ordnungsdezernent hatte damals die provoaktive These in die Diskussionen eingebracht, dass die Feuerwehrleute dann zum Eigenschutz besser ein Haus abbrennen lassen sollten als sich selbst in Gefahr durch die Attacken zu bringen.