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Prozess

Tödliches Drama auf der A 1 bei Hagen wird neu aufgerollt

30.03.2016 | 07:00 Uhr
Tödliches Drama auf der A 1 bei Hagen wird neu aufgerollt
Nach dem Aufprall in die Leitplanken werden drei Insassen dieses Twingos auf die Autobahn geschleudert. Eine junge Frau (23) starb.Foto: Alex Clash

Hagen.   Ein Hagener soll ins Lenkrad gegriffen haben und so den Tod einer 23-Jährigen verursacht haben. Er wurde bereits zu einer Gefängnisstrafe verurteilt – jetzt geht es in die Berufung.

Das Drama von der A1 bei Volmarstein, bei dem drei Personen aus einem Renault Twingo auf die Autobahn geschleudert wurden und eine 23-Jährige starb, weil ein nachfolgendes Auto sie überfuhr – dieses Drama wird seit gestern Stückchen für Stückchen neu aufgedröselt.

Denn: Der Beifahrer (24), der der Fahrerin unbestritten ins Lenkrad griff, fühlt sich völlig unschuldig an dem folgenschweren Unfall. Der Hagener war im Juli vergangenen Jahres vom Erweiterten Schöffengericht wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht erhofft er nun einen Freispruch.

Die 8. Kleine Strafkammer steht vor der schwierigen Frage: Wem kann man in diesem Prozess eigentlich glauben? Sicher ist bislang nur, dass am 29. Juni 2013, dem tragischen Unglücksabend, fünf junge Leute in dem überfüllten blauen Twingo saßen. Sie kamen von einer Geburtstagsfeier in Düsseldorf. Die beiden Männer und die Frau auf der Rückbank waren nicht angeschnallt.

Kleinwagen brach plötzlich aus

Gegen 22.15 Uhr, in Höhe der Auffahrt Volmarstein, kurz vor der Talbrücke, riss der Kleinwagen bei mehr als 100 Stundenkilometern plötzlich aus. Er krachte links in die Leitplanke links, durch den Aufprall flog die Heckklappe auf und die drei Personen auf der Rückbank wurden auf die Autobahn geschleudert.

Bei dem schweren Unfall wurden die fünf Autoinsassen unterschiedlich schwer verletzt. Die junge Frau lag auf der Überholspur und war gerade dabei, ihren Oberkörper aufzurichten, als sie von einem heranrauschenden Mercedes überrollt und getötet wurde.

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Beschimpfungen und Beschuldigungen im Internet

Die 8. Strafkammer unter Vorsitz von Dieter Krause hat als nächste Verhandlungstage den 7., 11. und 14. April vorgesehen.

Nach dem ersten Urteil hatte es zahlreiche Beschimpfungen und Beschuldigungen im Internet gegeben. Auch damit wird sich das Gericht noch beschäftigen.

Verteidiger des 24-jährigen Hageners sind Ralph Giebeler und Hans-Christian Freier.

Dem Fahrer sei kein Vorwurf zu machen, befanden die Richter erster Instanz in ihrem Urteil. Seine Sicht sei durch ein vorausfahrendes Fahrzeug zunächst versperrt gewesen. Als die Sicht dann schließlich frei war, wäre ein rechtzeitiges Reagieren und Anhalten nicht mehr möglich gewesen.

Doch warum griff der angeklagte Beifahrer der Fahrerin überhaupt ins Lenkrad? Die Kinderpflegerin ist damals seine Freundin gewesen und man hatte sich während der Fahrt auf der Autobahn gestritten. Eifersucht soll im Spiel gewesen sein. „An ihrer Fahrweise konnte man merken, dass sie zornig war“, behauptet der Angeklagte.

Zeugin bricht in Tränen aus

Der Wagen habe ruckartig die Spuren gewechselt, sei plötzlich nach links rübergezogen, dann wieder nach rechts. „Das Auto hat sich aufgeschaukelt.“ Und weiter: „Ich habe sie deshalb angeschrien und da hat sie das Lenkrad losgelassen.“

Er habe noch „Funken“ gesehen, die Reifen quietschen gehört – dann sei der Aufprall in die Leitplanke geschehen. Erst dann habe er ins Lenkrad gegriffen, „um gegenzusteuern“. Doch das Auto habe sich noch gedreht, sei schließlich entgegen der Fahrtrichtung zum Stehen gekommen.

Die Fahrerin (24), die durch den schweren Unfall ihre Freundin verlor, schildert es ganz anders: „Er hat mir während der Fahrt plötzlich mit der Hand ins Lenkrad gegriffen und daran gezogen.“ Sie glaubt aber nicht, dass er sich über die schlimmen Folgen im Klaren war. Als sie die letzten Sekunden im Leben ihrer Freundin in allen Einzelheiten erzählen muss, bricht die Zeugin mehrfach in Tränen aus.

Einmal verliert sie sogar regelrecht die Fassung: „Wie kannst du eigentlich nachts schlafen?“, herrscht sie wütend ihren angeklagten Ex-Freund an: „Hast du denn kein Gewissen?“

Der hatte sie zuvor angegrinst.

Helmut Ullrich

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2016-03-30 07:00
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