Übung an der Baustelle Lennetalbrücke

Per Drehleiter wurde die Trage direkt bis ab den Rettungswagen heran gebracht.
Per Drehleiter wurde die Trage direkt bis ab den Rettungswagen heran gebracht.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Die Hagener Feuerwehr hat den Ernstfall an der Baustelle Lennetalbrücke geprobt. Per Drehleiter wurde ein verletzter Arbeiter gerettet.

Lennetal.. Unter der Brücke ist es eiskalt. Wie kalt muss es erst oben auf einem der Pfeiler in rund 20 Meter Höhe sein? Erst recht, wenn man auf dem nackten Beton liegt und sich nicht bewegt.

„Hilflose Person an der Baustelle Lennetalbrücke, kollabiert, nicht ansprechbar“ – das sind die Informationen, die in der Leitstelle der Hagener Feuerwehr eingegangen sind. Binnen Sekunden setzen sie einen Ablaufplan in Gang, der kaum aufzuhalten ist. Oben liegt ein Bauarbeiter und mimt den Verletzten.

„Alles nach Plan gelaufen“

Sechs Minuten dauert es, bis die Rettungskräfte vor Ort eintreffen. Zwei weitere, bis die Ersthelfer über das Baugerüst den riesigen Betonpfeiler empor gestiegen sind und mit der Versorgung des Verletzten begonnen haben.

Veit Lenke, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Hagen, steht ein wenig abseits des Geschehens und nickt zufrieden. „Alles nach Plan gelaufen“, sagt er, nachdem die Trage mit dem Verletzten per Drehleiter nach unten gebracht worden ist. „Bei solch einer Höhenrettung ist es wichtig, nicht in Hektik zu verfallen. Es kommt darauf an, den Verletzten möglichst schnell an Ort und Stelle zu versorgen und zu stabilisieren. Wie schnell er dann nach unten gebracht wird, ist zweitrangig.“

Sicherheitskonzept

Für die Feuerwehr geht es nicht darum, einzelne Feuerwehrleute zu bewerten oder ihnen mögliche Fehler vorzuhalten. „Für uns ist wichtig zu prüfen, ob das, was wir uns theoretisch überlegt haben, auch praktisch funktioniert“, so Veit Lenke. Denn hinter all dem, was sich an gestern Morgen an Hagens derzeit größter Baustelle tut, steckt ein eigens für dieses Projekt ausgearbeitetes Sicherheitskonzept.

Feuerwehr Hagen und der Landesbetrieb Straßen NRW sind daran beteiligt. So ist bereit im Vorfeld festgelegt worden, dass bei einem Unfall an der Baustelle Lennetalbrücke immer eine Drehleiter und ein Hilfeleistungsfahrzeug mit ausrücken. „Ähnlich wie in den Wäldern, haben wir feste Rettungspunkte eingerichtet“, so Lenke, „wenn die schon beim Notruf mit angegeben werden, wissen die Einsatzkräfte sofort, welchen Bereich der Baustelle sie genau anfahren müssen.“

Beauftragter für Sicherheit

Weil sich die quer durch das Lennetal auf einem rund einen Kilometer langen Streifen erstreckt, macht das Sinn. „Und auch, wenn man bedenkt, dass auf der Baustelle viele Menschen arbeiten, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen“, sagt Michael Neumann, Projektleiter bei Straßen NRW. „Zumindest den Bereich, in dem der Unfall passiert ist, können sie durch die Rettungspunkte relativ leicht benennen.“

Teil des Gesamtkonzeptes ist auch ein eigener Sicherheitsbeauftragter, den Straßen NRW extra für das Großprojekt bestimmt hat. „Dabei geht es auch um die ganz simplen Dinge“, sagt Michael Neumann, „bei seinen unangemeldeten Kontrollen achtet er beispielsweise darauf, ob die Arbeiter einen Helm und eine Warnweste oder die richtigen Schuhe tragen. Wenn man wie viele Kollegen hier schon seit Jahren auf dem Bau arbeitet, wird man manchmal betriebsblind. Da ist es nicht schlecht, wenn man mal wieder einen kleinen Stups bekommt.“