Traumhafte Ausblicke und jede Menge Schweiß

Hohenlimburg..  Im Jahr 2006 unternahmen die Radsportler des ATS Nahmer bereits eine Tour durch die Alpen. Neun Jahre zogen seither ins Land. Nun stellen sich die Nahmeraner erneut dieser Herausforderung: 22 Radler fahren am morgigen Sonntag mit dem Zug nach Lausanne in der Schweiz, um von da aus innerhalb einer Woche die Alpen in Richtung Frankreich zu überqueren. Plangemäß möchte die Gruppe am kommenden Samstagabend in Nizza eintrudeln, von wo es einen Tag später mit einer Maschine der Germanwings zurück nach Köln-Bonn geht.

Der ATS Nahmer fährt im Kalenderjahr viele große Touren, so das Event „Rad am Ring“, den Öztaler Marathon oder die Trondheim-Oslo-Tour, bei der 500 Kilometer am Stück zurücklegt werden. Ein weiteres Highlight stellt das jährliche Trainingslager auf Mallorca dar, bei dem die Sportler ihre Zelte beispielsweise in Alcudia aufschlagen und Strecken zum traumhaften Cap Formentor oder an der Westküste entlang absolvieren.

Aber die Tour in der kommenden Woche ist eine ganz andere Hausnummer. Insgesamt muss das Team über die Stationen Martigny, Aosta, Val d’Isere, Saint Michel de Maurienne, Mount-Dauphin und St. Etienne mindestens 670 Kilometer zurücklegen und dabei 13 800 Höhenmeter überwinden. „Wir haben alle großen Respekt vor dieser Tour. Wir machen zwar immer Jahrestouren mit solchen Entfernungen, doch die Höhenmeter sind diesmal gewaltig. Wir sind ja alle nicht mehr die Jüngsten“, sagt Klaus Even, Leiter der Radsportabteilung des ATS, schmunzelnd und zugleich ehrfürchtig.

Wie wahr: Der jüngste Teilnehmer ist immerhin 49 Jahre alt, Günter Gerke bringt es als ältester Fahrer auf 63 Jahre. „Für einige wird es sicherlich nicht leicht, am dritten oder vierten Tag wieder aus Rad zu steigen“, sind Even die Nebenwirkungen einer solchen Fahrt durchaus bekannt. Für andere hingegen sei die Tour weniger strapaziös. „Deshalb fährt auch jeder seinen Stiefel, so dass es wohl zwei Gruppen geben wird: die Normalos und die besonders Durchtrainierten.“

Planung bis ins kleinste Detail

Jede Tagestour ist bis ins kleinste Detail mit der abendlichen Einkehr in ein Hotel geplant. Für manche Strecken sind Alternativrouten bekannt, falls sich ein Teil der Gruppe mal mehr oder weniger zutraut. „Das Anstrengende ist, dass man diese Höhenmeter Tag für Tag abspult. Da kann der Akku zwischendurch mal leer sein“, so Even.

Die Alpenüberquerung ist gespickt mit landschaftlichen Höhepunkten: vom märchenhaften Ausblick vom St. Bernard auf dem Weg nach Aosta bis hin zum Zwischenstopp in der gemütlichen Altstadt von Briancon mit den alten Festungsanlagen.

Auf dem Weg nach St. Etienne befahren die Hohenlimburger mit dem Col de la Bonette (2 715 Meter Höhe) und dem Col de Restefond die höchste Passstraße Europas, um am Samstag die wunderschöne Strecke über den Col Saint Martin und Gorges de la Vesubi herunter nach Nizza entlang der Côte d’Azur zu genießen. Das Wochenziel, eine Abkühlung im Mittelmeer, rückt dabei in greifbare Nähe.