Tür auf für den Staatsanwalt

Bei vielen Beschäftigten der Enervie-Gruppe dürfte in diesem Jahr die österliche Aufbruchstimmung eher gedämpft ausfallen. Denn abseits der christlichen Auferstehungsbotschaft wird die wirtschaftliche Realität in ihrem Unternehmen von ­Passionsgefühlen diktiert.


Weiterhin ist unklar, ob sich das Unternehmen komplett von der Kraftwerkssparte trennt oder die ­Erzeugung zumindest in Teilen erhält. Weiterhin müssen Mitarbeiter zittern, ob und in welcher Form es ihre Jobs künftig noch gibt. Weiterhin liegt im strategischen Nebel, mit welcher Offensive der Energieversorger künftig jene Euros verdienen möchte, die das Unternehmen nicht bloß zurück in die schwarzen Zahlen führen, sondern auch eine nennenswerte Ausschüttung an die Kommunen garantieren soll.


Denn eines darf nie vergessen werden: Diese AG ist eine öffentliche – der Steuerbürger bekommt das Wohl und Wehe der Enervie letztlich in seinem Geldbeutel zu spüren. Keine Dividende – höhere Steuer- und Gebührenlast. Auf diese simple Formel wird es der Kämmerer bald bringen. Daher müssen die Enervie-Beschäftigten es auch erdulden, dass Interna ihres Hauses – egal ob aus Vorstandsbüros, Aufsichts- und Konsortialräten oder aus Finanzausschuss und Präsidium – zunehmend zum Gegenstand öffentlicher ­Diskussionen werden.


Dennoch möchte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Majewski, gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, am 13. April offenkundige Verletzungen der Verschwiegenheitspflicht zum zen­tralen Thema einer Aufsichtsrat-Sondersitzung machen. Dabei soll ­geprüft werden, ob man Strafantrag wegen Geheimnisverrats stellt. Was das bringt? Zunächst einmal etwa 4500 Euro Extra-Sitzungsgeld. Und natürlich den Effekt, dass demnächst auch noch der Staatsanwalt in der Haßleyer Zentrale anklopft.