Tödlicher Schuss der Hagener Polizei – Täter ein Sonderling

Spurensuche am Tatort in der Schwerter Straße. Die Polizei erschoss den Angreifer.
Spurensuche am Tatort in der Schwerter Straße. Die Polizei erschoss den Angreifer.
Foto: Hubertus Heuel
  • Mit Machete bewaffneter Mann greift Versicherungskaufmann in Kabel an
  • Opfer wird bei Attacke schwer verletzt
  • Polizei erschießt den Angreifer auf der Straße

Kabel.. Ein mit einer Machete und einem Messer bewaffneter Mann hat am Dienstag einen Mitarbeiter der Allianz-Agentur in Kabel schwer verletzt und ist anschließend von der Polizei erschossen worden. Das Opfer, ein 49-jähriger Versicherungsmakler, liegt weiter mit schweren Verletzungen in einem Hagener Krankenhaus. Sein Zustand ist aber nicht lebensdrohlich.

Finaler Schuss durch eine Polizeibeamtin

Mehrere Anwohner waren Augenzeugen des dramatischen Geschehens und schockiert von der Bluttat. Weil eine Hagener Polizeibeamtin den finalen Schuss abgab, wurde aus Neutralitätsgründen eine Ermittlungskommission der Kripo Wuppertal eingesetzt, um die Hintergründe des Falls aufzuklären.

Nach Informationen der WESTFALENPOST betrat ein Mann osteuropäischer Abstammung am Dienstag gegen 14.45 Uhr die Allianz-Agentur an der Schwerter Straße und begann einen Streit mit dem Mitarbeiter (49), in dessen Verlauf er ihm mit einer Machete und einem Messer schwere Stichverletzungen beibrachte. Der Versicherungskaufmann konnte sich ins Freie retten und flüchtete, verfolgt von dem völlig außer Rand und Band geratenen Angreifer, die Straße hinunter. Zunächst flehte der Gejagte im Kiosk „Schnuckerlädchen“ um Hilfe, doch weil ihm der Angreifer dicht auf den Fersen war, lief er weiter und rettete sich schließlich in den Dönerladen „Hacibaba“. Hier brach er zusammen.

Ladeninhaber rettet mit Ersthilfe das Leben

Um den Blutverlust zu stoppen, band ihm Nihat Yetkin (35), Inhaber des Ladens, mit einem Gürtel den Oberarm ab. „Möglicherweise hat er ihm dadurch das Leben gerettet“, sagte ein Polizeibeamter. Als der immer noch mit den Stichwaffen herumfuchtelnde Verfolger wissen wollte, wo sich sein Opfer befand, sagte ihm Yetkin, dieses sei die Straße wieder hinaufgelaufen.

Bluttat Daraufhin kehrte der Täter um und wurde von einer herbeigerufenen Streifenwagenbesatzung gestellt. Weil er der Aufforderung, seine Waffen fallen zu lassen, nicht nachkam und die Beamten stattdessen attackiert haben soll, wurde er von einer Polizistin erschossen. Der schwer verletzte Allianz-Mitarbeiter wurde mit Stich- und Schnittwunden – begleitet von einem Notarzt – in ein Krankenhaus gebracht.

Wenige Minuten nach dem tragischen Vorfall trafen zahlreiche weitere Polizisten und Rettungskräfte in Hagen-Kabel ein, die Straße wurde abgesperrt. Mit einem weißen Spray markierte ein Beamter die Blutspur des Verletzten, die sich vom Versicherungsbüro schräg über die Straße bis zum Dönerladen zog, sowie den Fundort der Machete und des Messers. „Es war so viel Blut“, schilderte der sichtlich erschütterte Yetkin die Situation.

Täter ein Eigenbrötler und Sonderling

Wie bekannt wurde, wohnte der Täter gleich um die Ecke im Hochhaus an der Steinhausstraße. Berichten von Nachbarn zufolge war er ein Eigenbrötler und Sonderling. „Er trug immer schwarze Kleidung und hatte ein eigenartiges Auftreten“, berichtete Albert Beganaj (20): „Allerdings habe ich nie Waffen bei ihm gesehen. Wenn man ihn kannte, war er ein lieber Kerl, aber Fremdem gegenüber sehr misstrauisch.“

Auch Daniel Geisler (35) kannte den merkwürdigen Menschen, er erzählte, dass er ihn vorgestern noch zum nahen Penny-Markt begleitet habe: „Er hat oft von Außerirdischen gesprochen und gesagt, er hätte mich vor 10 000 Jahren beim Schafehüten beobachtet.“ Zudem habe der Mann Steine im Erdreich verbuddelt und geglaubt, sie würden sich in Gold verwandeln: „Dass er einen weghatte, wusste ich, aber ich hätte ihm nie zugetraut, dass er mit Messern auf einen Menschen losgeht.“ Auch im „Schnuckerlädchen“ war der Mann bekannt, weil er dort öfter Tabak kaufte.

Die Staatsanwaltschaft Hagen hat die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Kripo Wuppertal übernommen, wollte aber am Dienstagabend keine weitere Stellungnahme abgeben. Wie viele Schüsse die Polizei auf den Angreifer abgegeben hat, ist nicht bekannt.

Notfallseelsorger waren vor Ort, um alle Betroffenen, so sie dies wünschten, zu betreuen. Die Schwerter Straße war noch Stunden nach dem Geschehen gesperrt, damit Kriminaltechniker Spuren sichern konnten.