Traumhafte Sonnenenergie-Ernte

Karl-Friedrich Winterhager vor dem Kurt-Gerstein-Haus in Berchum.
Karl-Friedrich Winterhager vor dem Kurt-Gerstein-Haus in Berchum.
Foto: WP

Berchum..  Sie waren Pioniere. Jene vier gestandenen Männer um den Ideengeber Dr. Helmuth Küffner, die vor einem Jahrzehnt für eine atomfreie Zukunft in Deutschland in Berchum eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründeten und danach eine Bürgerstromanlage auf das Dach des Kurt-Gerstein-Hauses der Evangelischen Schülerarbeit in Westfalen (EsW) in Berchum pflanzten. Mit dem Ziel, den Ausbau der regenerativen Energie zu fördern.

Mindestens 1000 Euro Einsatz

Die vier persönlich haftendenden Gesellschafter - Jürgen Keil, Clemens Lohkamp, Karl-Friedrich Winterhager und Dr. Helmuth Küffner - wollten die damals für die 240 Quadratmeter große Solaranlage anfallenden Kosten in Höhe von 127 000 Euro, die sie in 127 Anteile zu jeweils 1000 Euro stückelten, nicht alleine stemmen. Sie suchten weitere stille Mitgesellschafter und fanden diese: insgesamt 34 Männer und Frauen aus Berchum und Umgebung, die zwischen 10000 Euro und 1000 Euro einbrachten.

Drei Prozent Rendite erhofften sich damals die Initiatoren, heuer sind sie in der Lage, sechs Prozent auszuschütten. Ein Vielfaches mehr somit von jenen Zinsen, die kluge Geldanleger aktuell bei den Banken erzielen.

Nicht nur deshalb ist Karl-Friedrich Winterhager schon ein bisschen stolz, was in Berchum geleistet worden ist. Denn das kleine Dorf im Norden von Hagen hat sich durch das Engagement der Berchumer Initiative für Solare Energie (Binse) zu einem Solardorf entwickelt, das zwischenzeitlich in der Solarbundesliga mitspielt (diese Zeitung berichtete mehrfach).

30,6 Kilowatt peak Leistung

Die 180 Module der insgesamt 30,6 Kilowatt peak an Leistung erbringenden Anlage setzten die Gesellschafter vor zehn Jahren aufs Dach des Kurt-Gerstein-Hauses, um damit Sonnenenergie zu ernten.

Als Ziel waren damals 24 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr angedacht, die ins Netz des heimischen Energieversorgers Mark-E eingespeist werden sollten und werden. Dazu gibt es unter dem Dach des Kurt-Gerstein-Hauses fünf Wechselrichter, die den erzielten Gleichstrom in Wechselstrom verwandeln.

Dass nach 10 Jahren der erhoffte Wert von 24 000 Kilowattstunden pro Jahr deutlich überschritten wurde und Ende Mai die Gesamtsumme von 290 000 Kilowattstunden ausgewiesen werden, macht deutlich, dass die verantwortlichen Gesellschafter mit ihrem Idealismus völlig richtig lagen. Karl-Friedrich Winterhager führt dabei sorgfältig Statistik und verweist auf Regenjahre, wie das Jahr 2010, als nur 26 880 Kilowattstunden registriert wurden, und Sonnenjahre (2011), mit einer erzielten Höchstleistung von 31 380 Kilowattstunden.

Ob Regen- oder Sonnenjahr. „Jedes Jahr ist für die Umwelt ein Gewinn“, betont Karl-Friedrich Winterhager. 55 Cent erhalten sie pro eingespeiste Kilowattstunde, weil die Berchumer GbR noch einen Altvertrag besitzt und somit eine großzügige Förderung erfährt.

So lässt sich mathematisch schnell belegen, dass die Bürgerstromanlage sich bereits in der Gewinnzone befindet, auch wenn zwischenzeitlich der eine oder andere Wechselrichter seinen Geist aufgegeben hat und gegen einen modernen ausgetauscht werden musste. Doch die Kosten dafür sind überschaubar.

„Eine Lebensdauer von 25 Jahren hat uns der Hersteller garantiert“, betont Winterhager, der die Entwicklung am Solaranlagenmarkt stets aufmerksam verfolgt. „Heute würden die Kosten für eine solche Anlagen unter 50 000 Euro liegen.“

Berchum wird zum Solardorf

Dafür gibt es allerdings auch die sich lohnende finanzielle Förderung nicht mehr. Allerdings, so macht der Berchumer Solarfachmann deutlich, dürfen die Besitzer einer Solaranlage seit dem Jahr 2009 ihre Ernte für den eigenen Bedarf nutzen.

Auch er besitzt auf dem Sonnendach seines Hauses am Ergster Weg eine kleine Anlage. Für diese registriert er eine Jahresleistung von rund 4500 Kilowattstunden. Bei einem persönlichen Jahresverbrauch von knapp 3000 Kilowattstunden lebt er somit völlig autark. Unabhängig somit von Atommeilern und Braunkohlekraftwerken. „Eine solche Anlage lohnt sich. Das bin ich darüber hinaus meinen Kindern und meinen Enkelkindern schuldig“, betont er.