Trotz der Austritte – Angebote junger Kirchen in Hagen gefragt

Beliebt: Der Kinderzirkus Quamboni zählt zu den Angeboten der Evangelischen Jugend.
Beliebt: Der Kinderzirkus Quamboni zählt zu den Angeboten der Evangelischen Jugend.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Trotz der steigenden Zahl der Kirchenaustritte in Hagen: Die Angebote der Jungen Kirchen werden stärker nachgefragt als je zuvor.

Hagen.. Die rasant steigende Zahl der Kirchenaustritte hat keine Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis, im Dekanat und in den Gemeinden. Im Gegenteil: „Die Zahl derjenigen, die wir mit unseren Angeboten erreichen, steigt“, sagt Frank Fischer von der Evangelischen Jugend bei der Vorstellung des Jahresmottos „Mal angenommen . . .“. Immerhin ein Viertel der Gemeindeglieder sei zwischen 6 und 27 Jahren alt. Aber nicht nur die wollen die jungen Kirchen erreichen.

Was Fischer feststellt, kann auch Christian Peters, Dekanatsreferent für Familien und Jugend nur bestätigen: „Von einem Rückgang kann trotz der steigenden Zahl der Kirchenaustritte in unserem Bereich nicht die Rede sein. Unsere Angebot in den Gemeinden und unsere Freizeiten sind nach wie vor gut nachgefragt.“ Junge Kirche – gleich ob evangelisch und katholisch – will bewusst anders sein.

Und darin liegt für Fischer auch das Geheimnis des Erfolgs: „Die Erwachsenen-Kirche ist doch sehr in der Tradition verhaftet. Das geht schon bei der Begrüßung im Gottesdienst mit ,Der Herr sei mit dir. Und mit deinem Geiste’ los. Damit können junge Menschen nichts anfangen“, so Fischer.

Jugendgottesdienste beliebt

Die Jugendgottesdienste, berichten Fischer und Peters übereinstimmend, seien deshalb so gut besucht, weil sie ganz bewusst andere Schwerpunkte setzten. Jugendliche, so Fischer, wollten nicht „angepredigt werden“, sondern mitbestimmen und mitgestalten. „Die normalen Gottesdienste besuchen sie kaum“, so Peters, „aber das gilt oft auch schon für ihre Eltern.“

Dabei spielt auch Kirchenkritik eine wichtige Rolle. „Wenngleich die Zeiten, in denen sich die Jugendliche geradezu abarbeiten, vorbei sind“, wie Peters sagt. „Sie nehmen eher mit, was Kirche bietet und was in ihren Kontext passt.“

Glaube ist nicht Voraussetzung

Glaube oder gar christlicher Glaube ist keine Voraussetzung, um die Angebote der jungen Kirchen wahrzunehmen: „Natürlich feiern wir auf unseren Freizeiten auch Gottesdienste“, sagt Fischer, „aber wir wollen niemandem unsere Überzeugungen überstülpen. Es geht nicht um richtig oder falsch. Wir diskutieren unterschiedliche Sichtweisen.“ Dabei gebe es durchaus Ehrenamtliche, die mit Gott „gar nicht so viel anfangen können, die allerdings die Atmosphäre sehr schätzen“. Dabei haben die Angebote durchaus einen religiösen Hintergrund. „Allerdings geht es viel mehr um die Werte.“

Dabei stellt die Jugendarbeit der Kirchen die Menschen in den Mittelpunkt und will sich viel weniger an Dogmen orientieren. „So kann das Miteinander zwischen Christen und anderen Religionen funktionieren“, sagt Fischer. Was auf dieser Ebene klappt, war als „Forum der Religionen“ zuletzt kläglich gescheitert.