Turnhallen erneut auf dem Prüfstand

Was wir bereits wissen
Die beiden Turnhallen in der Dahmsheide und in der Berghofstraße werden von der Politik erneut ins Visier genommen.

Altenhagen.. Jahrelang wurden sie gegeneinander ausgespielt – die beiden Turnhallen in der Dahmsheide und in der Berghofstraße mit ihrem altväterlich-betörenden Charme. Eine von beiden sei überflüssig und müsse aus Kostengründen aufgegeben werden, lautete das Credo im Rathaus. Schließlich neigte sich die Abrisswaage zur Berghofstraße, die Halle in der Dahmsheide müsse, vor allem mit Rücksicht auf die Grundschüler aus Altenhagen, unbedingt erhalten bleiben, entschied der Rat im Herbst.

Ein Beschluss, der inzwischen wie die Quadratur des Kreises wirkt. Denn geändert hat sich bisher nichts, und es wird sich auch zukünftig nichts ändern. Beide Turnhallen bleiben bestehen und werden von den gleichen Sportlern und Schulen genutzt wie vorher auch. „Da fehlen mir die Worte“, ist nicht nur Arno Lohmann, Bezirksbürgermeister Mitte, fassungslos.

98 000 Euro Unterhaltungskosten

Waren all die Diskussionen der Vergangenheit also völlig sinnlos? Scheinbar ja, wenn man der Logik der Stadtverwaltung folgt. Der Vorschlag, beide Hallen in der bisherigen Form weiterzubetreiben, kommt aus dem Servicezentrum Sport, der Kämmerei und der Gebäudewirtschaft. Dort hat man ausgerechnet, dass dafür zwar 98 000 Euro pro Jahr an Unterhaltungskosten anfallen, die notwendige Sanierung in Höhe von 270 000 Euro jedoch erst im nächsten oder gar übernächsten Jahrzehnt vonnöten wäre. Was wiederum bedeutet, dass die „Jahre der Wahrheit“ von 2016 bis 2019, in denen der städtische Haushalt auf keinen Fall höher belastet werden darf, tatsächlich außen vor blieben. Auch über eine Verwendung der Turnhalle in der Berghofstraße als Flüchtlingsunterkunft hat man im Rathaus nachgedacht, doch würde das den jährlichen Unterhaltungsaufwand um weitere 30 000 Euro in die Höhe schnellen lassen.

Ebenfalls aus dem Rennen ist der anfangs favorisierte Abriss der Turnhalle inklusive Verkauf des Grundstücks mit Nutzung als zukünftige Parkfläche. Eine solche Lösung würde die Stadt unter dem Strich nicht nur 610 000 Euro kosten, sondern dann müsste ein neuer Standort für die im Keller der Turnhalle befindliche Heizungsanlage, mit der auch die benachbarte Großturnhalle versorgt wird, gefunden werden. Bliebe die Möglichkeit, die Halle einfach leer stehen zu lassen. Aus finanzwirtschaftlicher Sicht wäre dies die vorteilhafteste Variante, würde sie doch lediglich 29 000 Euro an jährlichem Unterhaltungsaufwand zur Folge haben und ansonsten keine Kosten verursachen. Die Vorstellung, im dicht besiedelten und kinderreichen Altenhagen eine Geisterhalle instandzuhalten, ist jedoch selbst den städtischen Finanzexperten zuwider. Womit wir wieder bei der Ausgangsüberlegung angekommen wären: Die Turnhalle in der Berghofstraße, die eigentlich nicht mehr gebraucht wird, wird auch weiterhin dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen, weil niemand eine bessere Idee hat.

Schlüssiges Finanzkonzept fehlt

Oder doch? In der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Mitte will Lohmann einen schon ad acta gelegten Wunsch der Sekundarschule Altenhagen aufgreifen, wonach die Turnhalle in eine Schulmensa verwandelt werden könnte. Der Bezirksbürgermeister bemängelt, dass die Stadtverwaltung es im Herbst unterlassen habe, den politischen Entscheidungsträgern ein schlüssiges Finanzkonzept für den Turnhallen-Beschluss vorzulegen. Erst jetzt, nachdem alle Entscheidungen gefallen seien, seien die Zahlen nachgereicht worden: „Und wir sollen Geld in eine Turnhalle stecken, die nicht mehr benötigt wird.“

Man darf gespannt sein, ob die Diskussion nun noch einmal von vorn beginnt.